Seit 05:05 Uhr Studio 9

Freitag, 21.09.2018
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 24.06.2018

Simon Rattles Abschiedskonzert in der Berliner Waldbühne"Klassik gehört allen"

Christiane Peitz im Gespräch mit Bernhard Doppler

Beitrag hören Podcast abonnieren
Dirigent Sir Simon Rattle bei einem Klassikkonzert in der Waldbühne, wobei sein Körper im Einsatz ist. Er dirigiert mit erhobenem Taktstock, geöffnetem Mund und Einsatz gebender linker Hand (imago / Kai Horstmann)
Mit dem Waldbühnenkonzert verabschieden die Berliner Philharmoniker ihren Chefdirigenten (imago / Kai Horstmann)

Nach 16 Jahren verlässt Sir Simon Rattle die Berliner Philharmoniker. In der Berliner Waldbühne trat er ein letztes Mal als ihr Chefdirigent auf. Ein atmosphärischer Abend, sagt Kulturkritikerin Christiane Peitz, ganz im Sinne Rattles: Ohne Angst vor Sentiment.

Der Nieselregen am Abend in der Berliner Waldbühne passte zum Abschied des Chefdirigenten Simon Rattle von den Berliner Philharmonikern. Doch es wurde ein unterhaltsamer und atmosphärischer Abend, wo er "dem Affen noch mal Zucker" gegeben hat – ganz im Sinne Rattles, der die Berliner Philharmoniker immer wieder an Unterhaltungsmusik herangeführt hat, so die Feuilleton-Chefin des Berliner "Tagesspiegel" Christiane Peitz.

Auch mal an die Grenze zum Kitsch gehen

Denn in den 16 Jahren hat er "den Berlinern und ich glaube, auch den Philharmonikern ein bisschen beigebracht: Keine Angst vor Unterhaltungsmusik. Man kann die auch ernst nehmen. Er macht das ja mit einer großen Aufrichtigkeit und Verbindlichkeit. Keine Angst davor, auch mal ein bisschen leichter zu werden, an die Grenze zum Kitsch zu gehen. Keine Angst vor Sentiment. Nicht jedes Sentiment ist gleich Sentimentalität."

Eine seiner großen Entwicklungen für das Orchester war, dass er das "Repertoire entgrenzt hat und die Philharmonie – das ist ja ein ganz toller Bau – geöffnet hat", meint Christiane Peitz. Die Lunch-Konzerte und das Education-Projekt "Rhythm is it" seien zwei Stichworte, die man auch noch in zehn Jahren mit dem Namen Simon Rattle verbinden werde: "Klassik gehört allen."

Kritiker befürchteten Verlust des berühmten Orchesterklangs

Von der Kritik kamen auch immer wieder Vorwürfe: "Es gab diese berühmte Geschichte, dass ihm vorgeworfen wurde, der berühmte Berliner, der Brahmsche warme Orchesterklang, er würde den zerstören, weil er jetzt zu viele Neutöner macht, weil er zu viele Britische Komponisten spielt, die vorher nicht so häufig von den Berliner Philharmonikern gespielt wurden." Für Christiane Peitz ist das Unsinn. Denn gerade die Berliner Philharmoniker sind auch immer wieder eine "Werkstatt, da werden Sachen ausprobiert."

Für Christiane Peitz fasst ein Zitat von Simon Rattle aus einem Interview seine Zeit mit den Berliner Philharmonikern zusammen: "Music is about life, but life ist not about music."

 

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKopflos in der Wohnungsnot
Gunther Adler, scheidender Staatssekretär im Bundeministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, spricht bei der Vorstellung des deutschen Beitrags für die 16. Architekturbiennale im November 2018.  (picture alliance / Britta Pedersen/dpa)

Um vielfältiges Versagen der Politik geht es in den Feuilletons von "FAZ" und "SZ". Dass durch die Causa Maaßen der wichtigste Bauberater gehen müsse, sei ein schlechtes Zeichen, um die dringende Frage nach gerechtem Wohnraum zu beantworten.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 6Über Gräben
Die Schrift am Luckenwalder Stadttheater liegt im Schatten. (picture alliance / dpa / Sascha Steinach)

Wie halten sie's mit den Produktionsbedingungen? Im Juni-Podcast geht es um das Verhältnis von festen Häusern und Freier Szene. Außerdem Thema: eine strittige Inszenierung in Berlin und wie Theater sich gegen rechte Übergriffe wappnen können.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur