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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.04.2020

Stadtentwicklung nach CoronaGesellschaft in Stadtplanung einbeziehen

Friederike Meyer und Doris Kleilein im Gespräch mit Marietta Schwarz

Zwei Paare sitzen am Stadtrand jeweils auf einer Bank mit viel Abstand zueinander und blicken auf die Stadt Berlin in der Ferne.  (imago / Janine Schmitz)
Gemeinschaftlich entwickelte Stadtkonzepte, die Freiraum schaffen, der Abstand gewährt, seien eine gute Grundlage für die nächste Krise, sagen die Architektinnen Kleilein und Meyer. (imago / Janine Schmitz)

Während des Lockdowns waren vielerorts die Städte gespenstisch leer, die Wohnräume umso voller. Wie sich Architektur und Stadtentwicklung in Zukunft besser auf Krisen einstellen können, erforschen zwei Architektinnen und aktuell Stipendiatinnen am Thomas Mann House in Los Angeles.

"Wir sind mittendrin in einer Art Versuchsanordnung dazu, wie die Stadt in Zukunft aussehen könnte", erklärt die Architektin und Leiterin des Architekturbuchverlags "Jovis", Doris Kleilein, "Wir machen kollektive Erfahrungen, die wir so noch nie gemacht haben." Gemeinsam mit ihrer Kollegin Friederike Meyer, die auch Chefredakteurin der Architekturplattform "Baunetz" ist, forscht Doris Kleilein zum Thema Stadtentwicklung nach Corona. 

Corona ist nur eine von vielen Krisen

Es gebe "unglaublich viele Überlegungen" derzeit, wie man eine Stadt krisenfest machen könne. Allerdings sei die Coronakrise nur eine von vielen, erklärt Friederike Meyer. Auch der Klimawandel und die Migrationsbewegungen brächten Herausforderungen mit sich. "Es gibt diese vieldiskutierte Frage der sogenannten Resilienz, was Städte widerstandsfähig macht gegenüber aller Art von Krisen. Und da ist ganz gut zu beobachten, wie jetzt die Gesamtheit der zusammenwirkenden Kräfte auch deutlich wird in Deutschland, in unseren Städten und den Kommunen."

Wichtig seien dabei "nachhaltige Mobilitätskonzepte" und gute Freiflächen, "die Vielfalt ermöglichen und die nah bei den Wohngebieten sind", aber auch: "in denen sich alle aus dem Weg gehen können", so Meyer. Bürgerschaftliches Engagement genauso wie eine personell gut aufgestellte Stadtverwaltung, die das Vertrauen der Bürger genieße, spielten eine große Rolle. 

Als Gesellschaft an der Stadt mitarbeiten

Jedoch: "Die virenfeste Stadt gibt es nicht", meint Doris Kleilein. Dies erinnere sehr an die Diskussion über eine terrorsichere Stadt. "Und da muss man auch sagen, 'Nein, die gibt es nicht'. Wir können uns nicht einbunkern. Wir können nicht überall Poller aufstellen und Betonschranken. Das wird die Stadt nicht sicherer machen." Genauso wenig könne man eine viren- oder keimfreie Stadt bauen. "Ich würde sagen: Alles, was dazu beiträgt, dass Menschen die Probleme der Stadt als ihre eigenen begreifen und an der Stadt mitarbeiten, all das macht Städte auch resistenter gegen Pandemien und andere Katastrophen", so Kleilein.

Und da der jetzige Zustand nach Meinung der Architektinnen noch "sehr lange" anhalten werde, brauche man dafür eine Planungsstruktur, "die anders ist als die klassische hergebrachte Stadtplanung". Eine "prozessorientierte Stadtentwicklung" lasse zu, dass die Menschen ihre Stadt mitgestalten könnten. "Wenn wir das, möglicherweise auch über die Digitalisierung jetzt gepusht, noch weiter verfolgen und als Stadtgesellschaft auch einüben, kann uns das für die nächste Krise eine gute Grundlage sein.", sagt Friederike Meyer.

(kpa)

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