Seit 05:05 Uhr Studio 9

Montag, 14.10.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Deutschlandrundfahrt | Beitrag vom 25.08.2019

Spaziergänge mit ProminentenMit unserem Intendanten Stefan Raue durch Wuppertal

Moderation: Gisela Steinhauer

Beitrag hören Podcast abonnieren
Gisela Steinhauer und Stefan Raue beim Spaziergang in Wuppertal. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)
Gisela Steinhauer und Stefan Raue gehen den Hang Richtung Wupper hinab. Wuppertal erstreckt sich entlang des Flusses über eine Länge von etwa 30 Kilometern. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)

In der letzten Ausgabe der Reihe "Deutschlandrundfahrt" zeigt Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue sein Wuppertal. Hier jobbte der spätere Fernsehredakteur einst als Taxifahrer und mangels Schauspieltalent durfte er nur Kulissen bauen.

Seit zwei Jahren ist Stefan Raue nun Intendant des Deutschlandradios. Bevor er zum Deutschlandradio kam, standen Nachrichten und das aktuelle Zeitgeschehen im Mittelpunkt seines beruflichen Wirkens bei ZDF, Deutscher Welle oder beim MDR.

Stefan Raue suchte hier nicht die öffentliche Bühne, sondern wirkte im Hintergrund als Redakteur, Redaktionsleiter oder Chefredakteur. Seine ersten journalistischen Erfahrungen sammelte er in den 1980er-Jahren als Reporter beim WDR. Noch davor gründete er am Wuppertaler Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium eine Schülerzeitung.

Gisela Steinhauer und Stefan Raue vor dem Wohnhaus (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)Der Bau aus den 70er Jahren war Stefan Raues Elternhaus. Im Wohnzimmer stand ein Flügel, an dem er Klavierspielen lernte. Heute steht der Flügel in seinem Zuhause in Leipzig. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)

Stefan Raue wuchs mit zwei Geschwistern in Wuppertal-Elberfeld auf. Sein Elternhaus grenzt an das Villenviertel Brill. Im Gegensatz zu den zahlreichen alten Villen der Umgebung wurde das Haus der Familie Raue genau wie das danebenliegende Bürogebäude in den 1970er-Jahren gebaut.

Mit seinem Bruder teilte sich Stefan Raue ein Zimmer, was nicht immer harmonisch verlief, wie er verrät. Raues Vater war Oberamtsrat bei der Bauberufsgenossenschaft, die ihren Verwaltungssitz im Gebäude nebenann hatte. Doch weil alle Angestellten aus ihren Bürofenstern direkt in den Garten des Chefs blickten, konnte Familie Raue den Garten nur nach Feierabend und am Wochenende nutzen.

Mit Gisela Steinhauer macht Stefan Raue sich auf und geht noch einmal seinen alten Schulweg von seinem Elternhaus zum Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium.

Das Villenviertel Brill besteht aus etwa 250 unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden. Viele dieser herrschaftlichen Paläste gehörten früher Wuppertaler Industriellen. Die Straßen, durch die Stefan Raue als Kind zur Schule ging, tragen die Namen zumeist preußischer Offiziere: Roon, Goeben oder Moltke.

An der Nützenfelder Straße ändert sich das Stadtbild. Die Talsohle ist fast erreicht und der ehemalige Schulweg führt zu Wuppertals Vorzeigeecke, dem Luisenviertel. Alte Gassen, kleine Boutiquen und zahlreiche Kneipen warten hier auf Besucher. Raue war oft hier, vor allem als er während des Studiums sein Geld als Taxifahrer verdiente. 

Gisela Steinhauer und Stefan Raue in einer schmalen Straße im Luisenviertel. (Nicolas Hansen)Im Luisenviertel erweist Stefan Raue sich als kundiger Stadtführer. Er zeigt, wo Free Jazzer Peter Kowald sein Atelier hatte und wo Eugen Egner, Zeichner des Satiremagazins Titanic, in einer Band spielte. (Nicolas Hansen)

Raue besuchte in Wuppertal das mitten in der Stadt gelegene Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium. Die Schule kann ihre Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals lag der wirtschaftliche Schwerpunkt Wuppertals auf der Verarbeitung von Garnen und deren Färbung. Später siedelten sich Elektroindustrie sowie Chemie-, Farben- und Pharmaunternehmen an.

Die Stadt an der Wupper als Industriestadt zu bezeichnen, wäre aber nur die halbe Wahrheit, denn auch das renommierte Von-der-Heydt-Museum ist hier zu Hause sowie das Opernhaus mit dem weltweit bekannten Tanztheater Pina Bausch.

Auf seinem Schulweg überquerte Stefan Raue auch die Wupper. Er erinnert sich an Tage, an denen er am Wupperwasser sehen konnte, welche Farben in den Textilfabriken verarbeitet wurden. "Das hat sich heute zum Glück geändert", sagt er. 

Am Ende ein Aufbruch zu etwas Neuem

Am Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium endet der Spaziergang mit dem Intendanten des Deutschlandradios. Hier verrät Stefan Raue noch, dass er unbedingt in die Theater-AG wollte. Sein Lehrer attestierte ihm aber, er habe kein schauspielerisches Talent und er könne ihn nur zum Kulissenbauen gebrauchen.

Tontechniker Thomas mit Mehrspurrekorder in Wuppertal. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)Unser Tontechniker Thomas hat fast alle Spaziergänge mit Prominenten aufgenommen - von A wie Aigner über B wie Blüm bis Z wie Zuckowski, von Freiburg im Breisgau bis zur Insel Sylt. Kein Moderator oder Redakteur hat mehr Sendungen dieser Reihe gemacht, als Thomas. (Deutschlandradio / Nicolas Hansen)

Mit diesem Spaziergang endet nach 19 Jahren und 1254 Ausgaben die Sendereihe "Deutschlandrundfahrt" im Deutschlandfunk Kultur. Am nächsten Sonntag beginnt die neue Sendung "Plus Eins".

Die Musik der Sendung:

1. Hans Zimmer, "Leaving Wallbrook"
2. Hoelderlin, "Schwebebahn"
3. Victor Jara, "Ni chicha ni limona"
4. Red Hot Chilli Peppers "Under the Bridge"

Deutschlandrundfahrt

Leben in GelsenkirchenKontraste mit Charme
Der Chemikant Bernd Stahl vor der Raffinierie, in der er in Gelsenkirchen arbeitet. (Heiner Wember )

Nirgendwo lebt es sich in Deutschland so schlecht wie in Gelsenkirchen, behauptet die "Große Deutschland-Studie des ZDF". Von allen Landkreisen und Städten in Deutschland kam die frühere Zechenstadt auf den letzten von 401 Plätzen.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur