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Fazit / Archiv | Beitrag vom 02.04.2018

Serie: Wiederauferstehung (4)Die alten Herren sind wieder im Kino

Von Hartwig Tegeler

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Harrison Ford, Mel Gibson und Sylvester Stallone stehen in Cannes vor Palmen. (imago/ZUMA press)
Harrison Ford, Mel Gibson und Sylvester Stallone (imago/ZUMA press)

Muhammad Ali brauchte drei Jahre, bis er 1970 wieder als Weltboxer auferstand wie Phoenix aus der Asche, die Popgruppe Take That brachte es auf eine kurze Comeback-Sequenz, bis sie sich wieder trennten. Hartwig Tegeler über Aufstieg, Star-Ruhm, tiefen Fall und das Comeback im Kino.

Das Comeback, wie wir showbiz-affine Zeitgenossen die mediale Wiederauferstehung gerne zu nennen pflegen, braucht ohne Frage ein schlagkräftiges Credo. "I'll be back!" Zu deutsch: "Ich komme wieder!" - So, wie Arnold Schwarzenegger als Terminator. Oder so: "Die Zukunft ist noch nicht geschrieben. Wir alle sind unseres eigenen Schicksals Schmied."

Fast raus aus dem Geschäft

Aber: Brauchte Schwarzenegger jemals ein Comeback? Na, wir werden schon sehen und uns noch wundern. Der eher naheliegende Prototyp des wiederauferstandenen Helden scheint also erst einmal Mickey Rourke. Nach seiner Hauptrolle in Michael Ciminos "Im Jahre des Drachen" und bei Alan Parker in "Angel Heart" folgten Kassenflops. Mickey Rourke war frustriert, enttäuscht, wurde Profiboxer. Verletzungen, kurzzeitiger Gedächtnisverlust, Alkoholvergehen im Verkehr, Knastaufenthalte folgten. Entsprechend sah er aus.

Vor ein paar Jahren, sagte Mickey Rourke, war ich fast raus aus dem Geschäft. Realität und Fiktion mischen sich, wenn der melancholische Wrestler alias Mickey Rourke im Film "The Wrestler" sagt: "Jetzt bin ich ein ausgebranntes, altes Wrack. Und ich bin allein."

Ein langer Weg zurück

Bei Darren Aronofsky konnte Mickey Rourke 2008 mit seinem aufgeschwemmten Gesicht den heruntergekommenen Wrestler spielen. Geld für den Film zu bekommen, mit einem wie mir in der Hauptrolle, so Rourke, war für den Regisseur nahezu unmöglich.

Mickey Rourke im Film The Wrestler. (imago/Cinema Publishers Collection)Mickey Rourke im Film The Wrestler. (imago/Cinema Publishers Collection)

Aber Aronofsky hatte den richtigen Riecher. "The Wrestler" rehabilitierte seinen Hauptdarsteller. Mickey Rourke bei der besiegelten Wiederauferstehung, bei der Golden-Globe-Verleihung 2009: "Es war ein langer Weg zurück für mich."

Wie der Wrestler mit Hörgerät und überlebtem Herzinfarkt im Film sagt: "Also, wer weiß? Im Moment bin ich ziemlich gut in Form. Und mit etwas Glück könnte das mein Ticket zurück an die Spitze sein." Oder um noch ein wenig Happyend-Aura zu versprühen: "I'll be back. - Die Zukunft ist noch nicht geschrieben."

Steuerhinterziehung

Soweit alles gut? Naja, Mickey Rourke jedenfalls war wieder im Geschäft, aber sein wunderbarer Charakter als heruntergekommener Wrestler blieb doch sehr solitär.

Er mischte eher auf B-Movie-Niveau wie in der The-Expendables-Saga mit, in der die alten Actionhelden der 1980er- und 90er-Jahre unter der Ägide von Sylvester Stallone fröhliche Wiederauferstehung feierten.

Neben Stallone und Mickey Rourke bei den "Expendables": Dolph Lundgren, Jason Statham, Jet Li, Bruce Willis, Eric Roberts, Chuck Norris – wir sind noch nicht fertig mit der Aufzählung – und Mel Gibson und Antonio Banderas und Harrison Ford und Wesley Snipes, der 2013 eine Wiederauferstehung als Schauspieler bitter nötig hatte, weil er drei Jahre im Gefängnis war. Wegen Steuerhinterziehung. Was in "The Expendables" quasi zitiert wird, wenn ein Kumpel die Wesley-Snipes-Figur fragt: "Warum wurdest du weggesperrt?" - "Steuerhinterziehung!". Aufgeben? Oder es doch noch einmal rocken zu lassen. Das ist das Grundthema in dieser Ballerorgie, wenn kurz die Waffen schweigen.

Wiederauferstehung?

Wer übrigens auch in "The Expandables" mitmischte, war ein ehemaliger Bodybuilder, Hollywood-Star, ja, eine Ikone, zweimal Gouverneur von Kalifornien, der immer vorwärts schaute. Was sich ja für eine Karriere gut macht: Schwarzenegger.

Aber, nun die Frage vom Anfang: Warum bei Arnold Schwarzenegger von einem Comeback, also einer Wiederauferstehung, reden? Denn er war doch nie weg! Oder? Naja, kein schauspielerischer Karriereknick wie bei Mickey, auch kein juristisches Problem mit den Steuern wie bei Wesley, sondern ein häuslicher Skandal war es, der das öffentliche Bild des "Gouvernators" zum Absturz brachte. Denn da war die Haushälterin im Hause Schwarzenegger/Shriver. Oder um es mit den Worten des Terminators zu sagen: "Sie ist ein gesundes Weibchen im gebärfähigen Alter."

Maria Shriver und Arnld Schwarzenegger. (imago/ZUMA press)Maria Shriver und Arnld Schwarzenegger. (imago/ZUMA press)

Während nämlich Maria Shriver, Mrs. Schwarzenegger, Babies bekam, bekam ebenso die Haushälterin im Hause Schwarzenegger ein Baby. Von ihm. Das sei hier erwähnt, weil nun im Falle S. sich das erste Mal die Frage stellte, ob hier vielleicht doch ein Comeback nötig werden würde.

"I'll be back"

 "I'll be back!" – Tatsächlich? Würde er? Anders: Konnte konnte Maria Shriver, eine geborene Kennedy, wieder vertrauen, verzeihen? - Sie verzieh nicht. 2011 trennte sich das Paar. Ende der Karriere? Rente? Keineswegs bei diesem Stehaufmännchen! Da gab es nämlich zwei Jahre später, 2013, die Zombie-Allegorie "Maggie", in der er die Hauptrolle spielte. Erstmals bescheinigten die Kritiker Arnold Alois Schwarzenegger, dass er hier "schauspielen" würde, richtig, überzeugend, eindrücklich. Wenn das keine echte Wieder-, oder vielleicht, etwas böser formuliert, Neugeburt war. Der Unterschied. Ach, kommen Sie! Irgendwie geht's doch um dieses "wie Phoenix aus der Asche".

Und wie sagte Arnie am Ende des dritten Teils von "The Expendables"? - "Und ich dachte, du wolltest aufhören?" - "Das war gelogen!" - "Gut." - Gut, zumindest solange die alten Knochen noch mitmachen. Danach wäre dann allerdings eine andere Form der Wiederauferstehung angezeigt.

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