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Konzert / Archiv | Beitrag vom 21.02.2018

Skride-Schwestern beim Festival BaltikumFamilienehre

Aufzeichnung aus dem Konzerthaus Berlin

Die Geigerin Baiba Skride (Marco Borggreve/Konzerthaus Berlin)
Baiba Skride spielt mit ihren Schwestern und einer Kollegin beim Festival Baltikum (Marco Borggreve/Konzerthaus Berlin)

Es ist ein Familientreffen, dieses Kammerkonzert im Rahmen des Festivals Baltikum. Die drei Skride-Schwestern plus externe Cellistin spielen Werke estnischer, lettischer und litauischer Klassiker

Manche Familien sind so kinderreich, dass sie ein Fußballteam aufstellen können. Die lettische Familie Skride kann immerhin ein Kammermusiktrio bilden, dafür aber eines, das in der Champions-League spielen darf. Die Geigerin Baiba Skride, die Pianistin Lauma Skride und die Bratscherin Linda Skride haben jetzt ihre Kollegin Kristina Blaumane eingeladen, um klassische und zeitgenössische Werke der baltischen Kammermusik im Rahmen des Festivals Baltikum im Konzerthaus Berlin zu spielen.

Jâzeps Vîtols und Mikalojus Konstantinas Čiurlionis sind die spätromantischen Klassiker Lettlands und Litauens. Sie wurden in Russland, Deutschland und/oder Polen ausgebildet und bewiesen doch frühzeitig die musikalische Eigenart ihrer Heimatländer, nicht zuletzt weil in den baltischen Staaten Identität vor allem in der Kultur ausgedrückt wurde. Und diese Eigenart empfing viele Inspirationen aus der Volksmusik.

Im zweiten Teil haben die lebenden Komponisten das Wort - Ester Mägi gilt als Grande Dame der estnischen Musik mit ihren mittlerweile 96 Jahren. Sie hat sich nie darum geschert, dass ihre Musik als konservativ galt - in ihrer Tonalität, Expressivität und klaren Formsprache. Ebenso ihr deutlich jüngerer lettischer Kollege Pēteris Vasks. Mit seiner unaufgeregt harmonischen Musik gehört er zu den meistgespielten Gegenwartskomponisten. Mägis und Vasks' Musik muss im Vergleich zu der ihrer Vorläufer Vîtols und Čiurlionis harmoniebedürftig und un-avantgardistisch klingen, denn das 20. Jahrhundert hat den Menschen im Baltikum nicht nur den Fortschrittsglauben, sondern auch das Hoffen auf Utopien ausgetrieben. Die kleinen baltischen Länder wurden schließlich nicht nur zwischen den Großmächten aufgerieben, sondern auch von politischen Ideologien aller Couleur verraten und verkauft.

Anlass des Festivals ist ein politisches Jubiläum - zum Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren erklärten die baltischen Länder ihre Unabhängigkeit von Russland, genauso wie Finnland - oder wie Polen, das damals seine Wiedererstehung erlebte, ähnlich wie Litauen, mit dem es einst ein gemeinsames großes Reich gebildet hatte.

Konzerthaus Berlin
Aufzeichnung vom 19. Februar 2018

Jâzeps Vîtols
Romanze für Violine und Klavier op. 15

Mikalojus Konstantinas Čiurlionis
Vier Preludes für Klavier op. 4

Ester Mägi
Klaviertrio d-Moll

Pēteris Vasks
Klavierquartett

Baiba Skride, Violine
Linda Skride, Viola
Kristina Blaumane, Violoncello
Lauma Skride, Klavier

Konzert

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