Seit 09:00 Uhr Nachrichten

Montag, 27.05.2019
 
Seit 09:00 Uhr Nachrichten

Fazit | Beitrag vom 28.04.2019

Stadtplanung in New YorkWolkenkratzer, in denen kaum jemand lebt

Jørg Himmelreich im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Gläsernen Hochhauskonstruktionen bilden die Skyline von New York und bilden eine Teil des Panoramas der Stadt im Gegenlicht der Sonne am Himmel. (Westend 61 / imago / Harald Nachtmann)
Die Skyline von New York ist voll von gläsernen Hochhauskonstruktionen, die wegen ihrer Energieineffizienz als klimaschädlich gelten. (Westend 61 / imago / Harald Nachtmann)

Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio will den Bau gläserner Hochhäuser reglementieren. Die Glasfassaden seien zu klimaschädlich. Architekt Jørg Himmelreich weist zudem darauf hin, dass in vielen Türmen kaum jemand wohnt.

Den Vorstoß des New Yorker Bürgermeisters Bill de Blasio, die Stadt in der Gegenwart und in der Zukunft unter dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu gestalten, findet der Architekt und Historiker Jørg Himmelreich gut. De Blasio will strikte Regelungen schaffen, damit die herkömmliche Art von Glas-und Stahlkonstruktionen, die viel Energie verbrauchen, in Zukunft von klimaverträglicheren Gebäuden abgelöst wird.

Die Glasfassaden an sich seien aber nicht das Problem, so Himmelreich: "Man kann Glasfassaden mit den gleichen Dämmwerten herstellen wie sie geschlossene Fassaden bieten. Das ist nur eine Frage der Ausführung."

Größere Grundfläche führt zu größerer Klimaverträglichkeit

In den letzten Jahren sind viele schlanke und sehr hohe Wolkenkratzer in der Stadt entstanden. "Je kleiner das Volumen im Verhältnis zur Außenfläche steht, desto höher werden die Energien, die man dort reinstecken muss. Das größere Problem ist aber das Verhältnis der Infrastruktur, also zum Beispiel der Lifte, zur Wohnfläche. Da geht sehr viel Fläche verloren. Das Verhältnis ist viel günstiger, wenn man von vornherein eine größere Grundfläche hat." 

Hochhäuser in Glas-und Stahlkonstruktion ragen in den blauen New Yorker Himmel, aus der Froschperspektive betrachtet.  (Vladimir Houdek / CTK / dpa )Klimaschädliche Gebäude wie das One World Trade Center (Mitte) sollen in New York in Zukunft nicht mehr gebaut werden. (Vladimir Houdek / CTK / dpa )

Himmelreich sieht zwei zentrale Aspekte bei dem Ansatz de Blasios: "Es geht einerseits um das Stadtbild. Wir haben uns ein bisschen an ein Stadtbild von Manhattan gewöhnt, das sich Mitte der 80er-Jahre aufhörte zu verändern. Jetzt gibt es aber eine massive Veränderung durch diese vielen neuen und schlanken Hochhäuser. Aber das macht Manhattan gerade aus: die permanente Veränderung, der kontinuierliche Bruch. Sobald die Bautechnik etwas erlaubt, wird es auch umgesetzt und tritt in ein Spannungsfeld mit dem, was schon da ist."

30.000 Euro pro Quadratmeter

Der andere Aspekt sei aber viel bedeutsamer: "Diese neuen schlanken Wolkenkratzer sind Immobilien im Luxusbereich. Das sind größtenteils keine Gebäude, in denen Leute leben. Diese neuen schlanken Türme werden selten bis gar nicht bewohnt. Die Wohnungen werden als Renditeanlage gekauft. Derzeit soll der Quadratmeter über 30.000 Euro kosten und der Wert steigert sich in einer absurden Geschwindigkeit."

(rja)

Mehr zum Thema

Wohnen im Hochhaus - Hoch statt Breit - eine Antwort auf die Wohnraumknappheit?
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 03.05.2017)

Hochhäuser, Megahäuser, High Rises - Zwischen Himmel und Erde
(Deutschlandfunk, Essay und Diskurs, 16.12.2018)

Wohnen im Hochhaus - Hoch statt Breit - eine Antwort auf die Wohnraumknappheit?
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 03.05.2017)

Preis für Hochhausarchitektur - Der innovativste Wolkenkratzer der Welt
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 01.11.2018)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDie weltumspannende Macht der Dummheit
Strache bei der Verkündung seines Rücktritts in Wien (picture alliance/APA/picturedesk.com)

In der "SZ" kommt der österreichische Schauspieler Josef Hader zu Wort. Darin legt er sarkastisch dem ehemaligen österreichischen Vizekanzler HC Strache, der sich nach seinem Rücktritt als Opfer inszenierte, eine Verschwörungstheorie ans Herz.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur