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Interview | Beitrag vom 22.09.2020

Sicherer SchulwegZu Fuß in die Schule und nicht mit dem Elterntaxi

Jens Leven im Gespräch mit Ute Welty

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Ein Mädchen mit einem Schulranzen läuft über eine Straße (imago / Petra Schneider)
Oft bedenken Kommunen nicht, wie sicher Schulwege für Kinder geplant werden müssen, sagt der Verkehrsexperte Jens Leven. (imago / Petra Schneider)

Häufig bringen Eltern ihr Kind mit dem Auto zur Schule. Dabei könnte es den Weg auch gut allein bewältigen. Doch nicht nur ängstliche Eltern seien das Problem, sagt der Verkehrsplaner Jens Leven. Er sieht auch Versäumnisse bei den Kommunen.

Jeden Morgen Chaos und Ärger: Vor Schulen parken Autos die Straße zu, weil Eltern ihre Kinder möglichst bis vor die Tür fahren wollen. Gedankenlosigkeit, Sorge und Ängste sieht der Verkehrsplaner Jens Leven als häufige Gründe für den elterlichen Bringdienst:

"Wenn Eltern Angst haben wegen des Schulwegs oder dass Kinder auf dem Schulweg verunfallen, dann ist das das Ziel intensiverer Arbeit." Das sei eine Aufgabe von Verkehrsplanern, man könne die Eltern nicht "bequatschen", sagt Leven anlässlich des Aktionstages "Zu Fuß zur Schule".

Kritik an Fokussierung auf Parkplätze

Notwendig sei eine altersangemessene, kindgerechte Infrastruktur und gute pädagogische Konzepte, so Leven. "Das Ganze ist ein Marathon und macht Arbeit, aber dann kriegt man die Kinder auch aus den Autos wieder auf die eigenen Füße."

Man müsse die Schulwege analysieren und sich dabei fragen, ob sie sicher zu bewältigen seien, auch für Sechs- und Siebenjährige. Dabei finde man sehr viele Defizite in den Städten: "Häufig ist es so, dass der Wunsch nach mehr Parkplätzen stärker ist, als den Schulweg für die Kinder sicherer zu machen", kritisiert Leven.

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Grundsätzlich müssten Kommunen entscheiden, wie viel öffentlichen Nahverkehr oder auch wie viele Schulbusse sie sich leisten könnten und müssten. "Wenn das Geld nicht reicht für einen guten ÖPNV, dann muss man den Rest der Elterntaxiverkehre geschickt organisieren durch Verkehrsplanung", fordert der Experte. 

Und noch etwas ist aus seiner Sicht wichtig, nämlich der Wunsch eines Kindes, allein zu gehen: "Er ist unverzichtbar." Ein optimaler Schulweg sei sicher und anregend, sollte Spaß machen und im besten Fall ein "Erlebnispfad" sein, sagt Leven.

(bth)

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