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Profil / Archiv | Beitrag vom 17.02.2010

Spezialist für schräge Typen

Schauspieler Edward Hogg ist der Shootingstar aus Großbritannien

Von Gerd Brendel

Edward Hogg (Großbritannien) und Zrinka Cvitešic (Kroatien) bei der Preisverleihung (Vladimír Novotný-Kiva)
Edward Hogg (Großbritannien) und Zrinka Cvitešic (Kroatien) bei der Preisverleihung (Vladimír Novotný-Kiva)

Auf den ersten Blick kann er wie ein Versicherungsvertreter wirken. Doch Edward Hogg ist ein Meister der Verwandlungskunst. Er gehört zu den zehn Nachwuchsschauspielern, die auf der Berlinale als "European Shootingstar" ausgezeichnet wurden. Demnächst dreht er mit Roland Emmerich in Babelsberg.

"Anders Christiansen from Norwa, ... Dragos Bucur from Romania … "

Sonntagmittag auf der Berlinale: Europas zehn beste Nachwuchsschauspielerwerden der Presse vorgestellt.

"Anais Demoustir from France ... Agata Buzek from Poland and Krystof Hadek from the Czech Republic ... and of course we ... Edward, Edward ... and of course Ed Hogg from the UK ... sorry indeed!"

Und die Moderatorin vergisst Edward Hogg aus Großbritannien. Erst als die Kollegen protestieren, darf er auch noch auf die Bühne. In seinem grauen Anzug mit Krawatte wirkt der Jungstar aus Sheffield neben den anderen jungen wilden Preisträgern aus Tschechien oder Rumänien wie ein schüchterner Versicherungsvertreter. Der Schein trügt. Mit knapp 30 hat sich Edward Hogg einen Namen gemacht als wandlungsfähiger Spezialist für schräge Typen am Rande des Nervenzusammenbruchs.

"Er ist im guten Sinne exzentrisch", "

sagt die Agentin Leo Davis über ihn.

" "Man sieht ihn an und hat keine Ahnung, was man erwarten soll: einen Verrückten oder einen kleinen, schüchternen Jungen."

Seit seinem Abschluss an der renommierten Royal Academy of Dramatic Arts hat Ed Hogg in einem Dutzend Theaterproduktionen mitgespielt und einem halben Dutzend Kinofilmen.

Die Rolle des Südstaaten-Rowdies und begnadeten Tänzers Jesco in "White lightnin” brachte dem Jungen aus Yorkshire Filmpreise auf den Festivals von Monterey bis Mumbai ein. Dabei entdeckte Edward Hogg sein schauspielerisches Talent erst spät. Das zweite von vier Kindern aus einer typisch britischen Mittelklasse-Familie - Vater Ingenieur, Mutter Grundschullehrerin - wuchs behütet in der englischen Provinz auf.

"Ich bin ein echter Langweiler aus der Mittelklasse. Den Makel werde ich nie loswerden, egal wie sehr ich mich auch angestrengt habe,wie Arbeiterklasse auszusehen."

Mit 16 allerdings wollte Edward jemand anderes sein. Sein älterer Bruder machte es ihm vor und wurde Musiker und Edward entdeckte Punkrock. Zwei Jahre tourte er als Lead-Sänger einer lokalen Band durch die Provinz.

Es fällt einem schwer, sich den freundlichen jungen Mann, der auf jede Frage geduldig antwortet, als Punk vorzustellen, aber mit einem Mal zieht der "Shootingstar” sein Hosenbein hoch und präsentiert eine Tätowierung über dem Knöchel: "Porn King” der Name seiner Band.

Die Punk-Zeiten liegen lange zurück. Als sich die Band auflöste, nahm Eds Schwester den 18-Jährigen mit in ihre Theatergruppe, und ein Jahr später fuhr Edward nach London zu seinem ersten und einzigen Vorsprechtermin: nicht irgendeine Drama School, sondern die Royal Acadamy of Dramatic Arts, die beste Schauspielschule des Landes.

"Das erste Mal auf einer großen Bühne, das werde ich nie vergessen: Es war die Abschlussarbeit nach dem ersten Semester auf der Schauspielschule, ein Shakespeare-Stück. Die Bühne war riesig und nagelneu. Einfach überwältigend!"

Das Gefühl hat Edward Hogg seitdem nicht mehr losgelassen, und Shakespeare: Er spielte den Ariel im "Sturm” und den Narren in "König Lear". Seine Erfahrung mit Shakespeares Theater wird ihm demnächst auch vor der Kamera nutzen: In Roland Emmerichs neuem Film "Anonymous”, der im Frühjahr in Babelsberg gedreht wird, spielt er einen Zeitgenossen des Dichters - wieder einmal ein "exzentrischer” Charakter.

"Ich spiele Robert Cecil, ein misstrauischer Mensch mit einem Buckel, der Shakespeare zu 'Richard III.' inspiriert haben soll und der dafür gesorgt hat, dass der Stuart James die Nachfolge von Elisabeth I. antrat."

Spätestens zur Premiere des neuen Films wird Edward Hogg das Versprechen einlösen, dass die "Shootingstar"-Jury bei der Verleihung der Nachwuchstrophäe in ihm sieht:

"An accomplished actor to first-rate dramatic talent in british film and now a dramatic a film star of great promise."

Und vergessen, vergessen wird man Edvard Hogg dann ganz bestimmt auch nicht mehr!

"From the United Kingdom congratulations to Edward Hogg!"


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