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Tonart | Beitrag vom 02.01.2019

"Spotifycore"Streaming-Dienste erschaffen eigene Genres

Andreas Schoenrock im Gespräch mit Vivian Perkovic

Eine junge Frau zurückgelehnt auf einem Stuhl hört Musik (picture alliance/imageBROKER/Ina Hesmer)
"Chill Vibes", "Winter Chillout" oder "Todays Top Hits" heißen die beliebtesten Playlisten auf Spotify. (picture alliance/imageBROKER/Ina Hesmer)

"Spotifycore", so nennen Musikexperten die entschleunigte, leicht durchhörbare Musik der beliebtesten Playlists des Streamingdienstes. Vieles davon ist sogar eigens produziert. Führt das zu einer Verflachung in der Musikkultur?

"Chill Vibes", "Wochenende" oder "Winter Chillout", so heißen Playlisten auf Spotify, die zu den erfolgreichsten des Streamingdienstes gehören. Musikexperten sprechen schon von "Spotifycore", der sich durch ätherische Stimmen, schwebende Synthies und mittleres bis langsames Tempo und Herz- und Weltschmerz auszeichnet.

Dass diese Musik vermehrt gespielt und auch produziert wird auf Spotify, darin sieht Musikwissenschaftler Andreas Schoenrock eine starke Tendenz, weil sie vor allem eines sei: leicht durchhörbar. Es gebe jedoch noch eine zweite Tendenz, und zwar die zur Musik, die maximale Aufmerksamkeit erzeuge und zwar am besten in den ersten 30 Sekunden, denn erst ab da werde ein Stream gezählt: große Dynamik - schnell, laut - und mit vielen Synthesizern oder auch starke Hooklines wie bei "Happy" von Pharrell Williams.

"Diese Musik ist sehr konformistisch"

"Was diese beiden Tendenzen gemeinsam haben", erklärt Andreas Schoenrock:  "Diese Musik ist sehr konformistisch." Sie sei nicht politisch oder kritisch in ihren Texten. Es werde allerdings mit Sicherheit der Punkt kommen, an dem es eine Überdosis von dieser Musik gebe, "und wo es dann auch wieder völlig neue Strömungen gibt, vielleicht so etwas wie Punkmusik Ende der 70er-, Anfang der 80er-Jahre."

"Allerdings ist das natürlich auch ein Zeitgeist." Es gebe viele Studien unter Jugendlichen über deren Weltsicht, und auch da sei alles relativ homogen. Zudem seien es viele Kids, die genau diese Musik machten. Die erfolgreichste Playlist sei nach wie vor "Todays Top Hits". So habe man bei Spotify zwar "Zugriff auf die gesamte Welt der Musik, aber es wird letztlich nicht genutzt."

(cwu)

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