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Vollbild | Beitrag vom 20.02.2021

Serien im KritikertestEin Stripklub kämpft ums Überleben

Moderation: Susanne Burg und Patrick Wellinski

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Brandee Evans in der Rolle der Tänzerin Mercedes. (picture alliance / Everett Collection / © Starz! Movie / Erika Doss)
Brandee Evans in der Rolle der Tänzerin Mercedes in der US-Serie „P-Valley“. (picture alliance / Everett Collection / © Starz! Movie / Erika Doss)

Die gelobte Serie „P-Valley“ über einen Stripklub am Mississippi gefällt auch unserer Jury. Gut weg kommt auch die Comedy-Serie "Moonbase 8" über ein NASA-Trainingscamp. Die Neuauflage von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ überzeugt dagegen nicht so richtig.

Im zweiten Serienquartett des Jahres stehen Serien im Mittelpunkt, die sich mit Drogendiskursen auseinandersetzen und die großen moralischen Fragen von Schuld und Sühne zu erörtern versuchen. Dabei begeben wir uns ins West-Berlin der 1980er-Jahre, ins hitzige New Orleans und auch auf den Mond (na ja – fast).

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)Unsere "Vollbild"-Redakteure Susanne Burg und Patrick Wellinski haben sich gemeinsam mit Anna Wollner, Filmredakteurin bei "Radio Fritz", und Hendrik Efert vom Podcast "Viertausendhertz" durch gut 30 Stunden Serien geguckt und sind bereit, gewohnt unterhaltsam und scharfsinnig zu streiten und den Seriennachschub zu bewerten.

Drogenkult im Retrostil: "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" (Amazon Prime)

Die Protokolle des Lebens auf dem West-Berliner Strich rund um den Bahnhof Zoo von Christiane F. lösten in der Bundesrepublik einen Skandal aus. Die Elterngeneration wurde zum ersten Mal ungeniert mit der Wahrheit über die drogendominierte Jugendkultur der geteilten Stadt informiert.
Neben der "Stern"-Geschichte war es vor allem die Uli Edel-Verfilmung des Stoffs, die eine nationale Debatte befeuerte. 40 Jahre später gibt es nun ein Wiedersehen mit den Kindern vom Bahnhof Zoo. Kann das Serienformat aber noch so provozieren wie damals?

Das Quartett lehnt die Serie weitgehend ab. Die Bewertung: 3 x Flop; 1 x Top.


Im Striptease-Tal: "P-Valley" (Amazon / StarZPlay)

Es war eine der am höchsten gelobten Serien in den USA. Keine Jahresbestenliste, die nicht "P-Valley" auf einen der ersten drei Rängen hatte. Die Serie erzählt vom Stripklub "Pynk" am Mississippi. Es ist ein Ort für Ausgesetzte, Minderheiten, Frauen, die aus gewalttätigen Beziehungen geflohen sind, Möchtegern-Rapper und gewitzte Investoren.
Doch schon bald soll der Schuppen einem großen Casino weichen. Die Serie schildert den Versuch der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, ihre Ersatzheimat vor den Immobilienhaien zu retten.

Das Quartett feiert die Serie: 4 x Top.


Schuld und Sühne: "Your Honor" (Sky)

"Your Honor" gehört zu der nicht enden wollenden Reihe an israelischen Serien, die in den USA hochkarätig geremaked werden. Der Plot kommt schicksalsschwer daher: Nach einem Autounfall flieht der Sohn eines Richters vom Unfallort und lässt einen angefahrenen Jungen am Straßenrand sterben. Der Richter will, dass der Sohn sich der Polizei stellt, doch der entscheidet sich anders, als er erfährt, dass der tote Junge der Sohn des größten Mafiabosses der Gegend ist.
Damit löst die Serie eine ganze Reihe schwieriger moralischer Entscheidungen aus. In der Hauptrolle glänzt Braking Bad-Star Bryan Cranston, der abermals eine Vaterfigur im Ausnahmezustand verkörpert. Hinter der Kamera stand für ein paar Folgen der deutsche Regisseur Edward Berger.

Das Quartett kann sich nicht einigen und vergibt ein Unentschieden: 2 x Top; 2 x Flop.


Gestrandet auf dem Weg zum Mond: "Moonbase 8" (Sky)

Drei NASA-Astronauten auf dem Weg zum Mond: Doch zunächst sind die drei in einem Trainingscamp in der amerikanischen Wüste eingesperrt. Doch richtig erfolgreich schlägt sich das Team der depressiven Raumfahrer nicht. In der Sitcom "Moonbase 8" geht es nur oberflächlich um den Trip zum Mond.
Es ist eine Work-Space-Komödie, die sich mehr für die innere Leere ihrer Protagonisten interessiert. Ist der Mond nur eine Ausrede, um sich nicht den Problemen auf der Erde zu stellen? Besetzt mit Oscar-Kandidat John C. Reilly sucht die philosophische Sitcom mit ihrem trockenen Humor nach Antworten auf die großen Fragen aus dem Mikrokosmos des Lebens.

Das Quartett ist zum größten Teil angetan: 3 x Top; 1 x Flop.


Außerdem gibt es weitere Tipps vom Quartett:

  • Hendrik Efert freut sich auf das Reboot des 90 Jahre Klassikers "The Fresh Prince von Bel-Air".
  • Anna Wollner fiebert der HBO-Serie "We are who we are" entgegen.
  • Susanne Burg empfiehlt "The Flight Attendant" auf HBO Max.
  • Patrick Wellinski hebt seinen Daumen für die französische Comedyserie "Call My Agent".
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