Sozialpädagoge Carlos Benede

    Vom Polizeidienst zur Prävention

    32:59 Minuten
    Ein Mann steht in einer Polizeiuniform vor einem Holztor.
    Schon als Polizeibeamter habe sein "Sozialarbeiterherz" geschlagen, sagt Carlos Benede. © PixxWerk
    Moderation: Tim Wiese · 08.10.2021
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    Mit dem Verein "Weitblick Jugendhilfe" hilft Carlos Benede Jugendlichen. Nicht Sanktionen, sondern Zeit, Respekt und Verständnis führen zum Ziel, meint der ehemalige Polizeibeamte, der selbst zwei in Not geratene Kinder adoptiert hat.
    "Wir fangen da an, wo andere aufhören", sagt Carlos Benede über seinen Verein "Weitblick-Jugendhilfe". Kinder und Jugendliche, die immer wieder durchs Netz gefallen sind, oft bereits mehrere Einrichtungen durchlaufen haben, finden bei ihm und seinen Mitstreitern in Dachau ein Zuhause, einige erhalten in der eigenen Schreinerei des Vereins auch einen Ausbildungsplatz.

    Dafür, dass das tatsächlich gelingt, sorgt das Konzept des Vereins, das statt auf Sanktionen auf Geduld, Verständnis und Begegnung auf Augenhöhe setzt: "Wir stellen die Menschlichkeit in den Vordergrund und nehmen den Jugendlichen so an, wie er ist. Wir geben ihm die Zeit, dass er bei uns ankommen kann. Geduld ist das Wichtigste." Von den Behörden wünscht er sich, dass diese anerkennen, dass sich die Jugendhilfe im Wandel befindet, und nicht mehr die gleichen Vorgaben anwendbar sind wie vor 20 Jahren.

    Polizist mit "Sozialarbeiterherz"

    Bevor Carlos Benede hauptberuflich in der Jugendhilfe begann, war er über 30 Jahre lang Polizeibeamter. Im Grunde habe aber schon immer ein "Sozialarbeiterherz" in diesem Polizisten geschlagen, meint er: "Ich habe ja auch mehrere Stationen genießen dürfen innerhalb der Polizei und bin dann am Schluss auch beim Opferschutz gelandet, wo ich dann doch mehr Sozialarbeiter sein konnte als Polizeibeamter."
    Bei dieser Arbeit kam Benede mit seinem späteren Adoptivsohn Alex in Kontakt. Dessen Mutter war von seinem eigenen Vater ermordet worden. Als das Jugendamt anrief, und Benede fragte, ob er eine Pflegschaft für den Jungen übernehmen könnte, sagte er sofort ja. "Das war eine Bauchentscheidung", erinnert er sich, die er aber nie bereut habe.

    Von Ordensschwestern geprägt

    Einige Jahre später nahm der Polizeibeamte noch einen zweiten Jungen bei sich auf, dessen Mutter ebenfalls ermordet worden war. Dieses Mal entschied er es aber nicht ganz alleine: "Der Alex hat gesagt, 'gib ihn nicht mehr her, den können wir doch auch noch behalten'. Und recht hat er gehabt und hat mich damals dann auch sehr unterstützt und jetzt mittlerweile studiert er auch Sozialpädagogik."
    Als einen möglichen Grund dafür, sein Leben zugunsten dieser Kinder vollkommen umzukrempeln, nennt Benede seine eigenen positiven Erfahrungen als kleiner Junge im Kinderheim bei franziskanischen Ordensschwestern. "Die Nonnen waren für uns Tag und Nacht da. Das waren unsere Mütter." So habe er von klein auf gelernt, für andere da zu sein, was er nun eben auch in seinem Verein umsetzen könne. Aktuell steht bei Weitblick-Jugendhilfe e.V. eine Erweiterung an: Sobald das neue Gebäude fertig renoviert ist, sollen zusätzlich zu den Jugendlichen auch 9- bis 13-Jährige aufgenommen werden.
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