Sprache und Grenzen des Humors

    "Rassismus geht ja nicht flöten, indem ich ein Wort ändere"

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    Marius Jung posiert bei der Aufzeichnung der neuen Debatten-Reihe "13 Fragen" von ZDFkultur für ein Pressefoto.
    "Mehr Respekt miteinander leben": Marius Jung, Kabarettist und Coach in Sachen Humor. © picture alliance / dpa-Zentralbild / Jens Kalaene
    Marius Jung im Gespräch mit Anke Schaefer · 17.02.2021
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    Humor geht an Grenzen. Aber wann geht er zu weit? Und wer entscheidet das? Worüber kann man noch lachen, und wo beginnen Beleidigung oder Ausgrenzung? Dafür gibt es keine einfachen Regeln, sagt der Kabarettist und Autor Marius Jung.
    Humor ist immer Übertreibung, immer ein Schritt zu weit. Nur ist die Frage: Wer bestimmt, was zu weit ist? Wer setzt die Grenzen? In den letzten Jahren sind die Stimmen von gesellschaftlichen Minderheiten hierzulande lauter geworden, die nicht mehr von der weißen, bürgerlichen Mehrheitsgesellschaft eingeordnet werden wollen. Auch mit Humor nicht, auch nicht mit Begriffen.

    Kein einfaches Ja und Nein

    Wird eine Gesellschaft, je vielfältiger und vielstimmiger sie ist, auch immer empfindlicher? Viele von Diskriminierung nicht Betroffene fragen sich unterdessen: Worüber "darf" man denn noch lachen? Überall vermintes Gelände. Sind die Grenzen des Humors tatsächlich enger geworden?
    "Ich glaube nicht, dass die Grenzen des Humors enger gefasst werden, sondern dass die Grenzen der Formulierung enger gefasst werden", sagt der Kabarettist, Buchautor und Coach Marius Jung. Dabei könne es aber nicht um simple allgemeingültige Regeln gehen wie die, dass bestimmte Wörter "nicht gesagt werden" dürften: "Ich glaube, es ist nicht immer so klar mit Ja und Nein zu beantworten, das ist genau der Fehler, den wir machen."
    In seinen Bühnenprogrammen und Büchern hat Jung früh damit begonnen, das eigene Schwarzsein zu thematisieren. Inzwischen habe er sich jedoch dafür entschieden, das "N-Wort", das schwarze Menschen herabwürdigt, nicht mehr in ironischer Weise zu benutzen, "wie ich es in meinem ersten Buch zum Beispiel sehr viel getan habe", sagt er. Wenn es dagegen um Zitate gehe, in denen der Begriff rassistisch verwendet werde, halte er es durchaus für richtig, das Wort auszuschreiben oder auszusprechen. "Wenn wir das rausnehmen, nehmen wir auch die Schärfe des Zitates", betont Jung.

    "Fühlt euch nicht zu erhaben"

    Bei seinen zahlreichen Auftritten und Vorträgen komme er mit vielen unterschiedlichen Menschen ins Gespräch, so Jung, auch zu den Themen Humor und Respekt. Der jungen Generation, die sich als "woke" - also besonders wach und aufmerksam für soziale Unterschiede - begreife, rate er zu einer gewissen Vorsicht.
    "Fühlt euch nicht zu sehr erhaben", sagt Jung. Es sei Unsinn zu meinen: "Ich sage das N-Wort nicht, ich bin über alles erhaben, ich habe keinen Rassismus mehr in mir." Allein auf diese Weise seien ja keine Fortschritte zu erreichen:
    "Der Rassismus geht ja nicht flöten, dadurch, dass ich ein Wort ändere, oder dadurch, dass ich plötzlich eine ungarische Gewürzsoße die 'Z-Soße' nenne. Dadurch werde ich ja nicht erhabener in meiner Haltung. Sondern das ist ein kleines Drehrädchen, um langsam da hin zu kommen, mehr Respekt miteinander zu leben."
    (fka)
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