Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Sonntag, 18.08.2019
 
Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Fazit | Beitrag vom 07.08.2019

Sommerfestival Kampnagel startetVolkstanz trifft Techno

Von Elisabeth Nehring

Beitrag hören Podcast abonnieren
Zwei Mitglieder des Tanzensembles (LA)HORDE sitzen wie Braut und Bräutigam hinter einem Blumenpult, vier Männer in Anzügen tanzen hinter ihnen, ein Mann im Anzug steht rechts neben ihnen. (Anja Beutler)
Der georgische Nationaltanz stand früher für Widerstand gegen die Sowjetmacht, heute wird er in Clubs getanzt. (Anja Beutler)

Das Sommerfestival Kampnagel startet mit der Uraufführung "Marry me in Bassiani" von (La)Horde. Das französische Medienkunstkollektiv versucht, georgische Volkstänze und Techno zusammenzubringen – und produziert dabei einen Flop.

An den Tänzerinnen und Tänzern der Iveroni Group liegt es nicht. Kakhaber Mchedlidze, Ex-Tänzer des Georgischen Nationalballetts, hat das junge Ensemble geformt und steht in MARRY ME IN BASSIANI auch selbst als ausdrucksstarker Zeremonienmeister auf der Bühne.
Das Setting: eine Hochzeitsgesellschaft vor pompösem Kircheneingang, rosengeschmücktem Altar und Reiterstatur. Die Braut im geschmackvoll fließenden, weißen Glitzer, ihre Gäste in langen oder kurzen, engen Kleidern, locker sitzenden Anzügen mit weiten Hemden oder schmal anliegenden Shirts.
Der Tanz: eine Knochenbrecher-Mischung aus Ballett, Kampfkunst und Showtanzelementen. Seit Hunderten von Jahren wird er in Georgien nur von Männern getanzt – auf der Bühne der großen K6-Halle auf Kampnagel aber auch von den jungen Tänzerinnen.

Denn in MARRY ME IN BASSIANI soll das Widerstandspotenzial, das der georgische Volkstanz verkörpert, verschmolzen werden mit der jungen Clubkultur des Landes, die viele Tausend Raver im letzten Jahr zu Protesten gegen willkürliche Polizeirazzien im titelgebenden Technoclub Bassiani auf die Straßen getrieben hat. Daher: Techno und Volksmusik als musikalische Mischung, die die Tänzerinnen und Tänzer über 80 Minuten antreibt.

Doch die szenischen Einlagen und Bewegungsideen, die die traditionellen Choreografien variieren, fragmetarisieren und einbetten sollen, sind – gelinde gesagt – lahm. Dem jungen Medienkunstkollektiv (La)Horde, das für die Inszenierung von MARRY ME IN BASSIANI verantwortlich ist, gelingt weder eine starke choreografische Bearbeitung der traditionellen Bewegungssprache noch eine interessante Dramaturgie und auch kein Spannungsbogen.

Hören Sie zum gleichen Thema auch ein Gespräch mit András Siebold, dem Leiter des Internationalen Sommerfestivals auf Kampnagel:

Mehr zum Thema

Dokumentarfilm über den Choreografen Richard Siegal - Mit Tanz die Welt reparieren
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 03.08.2019)

Zum Tod von Johann Kresnik - Paukenschlag im modernen Tanz
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 27.07.2019)

Zehn Jahre nach dem Tod von Pina Bausch - Das lebendige Tanzerbe
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 29.06.2019)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsLachen steckt an
Ein Junge hält sich einen lachenden Pappmund vors Gesicht. (imago images / Westend61)

"Der Kraft der Freundlichkeit" widmet sich die "Zeit". "Haben Sie schon mal versucht, nicht zurückzulächeln, wenn jemand Sie anlächelt?", fragt die Zeitung und stellt fest: Es geht nicht. Freundlichkeit steckt also an.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur