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Kompressor | Beitrag vom 26.01.2018

Skandal um Dieter WedelDas Klima verändern, um Frauen zu schützen

Connie Walther im Gespräch mit Timo Grampes

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Zu viele Männer hinter der Kamera: Die Initiative "Pro Quote Regie" fordert eine Quote für Regisseure. (dpa/picture alliance/Georg Wendt)
Viele Männer hinter der Kamera: Eine Quote könne dafür sorgen, dass Frauen in der Filmbranche geschützt werden, meint die Regisseurin Connie Walther. (dpa/picture alliance/Georg Wendt)

Die Vorwürfe gegen Dieter Wedel wiegen schwer: Trotzdem gab es jahrzehntelang keine Aufarbeitung, obwohl sie sogar aktenkundig waren. Die Regisseurin Connie Walther sieht vor allem Machtmissbrauch als Grund für die Übergriffe und erklärt, wie eine Quote helfen könnte.

"Es ist systemisch - aber es ist gesellschaftlich systemisch!", meint Connie Walther, Regisseurin und Drehbuchautorin, zum Skandal um Dieter Wedel, dem mehrfach sexuelle Gewalt vorgeworfen wird. Wenn die Vorwürfe stimmten, hätten wir es hier mit einer "organisierten, machtorientierten Vergewaltigung zu tun." Weiter meint sie: "Das System Filmbranche hat strukturelle Probleme, die aber in allen Branchen in der Gesellschaft stattfinden."

Thomas Kleist, der heutige Intendant des SR, hatte am Donnerstag im Deutschlandfunk gesagt, die Vorfälle hätten auch etwas systemisches - Wedel sei nicht nur Regisseur gewesen, sondern auch Drehbuchautor, Produzent und er habe gecastet: "Daran sieht man schon, das ist also wie in jedem anderen Unternehmen, Vier-Augen-Prinzip: mehr Leute dabei sein, nicht alles in eine Hand geben", sagte er.

Macht und Freiheit: "Wir brauchen beides in einer Gesellschaft"

Regisseurin Walther meint, Machtmissbrauch gäbe es nun einmal in unserer Gesellschaft, doch die Lösung liege im Verständnis, was Macht eigentlich bedeutet und wer sie ausübt und warum andere Menschen sich gegen eine Macht wehren, wenn sie missbraucht wird. "Macht per se ist erst einmal nichts Schlechtes, Macht bedeutet auch Freiheit und beides brauchen wir in einer Gesellschaft", sagt sie. 

Die Regisseurin Connie Walther auf der Pressekonferenz für ihren Film 'Schattenwelt' während des 3. International Film Festival in Rom, Italien (2008)  (dpa / picture alliance / epa ansa Danilo Schiavella)Die Regisseurin Connie Walther auf der Pressekonferenz für ihren Film 'Schattenwelt' während des 3. International Film Festival in Rom, Italien (2008) (dpa / picture alliance / epa ansa Danilo Schiavella)

"Wie lässt sich der Machtmissbrauch verhindern?", fragt Walther stattdessen. Kameras aufzustellen oder Prozesse extra kleinteilig zu organisieren, würde doch alle unter Generalverdacht stellen. So könne man einem Problem nicht beikommen, ist sie überzeugt. "Es geht darum, dass wir uns alle selbst angucken und überlegen, wie wir unsere Töchter und Söhne erziehen."

Mit einer Quote wird das Geschlecht egal

Wenn Vorfälle wie sexuelle Übergriffe von allen mitgetragen werden und ein Klima von Angst herrsche, dann seien alle plötzlich mitbeteiligt, und dann könne sich das Opfer auch nicht mehr wehren. "Dieses Klima - das muss man verändern!", meint sie. Eine Quote könne dabei helfen - denn wenn erst einmal 30 Prozent Frauen in einer Arbeitssituation vertreten seien, "dann ist es so, dass man einfach miteinander arbeitet, ohne dass das [Geschlecht] im Vordergrund steht."

Zu den Hintergründen im Skandal um Dieter Wedel 

Dem Regisseur Dieter Wedel wird sexuelle Gewalt vorgeworfen, zum Teil sind die Vorfälle sogar aktenkundig. Trotzdem arbeitete man weiter mit dem umstrittenen Regisseur zusammen, zum Beispiel auch der Saarländische Rundfunk (SR), der in Akten aus den 1980er-Jahren entsprechende Informationen fand. Damals wurde die Arbeit an der Fernsehserie "Bretter, die die Welt bedeuten" nur unterbrochen, um eine Schauspielerin auszutauschen, die von Wedel angegriffen wurde, wie sie an Eides statt erklärte; nicht aber, um die Vorfälle aufzuarbeiten.
(inh)

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