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Tonart | Beitrag vom 01.12.2020

Smashing Pumpkins mit neuem AlbumVor sich hin dümpelnde Songs mit Weltschmerz

Juliane Reil im Gespräch mit Andreas Müller

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Die Band The Smashing Pumpkins steht bei einem Auftritt im August 2019 auf der Bühne. (Getty Images /  Jerod Harris)
Konzerte sind auch für die Smashing Pumpkins im Moment nicht möglich. Aber mit ihrem neuen Doppelalbum schaffen sie sich eventuell schon mal die Grundlage für die nächste Tour. (Getty Images / Jerod Harris)

Besonders in den 90ern gehörten sie zu den Helden des Alternative Rocks: Smashing Pumpkins. Nun hat sich die US-Band wieder zusammengefunden und das Album "Cyr" veröffentlich. Doch anknüpfen an ihre Hochzeit können die Musiker nicht.

Älter zu werden, ist im Popgeschäft nicht so einfach. Das gilt besonders für Rockbands – und sogar für die Smashing Pumpkins, die in den 90er-Jahren sehr wichtig für die letzte große Blüte der Rockmusik waren.

Damals besetzte die vierköpfige Band um Sänger, Songwriter und Frontmann Billy Corgan den Rock-Alternative-Raum zwischen Grunge, Dream Pop und Hardcore-Bands. Das Album "Mellon Collie and The Infinite Sadness" von 1995 gilt als Meisterwerk der Amerikaner. Es war nicht nur künstlerisch, sondern auch kommerziell ein großer Erfolg.

Doch es gab immer wieder auch Spannungen und Konflikte innerhalb der Gruppe. Die Besetzung wechselte, Billy Corgan war die Konstante.  Er gilt als Kontrollfreak und als schwierig. Doch die Smashing Pumpkins kamen wieder zurück. Nun ist ein neues Album, ein Doppelalbum, mit dem Titel "Cyr" erschienen.

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Für das neue Album sind drei Gründungsmitglieder an Bord. Zum 30-jährigen Bandjubiläum 2018 fanden sich wieder Gitarrist James Iha, Schlagzeuger Jimmy Chamberlin und Billy Corgan zusammen. Außerdem ist Jeff Schroeder mit dabei, der seit 2006 der zweite Gitarrist der Band ist. "Nur die Bassistin Darcy Wretzki aus der Urbesetzung fehlt nach wie vor", erklärt Musikredakteurin Juliane Reil. Sie züchtet Pferde auf einer Ranch.

Hymnen für die Generation X

Das neue Album "Cyr" schließe nicht an den markanten Sound der Band aus den 90ern an. Das sei auch nicht überraschend. Damals seien die Songs komplexe Kompositionen gewesen, die Arrangements aufwendig. Ein Zusammenspiel aus Artrock, Metaleinflüssen - diese wirklich brachialen Gitarrenwände - und ausladenden Streicherarrangements. Dazu Corgans radikal persönliche Texte.

"Das war Wut, das war Pathos, das war Weltschmerz, mit denen die Pumpkins der Generation X einige der schönsten und traurigsten Hymnen geschrieben haben. Den Verlust einer Liebe und die Verzweiflung am Leben konnten die Kürbisse beängstigend schön vertonen wie kaum eine zweite Band", sagt Reil.

Auf "Cyr" sei das ganz anders: "Soundmäßig geht es in Richtung der 80er-Jahre. Kaum ein Song, der ohne Synthesizer auskommt. Bands wie New Order, Depeche Mode oder The Cure fallen einem ein. Billy Corgan ist auch erklärter Fan dieser Bands." Die Melange aus diesen Einflüssen klinge bei den Smashing Pumpkins wie in dem Song "The Colour Of Love".

Von der Band höre man auf "Cyr" wenig, so Reil. Die elektrische Gitarre komme zum ersten Mal bei "Wyttch", dem neunten von insgesamt 20 Songs zum tragenden Einsatz, und dann nur noch ein weiteres Mal.

Auch Jimmy Chamberlin – einer der besten, virtuosesten Drummer im Pop überhaupt – ist nur auf knapp der Hälfte der Stücke sehr zurückgenommen zu hören. "Da wollte ich zwischendurch einfach mal in die Tischkante beißen", bekennt Reil. Denn den Drumcomputer, Keyboards höre man bis zum Abwinken, zudem zwei Backgroundsängerinnen.

Songs sind schnell vergessen

Die Smashing Pumpkins hätten stets Songs geschaffen, die nicht nach Schema F gestrickt sind und trotzdem eingängig waren und einen Spannungsbogen hatten, sagt Reil. Diese Spannung fehle den neuen Songs und dem ganzen Album. Alles dümpele vor sich hin auf einem Level; man vergesse die Songs schnell wieder. Inhaltlich bleibt es beim Weltschmerz und dem Sinnieren über gescheiterte Liebe.

Das Album wirke, als sei es dazu da, dass die Band wieder auf Tour gehen könne. Denn damit werde in der Musikindustrie heute das Geld verdient.

(abr)

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