Soziales Unternehmertum

27.03.2008
Unzufrieden mit ihrer Arbeit hängten die Autoren Joanna Stefanska und Wolfgang Hafenmayer ihre gut bezahlten Jobs an den Nagel, um sich ein Jahr auf Weltreise zu begeben. Begegnet sind ihnen dabei Menschen wie eine kolumbianische Pädagogin und ein indischer Augenarzt, die Hilfe für die Ärmsten der Armen anbieten. Der Reportageband "Die Zukunftsmacher" beweist, dass Unternehmertum sozial und nachhaltig sein kann.
Eigentlich wissen wir es seit Langem: Geld allein macht nicht glücklich. Dafür gibt es viele Belege und Joanna Stefanska und Wolfgang Hafenmayer fügen ihnen noch zwei Dutzend hinzu. Allerdings nur um zu zeigen, dass man mit Geld andere glücklich machen kann und dabei selbst glücklich wird.

Für die beiden Autoren jedenfalls kam bereits im Alter von Mitte 30 der Augenblick, in dem die Unzufriedenheit mit ihren überaus erfolgreichen Karrieren so groß geworden war, dass sie beschlossen, ihre ungewöhnlich gut bezahlten Jobs an den Nagel zu hängen und für ein Jahr auf Weltreise zu gehen, allerdings nicht, um Urlaub zu machen. Sie wollten Menschen aufzusuchen, die ebenfalls beschlossen hatten, aus der Jagd nach noch mehr Geld, noch mehr Macht, noch mehr Statussymbolen auszusteigen, um ihr ganzes Können der Bekämpfung von Armut, Hunger, Unterdrückung, Unwissen, Umweltverschmutzung und Krankheit zu widmen.

Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie in ihren neuen Berufen glücklich und zufrieden sind, überzeugt davon, ihre wahre Berufung gefunden haben. Ihr Leben hat einen Sinn bekommen.
Das gilt z.B. für die kolumbianische Pädagogin, die angesichts des versagenden staatlichen Schulsystems eine Privatschulkette gründete, um den Ärmsten in ihrem Land eine vernünftige Schulbildung zukommen zu lassen.

Da gibt es den indischen Augenarzt, der seine internationale Karriere aufgab, um eine große Augenklinik in Indien ins Leben zu rufen, die so kostengünstig arbeitet, dass sie selbst denen, die kaum eine Rupie besitzen, eine Augenoperation ermöglicht und so billige Brillen anbietet, dass sie sich jeder Tagelöhner leisten kann.

Ein junger weißer Südafrikaner hatte die Idee, altes Werkzeug zu sammeln, um es repariert den ‚Männern am Straßenrand’ zu leihen, armen schwarzen Arbeitern, die sich stundenweise für kleine Arbeiten verdingen, aber so wenig verdienen, dass sie sich kein eigenes Werkzeug kaufen können. Jetzt reicht das Geld, um die Familie zu ernähren.

Grundtenor aller Beispiele: die Hilfestellung, die diese gemeinnützigen, sozialen Unternehmen anbieten, wird nicht verschenkt. Wer in ihren Genuss kommen will, muss dafür etwas leisten und sei es auch nur ein winziger Beitrag. Niemand soll sich wie ein Bettler fühlen, dem Almosen gegeben werden. Das stärkt das Selbstbewusstsein, gibt den Betroffenen auch das Gefühl, selbst etwas wert zu sein. Zudem schätzen Menschen das, wofür sie etwas zahlen müssen, höher ein.

Joanna Stefanska und Wolfgang Hafenmayer haben eine Art Reportageband vorgelegt, der beweist, dass Unternehmertum durchaus sozial, umweltfreundlich und nachhaltig sein kann. Sie meiden allerdings jegliche politische Stellungnahme, so als wenn diese Unternehmen im luftleeren Raum arbeiten. Da hätte man gerne etwas mehr über den gesellschaftlichen Rahmen erfahren, in dem diese Unternehmensgründungen stattfinden.

Die Porträts sind zudem arg kurz geraten. Sie verraten nichts darüber, was alles auf diesem Weg schiefgehen kann, wo die Schwierigkeiten stecken. Allerdings gibt es zahlreiche Internethinweise und Buchtipps, die zu den jeweiligen Projekten ausführliche Informationen bieten.

Das Buch strahlt den Optimismus aller Ratgeber aus: Wenn Sie meine Regeln befolgen, wird es Ihnen besser gehen. Doch bei aller Kritik: Das Buch bringt einen zum Nachdenken darüber, wofür man arbeitet und welchen Sinn das eigene Leben macht. Es zeigt: es gibt kein zu spät oder zu früh, kein zu jung oder zu alt. Ein Neuanfang ist möglich. Man muss ihn nur wirklich wollen. Das ist ermutigend.

Rezensiert von Johannes Kaiser

Joanna Stefanska/Wolfgang Hafenmayer:
Die Zukunftsmacher – Eine Reise zu Menschen, die die Welt verändern – und was Sie von ihnen lernen können,

oekom Verlag München 2008, 252 Seiten, 19,90 €