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Konzert / Archiv | Beitrag vom 15.02.2015

Sinfonische MusikSpäte Heimkehr

Aufzeichnung aus dem Sendesaal im Berliner Haus des Rundfunks

Der Dirigent Lukasz Borowicz (Justyna Mielniczuk/CAMI)
Der Dirigent Łukasz Borowicz (Justyna Mielniczuk/CAMI)

Das ungeheure Ausmaß menschlichen Leids im Zweiten Weltkrieg brachte Roman Maciejewski dazu, ein Requiem zu schreiben. Jetzt wurde es endlich auch in seiner Geburtsstadt Berlin gespielt, fast fünfundvierzig Jahre nach der Uraufführung beim Warschauer Herbst.

Es war wie eine späte Heimkehr - die Erstaufführung des Requiems von Roman Maciejewski im vergangenen September in Berlin. Es wurde ein ergreifendes polnisch-deutsches Projekt unter dem Titel „Requiem für die Welt" aus Anlass des 75. Jahrestages des Überfalls Deutschlands auf Polen und des 70. Jahrestages des Kriegsendes, organisiert von der Poznaner Philharmonie und ihrem Direktor Wojciech Nentwig.

Der Komponist Roman Maciejewski wurde 1910 in Berlin geboren und zog mit seiner Familie neun Jahre später ins wieder gegründete Polen. Zuerst lebte er in Leszno und in Posen. Später studierte er unter Karol Szymanowski in Warschau und darauf bei Nadja Boulanger in Paris. Den Zweiten Weltkrieg überlebte er in Schweden, wo er auch das Requiem zu komponieren begann. Gewidmet hat er es den Opfern der Schoa und des Krieges im allgemeinen. 1959 hat es Maciejewski in den USA vollendet. Im Jahr darauf wurde es beim Warschauer Herbst uraufgeführt.

Seitdem gilt es als eines der wichtigsten geistlichen Werke der polnischen Musik des 20. Jahrhunderts, als ein Monolith, der bis heute regelmäßig erklingt, aber in seiner Gesamtheit immer noch Rätsel aufgibt. Für die Premiere in Maciejewskis Geburtsstadt hat der junge polnische Dirigent Łukasz Borowicz eine spezielle kürzere Fassung erstellt.

Roman Maciejewski starb 1998 in Göteborg. Seine erklärenden Zeilen zu diesem Werk lauten folgendermaßen: "Die bedrückende Erfahrung, welch unvorstellbar großes Leid der zweite Weltkrieg verursacht und welches Meer vergossenen Blutes er hinterlassen hat, brachte mich am Ende des Krieges dazu, ein Werk zu schreiben, dessen Botschaft darin bestehen würde, die tragische Sinnlosigkeit des Krieges zu zeigen, wie sie uns das menschliche Bewusstsein zeigt. Dieses Requiem ist den Opfer menschlicher Ignoranz gewidmet. Zuerst aber dem Andenken all jener, die in den Kriegen umgekommen sind."

 

Haus des Rundfunks Berlin, Großer Sendesaal

Aufzeichnung vom 5. September 2014

 

Roman Maciejewski

"Requiem - Missa pro Defunctis"

(Uraufführung der Berliner Fassung von Łukasz Borowicz)

 

Wioletta Chodowicz, Sopran

Agnieszka Rehlis, Alt

Martin Homrich, Tenor

Adam Palka, Bass

MDR-Chor

Orchester der Philharmonie Poznań

Leitung: Łukasz Borowicz

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