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Profil / Archiv | Beitrag vom 05.03.2008

Spiel mit Farbklang und Klangfarbe

Porträt des Musikers und Malers Peter Piek

Von Marcus Weber

Der junge Künstler Peter Piek nutzt alle Farben auf der Palette. (Stock.XCHNG / Martin Walls)
Der junge Künstler Peter Piek nutzt alle Farben auf der Palette. (Stock.XCHNG / Martin Walls)

Kann man Farben hören? – Klar, sagt der Chemnitzer Künstler Peter Piek. Er versucht, Musik und Malerei zu verbinden. Mit seiner Band "Peter Piek & the Colours" gab er im vergangenen Jahr deutschlandweit über 70 Konzerte. Und wenn er mal nicht unterwegs ist, dann malt er rhythmische Bilder.

"Also als Musiker hieß ich ja Peter Stone, ein schrecklicher Name, wahnsinnig beschissener Name, aber auch egal. (lacht) Und den Maler, da hab' ich einfach den alten Namen weitergenutzt: deutsch ausgesprochen Piechaczyk. Ist aber ein polnischer Name und wird eigentlich Piechaczyk ausgesprochen."

Vor sieben Jahren hatte er begonnen, sich verschiedene Namen zu geben, eine Art Persönlichkeitsspaltung, um den unterschiedlichen Quellen seiner Identität nachzugehen: Musik, Malerei und noch manch anderes. Heute, sagt er, haben sich die Flüsse zu einem Strom vereinigt. Und heute heißt er Peter Piek.

"Ich bin Maler und Musiker also beides zusammen. Versuch' beides zu verbinden, und das ist auch so meine Vision, also ein gemeinsames Werk aus Malerei und Musik. Ich spüre, dass da was möglich ist, dass ich da was machen kann."

"In der Malerei ist es der Farbklang und in der Musik ist es halt die Klangfarbe, das ist jetzt nicht so ein großer Unterschied erstmal. Und das hat eigentlich genau dieselben Eigenschaften: hell, dunkel, harmonisch, disharmonisch – das hast du halt alles in Farben und so wie auch in der Musik."

In seinem Probenraum hängen seine Bilder. Wenn er malt, hört er Musik. – Es existieren ganze Bildserien zu Alben von Neil Young oder U2. Piek nennt es rhythmische Malerei. Abstrakt, mit wilden Pinselstrichen, Farbklecksen, chaotisch manchmal und verstörend. Überall auf den Bildern gibt es Freiräume, auf denen die leere Leinwand zu sehen ist – das ist die Pause im Bild.

"Meine Bilder sind halt sehr locker, bestehen halt aus vielen rhythmischen Elementen. Und die rhythmischen Elemente existieren natürlich nur, weil sie auch die Pause mit einbeziehen. Also Rhythmus, Musik würde ja ohne Pause gar nicht funktionieren. Und das löse ich halt im Bild so, dass die Pause als definierte Fläche mit einbezogen wird."

Etwas frierend steht der 26-Jährige in seiner großen Leipziger Wohnung, in der er allein wohnt. Das Atelier und den Probenraum zu beheizen, würde mehr als die Miete kosten, sagt er, öffnet die Tür zum warmen Wohnzimmer und setzt sich an die Heizung. Piek ist lang und hager; das Gesicht schmal, eingerahmt von glatten, braunen Haaren. Eine schwarz-weiße Katze springt auf seinen Schoß. Er erzählt von seiner Kindheit in Karl-Marx-Stadt.

"Ich hab' als Kind gestottert. Und es hat mich auch sehr beeinflusst, auch bis heute noch. Also ich sprech’ immer so komisch abgehackt manchmal, so komische Pausen drin, also ich rede so seltsam rhythmisch. Wie jetzt. (lacht) Aber früher war es so, dass ich nur mit wenigen Leuten reden konnte. Und dadurch ist auch so eine Notwendigkeit entstanden nach einem Kommunizieren nach außen hin."

Seine Eltern arbeiten in der Wirtschaft und haben mit Kunst wenig im Sinn. Es ist seine Großmutter, die ihm – mit sieben, acht Jahren – die Museen der Stadt zeigt. Beeindruckt von Expressionisten wie Schmidt-Rottluff und Kirchner beginnt er zu malen. – Er nimmt Klavierunterricht und spielt Gitarre.

"Die ersten drei Akkorde, die ich spielen konnte, aus denen hab' ich halt den ersten Song gemacht. Der hieß "Hey du". Das ist ein schrecklicher Song, ganz schrecklich. (lacht) Aber man muss ja mal anfangen."

Inzwischen sind mehrere Alben entstanden; das letzte, "Say hello to Peter Piek", hat er komplett selbst eingespielt: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und Gesang. Seit kurzem hat er einen Plattenvertrag und mit seiner Band "Peter Piek & the Colours" gibt er über 70 Konzerte im Jahr.

Für seine Bilder bekommt Piek bisher weniger Anerkennung. Zwar beginnt er 2002 ein Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst; doch seit dem Vordiplom lässt er es ruhen, weil er mit den Kunst-Vorstellungen seiner Professoren nicht zurechtkommt. Oder umgekehrt. Letzter Höhepunkt des Konflikts: Ein Gespräch mit dem Star der Leipziger Malszene, dem Professor Neo Rauch.

"Also, Neo Rauch hat letztens gesagt, beim letzten Rundgang, dass mein Bild das schlechteste Bild war beim gesamten Rundgang (lacht) und dass es kein Bild wäre. Es wäre kein Bild, hat er gesagt."

Immerhin, sagt Piek grinsend, habe ihm Rauch damit bestätigt, dass er eine eigene, wieder erkennbare Bildsprache habe. Um die zu finden, hatte er 2003 mit seinem Freund Michael Goller die Künstlerinitiative "Malfront" gegründet und sich einen eigenen Studienplan aufgestellt.

"Also, wir haben immer versucht, eine bestimmte Hürde zu überwinden. Es gab für mich wirklich früher die Hürde, wo ich gesagt habe: Ein Bild muss schön sein, ein Bild darf nicht hässlich sein. Genau deswegen haben wir versucht, hässliche Bilder zu malen. Um halt festzustellen, dass hässlich genau dasselbe ist wie schön. Also wir haben halt quasi die Hässlich-Schön-Hürde damit überwunden, und sind weiter ins Bild vorgekommen, weil es im Grunde genommen nicht um hässlich oder schön geht."

Sondern, sagt Peter Piek: Es gehe darum, den Menschen mit Musik und Malerei Freude am Leben zu vermitteln und die Welt zu besser machen.

Weitere Informationen unter www.peterpiek.com

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