Sinkende Inzidenzzahlen

    Veranstaltungsbranche fordert Öffnungsperspektive

    07:49 Minuten
    Probanden eines Großversuchs der Universitätsmedizin Halle/Saale stehen am Einlass vor der Arena Leipzig. Rund 1400 Besucher beteiligen sich an dem Versuch unter dem Titel «Restart-19», bei dem der Popsänger Tim Bendzko auftritt.
    Veranstaltungen seien "möglichweise sicherer als im sonstigen Lebensraum", glaubt Jens Michow vom BDKV. © picture alliance / Hendrik Schmidt
    Jens Michow im Gespräch mit Gabi Wuttke · 30.05.2021
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    Trotz sinkender Inzidenzzahlen sollen fürs Erste keine Konzerte und Festivals stattfinden. Jens Michow vom Bundesverband der Konzertveranstalter kann das nicht nachvollziehen. Er fordert von Bund und Ländern eine einheitliche Lösung.
    Die Außengastronomie darf bereits wieder öffnen. Kinos zeigen draußen Filme, auch zahlreiche Theaterpremieren sind in den kommenden Tagen geplant. Konzerte und Großveranstaltungen dürfen hingegen noch nicht stattfinden.
    Jens Michow, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), ist deswegen äußerst verärgert:
    "Es geht einerseits um die Frage der Verhältnismäßigkeit, wenn man Grundrechte einschränkt, wenn man die Berufsfreiheit einschränkt. Es geht aber auch darum, dass wenn man das nicht begründen kann und dafür keine Argumente liefert, dass das dann rechtswidrig ist. Herr Günther in Schleswig-Holstein hat ganz klar erkannt, dass es einen Rechtsanspruch des Veranstalters gibt, veranstalten zu dürfen, wenn man dem nichts entgegenhalten kann, und man kann dem zurzeit nichts entgegenhalten."
    Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hatte in einem Rundschreiben an seine Länderkollegen angekündigt, sein Bundesland werde Veranstaltungen wieder zulassen, wenn die Entwicklung gleichbleibe und Sicherheitsmaßnahmen bei einer großen Menge an Menschen eingehalten werden können.

    Bedingungen schaffen für Veranstaltungen

    Eine solche Perspektive wünscht sich Michow von allen Bundesländern und vom Bund:
    "Wir möchten nicht von staatlichen Hilfen leben. Wir wollen wieder arbeiten können, und dafür brauchen wir eine Perspektive. Wir möchten wissen, unter welchen Bedingungen das wieder losgehen kann."
    Veranstaltungen müssten wirtschaftlich durchführbar sein, so Michow weiter. Der BDKV erwarte deshalb, "dass Veranstaltungen ohne Kapazitätsbeschränkungen wieder stattfinden können." Voraussetzung dafür sei natürlich, dass die Inzidenzzahl weiter unter der Marke von 100 liege oder sogar sinke.

    Kein Flickenteppich, bitte!

    Die Bundesländer, die bei einem Inzidenzwert von unter 100 zuständig sind, sollen sich dafür eine einheitliche Lösung überlegen. "Nicht, dass wir wieder einen Flickenteppich haben, dann können keine Tourneen stattfinden", so Michow weiter.
    Es gebe nichts, was der Durchführung von Veranstaltungen entgegenstehe, so Michow. Veranstaltungen seien mit entsprechenden Konzepten sogar sicherer als andere Lebensräume, ist Michow überzeugt: "Wir können testen, wir können zusätzliche Tests anbieten vor Ort, wir können prüfen, ob jemand geimpft ist, und wir können auch prüfen, ob jemand genesen ist. Die drei Gs sind durchaus realisierbar, was soll noch passieren? Ich versteh es nicht, und es kann mir auch niemand plausibel erklären."

    Am 28. Mai fand in Leipzig ein Popkonzert von Fil Bo Riva mit 330 Personen statt - unter strengen Hygieneregeln. Sachsen-Korrespondent Alexander Moritz war dabei. [ AUDIO ]

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