Souffleure der Mediengesellschaft

Journalisten bei der Arbeit © AP
Von Jürgen Stratmann · 07.08.2006
"Alles, was wir über die Welt erfahren", so der Soziologe Niklas Luhmann, "wissen wir aus den Massenmedien!". Es sei kaum möglich, selbst erfahrenes von medienvermitteltem Wissen zu trennen. Umso wichtiger, etwas über die Wissensvermittler zu erfahren!
Elektronische Medien haben den Informationsfluss tiefgreifend verändert. "Jeder ist ein Journalist" kündet die Blogosphäre, während die vermeintliche vierte Gewalt im Staat durch die anhaltende Medienkrise gebeutelt ist.

Die Studie "Journalismus in Deutschland 2005", die der Hamburger Publizistikprofessor Siegfried Weischenberg jetzt vorgelegt hat, belegt einerseits die verheerenden Auswirkungen der Medienkrise auf die Zunft, deren Mitgliederzahl deutlich geschrumpft ist. Vor allem die Zahl der Freien Journalisten ist um ein Drittel auf 12.000 zurückgegangen, wobei der Nachwuchs fehlt, die meisten sind über 36.

Andererseits sei das schon in den 90ern prophezeite Ende einer "Ära des Journalismus" so nicht eingetreten. Der Journalismus, so fürchtete man, vermische sich zunehmend mit lukrativeren Kommunikationsformen wie Werbung, Öffentlichkeitsarbeit und Unterhaltung und verlöre so sein Gesicht.

Tatsächlich belegt die Studie, dass bedeutend weniger Journalisten in kürzerer Zeit mehr Inhalt produzieren, für häufig knappen Lohn, aber trotzdem mit ihrer Tätigkeit zufrieden sind. Vielleicht eine Frage der Berufsethik?

90 Prozent der rund 1500 befragten Journalisten fühlen sich berufen, die Gesellschaft möglichst neutral und präzise zu informieren, mehr als die Hälfte aller Befragten betrachten ihren Berufsstand als notwendig kritische Kontrollinstanz, wozu ganz gut passt, dass Journalisten sich, laut Studie, politisch eher links verorten.

Direkte Beeinflussung lehnen die meisten dabei ab. Nur: Welchen Einflüssen und Einflüsterungen unterliegt der einzelne Journalist? Das Buch zur Studie erscheint im September und genau auf diese Frage zielt der Titel: "Die Souffleure der Mediengesellschaft", heißt es.