Soziologin über die junge Generation

    Wahlprogramme müssen auch für Jugendliche interessant sein

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    Annalena Baerbock macht umrundet von Menschen mit zwei Jugendlichen ein Selfie
    Selfie mit Annalena Baerbock: "Wenn sich die Jugendlichen von der Politik nicht angesprochen fühlen, gehen sie nicht wählen", sagt Jutta Allmendinger. © imago / Hans-Jürgen Serwe
    Jutta Allmendinger im Gespräch mit Axel Rahmlow  · 06.09.2021
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    Wie bekommen Kinder und Jugendliche eine Lobby? Die Soziologin Jutta Allmendinger fordert, dass sich Ältere und Jüngere miteinander solidarisieren. Die junge Generation brauche Partizipation und eine Stimme.
    "Es macht mir Sorge, dass manchmal die Rente versus das Klima oder versus die Bildung oder versus Investitionen gegeneinander ausgespielt werden", sagt die Soziologin Jutta Allmendinger. Sie setzt sich dafür ein, die Interessen der jüngeren Generation deutlich stärker zu beachten.

    Die Macht ist ungleich verteilt

    Personen bis zum 18. Lebensjahr können gar nicht wählen. Von den Unter-Dreißigjährigen seien deswegen nur rund 13 Prozent wahlberechtigt, so Allmendinger. Bei den Über-Sechzigjährigen seien es hingegen 38 Prozent.
    Die Macht ist also ungleich verteilt. Umso mehr komme es darauf an, dass es eine Solidarisierung zwischen den Älteren und der jüngeren Generation gebe.
    "Wenn sich die Jugendlichen nicht angesprochen fühlen von der Politik, gehen sie nicht wählen", sagt die Forscherin. Es sei wichtig, Wahlprogramme so attraktiv zu machen, dass sie Jugendliche erreichten. Diese müssten außerdem schon ab 16 wählen dürfen.
    Die Soziologin plädiert dafür, dass sich Jung und Alt über Parteiinteressen hinweg vernetzen. Auch in dieser Hinsicht sei die bevorstehende Bundestagswahl eine Richtungswahl, meint sie. Die jüngere Generation fordert sie auf, sich über das Klima hinaus breiter thematisch aufzustellen.

    Finanziell die Bemühungen bündeln

    Die Kindergrundsicherung sei längst überfällig, betont Allmendinger. "Ehegattensplitting weg, dann hat man zusätzliche Steuereinnahmen. Damit kann man dann eine Kindergrundsicherung finanzieren."
    Das Bildungs- und Teilhabegesetz sei völlig zerfurcht, niemand blicke durch. Deswegen nähmen es nur fünf Prozent der Berechtigten überhaupt in Anspruch. Die Alternative: "Mittel aus einer Hand, Mittel, die zu den Menschen gebracht werden und nicht darauf warten, bis sie abgeholt werden."
    Allmendinger warnt vor der Zunahme von Kinderfeindlichkeit. Es gehe darum, Kinder demokratisch aufwachsen zu lassen, sie einzubinden, sie partizipieren zu lassen und ihnen eine Stimme zu geben: "Wir haben eigentlich nie die Kinder gehört – und über die Folgen für die Kinder viel zu spät angefangen, zu diskutieren."
    (ros)
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