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Interview / Archiv | Beitrag vom 27.04.2020

Soziologe zur Maskenpflicht"Eine Strafandrohung macht es leichter"

Andreas Diekmann im Gespräch mit Dieter Kassel

Fahrgäste sitzen in einer U-Bahn, eine Frau trägt einen Mundschutz. (dpa/ Christoph Soeder)
Busse und Bahnen sollen nur noch mit Maske betreten werden. Doch was ist mit denen, die sich nicht dran halten? (dpa/ Christoph Soeder)

In den Bundesländern gilt nun eine Maskenpflicht, überwiegend im öffentlichen Nahverkehr und in Läden. Doch nicht überall drohen bei Verstößen Strafen. Der Soziologe Andreas Diekmann sieht darin ein Manko - und setzt auf gegenseitige Kontrolle.

Seit dem heutigen Montag gilt in den Bundesländern eine Maskenpflicht, vor allem in Bussen und Bahnen und Geschäften. Wer trotz Pflicht keine Maske trägt, muss derzeit aber nur in sechs Bundesländern mit einer Strafe rechnen. Der Soziologe Andreas Diekmann kritisiert das mit Blick auf die Erfahrungen der vergangenen Wochen: "Es gab eine dringliche Empfehlung der Bundesregierung und man kann sagen, dass diese Empfehlung wenig befolgt wurde." Das liege daran, dass die Maskenpflicht ein Schutz für die anderen und nicht für den Träger der Maske sei:

"Natürlich, wenn der Träger nichts davon hat, werden nur diejenigen die Maskenpflicht wahrnehmen, die - sagen wir - altruistisch gesinnt sind, prosozial. Das sind durchaus viele in unserer Gesellschaft, aber eben längst nicht alle."

Gegenseitiger Erziehungsprozess

In einigen Bundesländern gebe es "behutsame, leichte Strafandrohungen", so Diekmann, der an den Universitäten Zürich und Leipzig lehrt. "Eine Strafandrohung macht es natürlich leichter." Der Soziologe ist überzeugt, dass es auch eine Art gegenseitiger Kontrolle, einen gegenseitigen Erziehungsprozess geben werde. "Das heißt, wenn ich in einen Supermarkt gehe und die meisten haben die Maske aufgesetzt, aber einige weichen von der Regel ab, dann wird es doch die ein oder andere Missbilligung geben." Er warne allerdings vor Denunziantentum. 

Letztlich sei die Maskenpflicht nur eine "kleinere Freiheitseinschränkung". Dass allerdings der Staat keine Masken zur Verfügung stellt, sieht Diekmann kritisch:

"Bei aller Zustimmung zu den Maßnahmen der Bundesregierung, die uns doch relativ gut durch die Krise geführt haben: Aber es war sicher eine Schlamperei, dass Schutzanzüge, besonders für medizinisches Personal, und auch Masken für die Bevölkerung nicht in genügender Weise vorrätig waren. Da hätte man schon im Februar daran denken können."

(bth)

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