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Studio 9 | Beitrag vom 17.06.2016

Startups in BreslauDas polnische Silicon Valley

Von Margarete Wohlan

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Labor in Breslau (Marcin Witkowski)
Breslau investiert in Zukunftstechnologie. (Marcin Witkowski)

Kreativ, innovativ und weltoffen: Wer als junger Mensch in Breslau ein Unternehmen gründen will, profitiert von speziellen Förderprogrammen. Und von der weltoffenen Atmosphäre der Stadt.

Drahtig, kurzes Haar, wache Augen – das ist Piotr Orzechowski, 30, und seit vier Jahren stolzer Startup-Unternehmer. Die Idee dazu hatte er schon im Studium: eine Internetplattform zu programmieren, auf der man überprüfen kann, ob und wenn ja, welche Krankheit man hat. Eine Form von Früherkennung, erklärt der Informatiker, die notwendig ist.

"Viele informieren sich im Netz über Krankheiten und entscheiden so, ob sie zum Arzt gehen oder nicht. Das Problem ist: In den Foren gibt es oft ein ungeprüftes medizinisches Wissen, das häufig falsch ist – und was noch schlimmer ist: Man fühlt sich danach erleichtert und geht nicht zum Arzt. Wir finden das fatal und wollen die Leute bewegen, zum Arzt zu gehen."

Eine Idee, an der Programmierer und Ärzte gemeinsam arbeiten. Die Inhalte werden laufend aktualisiert und ausgebaut. Ohne eine entsprechende finanzielle Förderung hätte Piotr sich das Projekt nicht erlauben können.

"Doktor Medi" auf Expansionskurs 

"Wir haben das Unternehmen 2012 gegründet – mit finanziellem Startkapital des Breslauer Forschungszentrums EIT+. Das hat uns ermöglicht, eine richtige Firma zu gründen, das Team zu vergrößern und unser Produkt an die Leute zu bringen. Heute haben wir 20 Mitarbeiter – und alles weist darauf hin, dass wir schnell weiterwachsen. Wir verkaufen Lizenzen für unser Programm, bis in die USA – bisher haben von unserer Technologie rund 300 Unternehmen profitiert."

So wird er sein, der virtuelle Arzt der Zukunft: "Doktor Medi" hat Piotr Orzechowski ihn genannt. Online-Arzt, Online-Diagnose, ohne Wartezeit. Das entlastet die Patienten, ohne dass sie sich selbst überlassen werden.

Sein Projekt ist eine Erfolgsgeschichte und typisch für die Startups, die die Stadt und ihr Forschungszentrum gern fördern. Bis zu 200.000 Euro investiert man hier in eine Idee, wenn sie überzeugt. Seit 2009 wurden so 14 Startups gegründet, von denen allerdings nur vier mittlerweile auf eigenen Füßen stehen. Auf die Frage, warum so wenig, lächelt Edyta Petters vom städtischen Forschungszentrum EIT+.

"Breslau unterstützt Startups vor allem in den Bereichen Nano-Technologie und Biotechnologie – dadurch unterscheiden wir uns von allen anderen polnischen Städten. Man braucht zwar für solche Startups einen langen Atem, aber wenn sie dann erstmal laufen, sind die Erfolge viel größer und spektakulärer."

"Vereinigte Staaten von Polen"

Das Programm dahinter nennt sich Smart City und illustriert den Wunsch der Stadt, ein polnisches Silicon Valley zu erschaffen. Für den stellvertretenden Leiter des Zentrums Krzysztof Sachs eine Vision, die zu Breslau passt und verwirklicht werden sollte:

"Breslau ist eine offene Stadt – das ist historisch begründet, weil man hier niemanden findet, der älter ist als 70 Jahre. Alle sind hierher von irgendwo anders hergezogen. Das schafft eine besondere Mentalität, so ne Art 'Vereinigte Staaten von Polen' als Stadt. Und dieses Klima – gespiegelt im Slogan 'Stadt der Begegnungen' – macht kreativ! Was aber mindestens genauso wichtig ist: Wir haben hier den in Polen besten Technologie-Park, unsere Technische Universität ist im Ranking die beste landesweit und unser Forschungszentrum ist die größte Investition aus EU-Mitteln in Polen, die die notwendige Infrastruktur für technologische Forschung bereitstellt."

Die Startup-Szene hier ist auf kreative Köpfe aus aller Welt angewiesen. So sollen hochwertige und gutbezahlte Arbeitsplätze entstehen, die – quasi als Dominoeffekt – weitere Arbeitsplätze nach sich ziehen sollen. Die Frage ist nur, ob der Plan von Breslau tatsächlich realisiert werden kann unter der seit gut einem halben Jahr regierenden nationalkonservativen Regierung. Viele in der Startup-Szene haben da so ihre Zweifel.

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