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Konzert / Archiv | Beitrag vom 30.12.2014

Sinfonische MusikVier Sätze und vier Temperamente

Aufzeichnung aus Kopenhagen

Das Konzerthaus des Dänischen Rundfunks in Kopenhagen (Volker Michael)
Das Konzerthaus des Dänischen Rundfunks in Kopenhagen (Volker Michael)

Das Dänische Rundfunksinfonieorchester spielt regelmäßig die Sinfonien Carl Nielsens, auch schon vor dem großen Jubiläumsjahr des Übervaters der Dänischen Musikkultur - er wurde 1865 geboren. Fabio Luisi setzte zu Nielsens "Vier Temperamenten" die vierte Sinfonie von Johannes Brahms.

Noch ganz in der Tradition der spätromantischen kontinentalen Sinfonik steht Carl Nielsen mit seiner zweiten Sinfonie, die er zu Beginn des 20. Jahrhunderts komponiert und schließlich Ferruccio Busoni gewidmet hat - wohl aus Dankbarkeit für dessen Einsatz für seine Werke. Der dänische Komponist war damals im Rest Europas noch völlig unbekannt.

Diese zweite Sinfonie ist quasi Programmmusik. Denn der antiken Temperamentslehre entsprechend hat Nielsen den vier Sätzen Charaktere unterlegt und gleich auch noch in den italienischen Tempobezeichnungen sprachliche Kreativität an den Tag gelegt: Sie heißen "Allegro collerico, Allegro comodo e flemmatico, Andante malincolico, Allegro sanguineo — Marziale". Nielsen beschreibt also den Choleriker, den Phlegmatiker, den Melancholiker und den Sanguiniker. Diese Sinfonie ist ein strahlend vollmundiges Werk der Orchesterliteratur und gehört zu Recht zu den häufig gespielten Werken des Komponisten, dessen 150. Geburtstag im kommenden Juni nicht nur in Dänemark gefeiert werden wird.

Vier Sätze und verschiedenste Temperamente hatte auch Johannes Brahms vor Ohren, als er sich an seine vierte und letzte Sinfonie machte. Sie mit einem Werk derselben Gattung von Carl Nielsen zu kombinieren, ist einerseits logisch, weil es musikalische Erblinien aufzeigt, andererseits natürlich auch risikofreudig, weil die Zuhörerinnen und Zuhörer zu Vergleichen angeregt werden können. Der international vor allem als Operndirigent gefragte Italiener Fabio Luisi wird alle Mühe darein investieren, die unterschiedlichen Qualitäten der beiden Sinfoniker herauszuarbeiten. 

 

Konzerthaus Kopenhagen

Aufzeichnung vom 5. Dezember 2014

 

Carl Nielsen

Sinfonie Nr. 2 op. 16 „Die vier Temperamente"

 

Johannes Brahms

Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

 

Dänisches Rundfunksinfonieorchester

Leitung: Fabio Luisi

 

anschließend: 

Christian Frederik Emil Horneman

Gurre-Suite

 

Dänisches Rundfunksinfonieorchester

Leitung: Johannes Gustavsson

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