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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 02.02.2015

Shahak Shapira "Rassismus dulde ich nicht"

Moderation: Ulrike Timm

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Shahak Shapira wurde Opfer eines antisemitischen Übergriffs. Instrumentalisieren lassen wollte er sich nicht. (Deutschlandradio - Philipp Eins)
Shahak Shapira wurde Opfer eines antisemitischen Übergriffs. Instrumentalisieren lassen wollte er sich nicht. (Deutschlandradio - Philipp Eins)

Shahak Shapira wurde Opfer eines antijüdischen Übergriffs durch drei muslimische Jugendliche. Trotzdem will er sich nicht durch Pegida für antimuslimische Propaganda instrumentalisieren lassen. Er wolle weder zum Opfer noch zum Helden stilisiert werden.

Seit einem Angriff in der Berliner U-Bahn durch muslimische Jugendliche in der Sylvesternacht hat sich Shahak Shapiras Leben völlig verändert. Und das liegt nicht nur an seiner medialen Präsenz. Schon kurz nachdem die Medien das Thema aufgriffen, wehrte sich Shapira vehement gegen jede antimuslimische Färbung in der Darstellung des Vorfalls. "Pegida" griff er scharf an, weil die Organisation den Fall für ihre Zwecke instrumentalisieren wollte. In der Öffentlichkeit verwahrte sich Shapira dagegen, als Opfer oder als Held stilisiert zu werden.

Shapira hatte keine Angst in der U-Bahn

In der betreffenden Nacht in der U-Bahn habe er keine Angst gespürt, berichtet er nun im Deutschlandradio Kultur. Der Zug sei ja voll gewesen - "da sollte man keine Angst haben". Tatsächlich zeigten zwei junge Männer, die im Waggon saßen, auch Courage und gingen bei der Schlägerei dazwischen, nachdem die muslimischen Jugendlichen Shapira angegriffen hatten. Die anderen Menschen in der U-Bahn schien der Vorfall aber nicht zu kümmern, berichtet Shapira.

"Rassismus dulde ich nicht bei mir, und ich dulde es nicht bei anderen", erklärt Shapira seine Haltung. Dass ihn jetzt israelische Reporter anrufen und fragen, ob er sich in Deutschland noch sicher fühle, hält er schlicht für "Blödsinn". Und dass die israelische Regierung postulierte, Juden seien nach dem Charlie-Hebdo-Anschlag nicht mehr sicher in Frankreich, ist für ihn "geschmacklos": "Als ob Israel der sicherste Ort der Welt wäre."

Sein Großvater überlebte den Holocaust 

Der Enkel eines polnischen Holocaustüberlebenden kam mit 14 Jahren aus Israel nach Deutschland. In Berlin, Stockholm, Sao Paulo und Colorado machte er eine Ausbildung zum Werbegrafiker. Er arbeitete zunächst bei der Werbeagentur Jung von Matt in Hamburg, heute ist er selbständiger Artdirector in Berlin und komponiert Musik.

Seine Familiengeschichte, von der er ausführlich erzählt, ist voller Dramen: Sein Großvater entkam mit neun Jahren dem Holocaust und wollte sich zum Lager Treblinka durchschlagen, um die Eltern wiederzufinden. "Die Welt hat nicht genug vom Holocaust gelernt, wie man offensichtlich sieht", sagt Shapira. Sein anderer Großvater war Leichtathletiktrainer und kam beim Attentat auf die israelische Olympia-Mannschaft 1972 in München ums Leben.

"Ich bin der schlechteste Jude, den es gibt."

Shapira blickt in die Vergangenheit, aber er betont zugleich, ein anderes Leben zu leben. Er hat Freunde überall auf der Welt, auch israelische und jüdische, aber zur jüdischen Community in Berlin fühlt er sich nicht zugehörig: "Ich bin der schlechteste Jude, den es gibt." Feiertage vergesse er grundsätzlich, mit Religion kann er wenig anfangen.

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