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Interview | Beitrag vom 17.02.2020

Soziologe zur 200. "Pegida"-KundgebungAngstmacherei auf Dauer nicht durchzuhalten

Robert Feustel im Gespräch mit Stephan Karkowsky

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Pegida-Kundgebung auf dem Altmarkt in Dresden am 01.04.2019. (laif / Gordon Welters)
Als "eher kleine Polit-Sekte" ohne größere Außenwirkung, beschreibt der Jenaer Soziologe Robert Feustel die aktuelle Bedeutung von "Pegida". (laif / Gordon Welters)

Zum 200. Mal will "Pegida" heute durch Dresden laufen. Zu der Kundgebung wird auch der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke erwartet. Als rechtsradikales Sammelbecken sei die Bewegung von der AfD absorbiert worden, sagt der Soziologe Robert Feustel.

Die islam- und fremdenfeindliche "Pegida"-Bewegung geht am Abend zum 200. Mal in Dresden auf die Straße. Zu der Kundgebung wird auch der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke erwartet. Unter dem Motto "Demokratie braucht Rückgrat" rufen die Dresdner Kreisverbände von CDU und FDP sowie die Sächsische Bibliotheksgesellschaft (SäBiG) zu einer Gegenkundgebung auf.

Während "Pegida" im Januar 2015 bis zu 25.000 Menschen in Dresden auf die Straße brachte, sind die Teilnehmerzahlen bei den sogenannten Abendspaziergängen der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" stark geschrumpft. 

Angstmacherei auf Dauer nicht durchzuhalten

Als "eher kleine Polit-Sekte" ohne größere Außenwirkung, beschreibt der Jenaer Soziologe Robert Feustel die aktuelle Bedeutung von "Pegida". Zweiwöchentlich träfen sich vor allem ältere Menschen, um gemeinsam ihr Bier zu trinken und "ihren Leuten" zuzuhören.

"Das ist eine eingeschworene Gruppe, die sich da wie zum Ritual trifft." Mit dem vorbestraften Anführer Lutz Bachmann bestehe weiterhin eine "ganz eigenwillige Identifikation", so Feustel.

Das "rechtsradikale Sammelbecken", das Pegida zugesprochen habe, sei einerseits von der AfD absorbiert worden. "In der Substanz passt ganz wenig zwischen Pegida und die AfD, beide sind straff-rechte Organisationen", stellt der Soziologe fest.

Massive Rechtsverschiebung

Andererseits befeuere "Pegida" schon "sehr lange so eine Weltuntergangsstimmung". Doch auf Dauer könne man eine solche Angstmacherei nicht durchhalten, wenn die Wirklichkeit dem "Gerede" nicht entspreche.

Allerdings habe "Pegida", so Feustel, "für eine massive Rechtsverschiebung der Debatte gesorgt". Denn die Bewegung konnte bei einer "Reihe von Akteuren in der Politik" den Eindruck hervorrufen, "nur konservativ und bürgerlich" zu sein.

(huc)

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