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Interview | Beitrag vom 30.01.2019

Spielforscher Jens Junge"Spielen ist nicht mehr nur Kinderkram"

Moderation: Dieter Kassel

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Eine Gruppe spielt ein Gesellschaftsspiel. (imago/imageBROKER/Moritz Wolf)
Auch Erwachsene spielen gern - die Branche hat sich darauf eingestellt. (imago/imageBROKER/Moritz Wolf)

Ein Trend auf der Spielwarenmesse in Nürnberg ist in diesem Jahr: Spiele für Erwachsene. Dass die Branche sich zunehmend auf die Spiellust der älteren Semester fokussiert, liegt auch an der Digitalisierung, sagt der Spielforscher Jens Junge.

Der Homo ludens – der spielende Mensch – ist Gegenstand der "Ludologie", der Spielforschung. Ein echter Experte auf diesem Gebiet ist Professor Jens Junge, der sogar ein "Institut für Ludologie" gegründet hat – an der Design Akademie Berlin. Klar, dass die Spielwarenmesse in Nürnberg, die heute beginnt, für Junge ein Pflichttermin ist.

Die Spielebranche habe in den Erwachsenen Marktpotenzial erkannt und sich auf diese Zielgruppe vorbereitet, sagte Junge im Deutschlandfunk Kultur. Spielen sei eben "nicht mehr nur Kinderkram", betonte der Ludologe. "Kidults" heißen die spielenden Erwachsenen inzwischen im Vermarktungsjargon der Spiele-Hersteller.

1400 neue Brettspiele jedes Jahr

Besonders die Brettspiele-Branche wachse und gedeihe seit Jahren, berichtete Junge. Jedes Jahr kämen rund 1400 neue Brettspiele heraus. Dass Erwachsene wieder mehr spielen, liegt Junge zufolge auch an der Digitalisierung und dem Überdruss am digitalen Alltag.

Man nehme das Brettspiel zum Anlass, sich abends wieder im größeren Kreis zu treffen, sagte der Wissenschaftler. Um dann "wie früher in der Kindheit" zu spielen. Die Spiele müssten aber komplexer sein als ehemals, um bei den Erwachsenen anzukommen.

In Spielen würden Macht- und Identitätskonflikte ausgelebt, sagte Junge: "Spiele sprechen sehr viele psychologische Komponenten an."

Erhebliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen

"Wir lieben es, in eine Fantasiewelt zu kommen, wir lieben es, rauszukommen aus der Realität. Das machen Erwachsene immer wieder gern. Nicht nur zur Entspannung, sondern auch, um einen Nervenkitzel zu erfahren, sich selbst ganz anders zu spüren als im Alltag."

Erhebliche Unterschiede gibt es laut Junge zwischen Männern und Frauen beim Spielen. Frauen seien – im statistischen Durchschnitt – nicht so bereit wie Männer, sich stundenlang in ein Spiel zu vertiefen, sagte der Spielexperte. Sie spielten lieber Spiele, die nach einer Stunde zu Ende seien. Männer tauchten hingegen eher in "tiefe Spielewelten" ab.

(ahe)

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