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Plus Eins | Beitrag vom 04.11.2020

Serie "Meine perfekte Beerdigung"Dem Tod ins Auge blicken

Von Louise Brown

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Großaufnahme eines mit Blumenranken und anderen Ornamenten verzierten Totenkopfs. (Unsplash / Luke Southern)
Jeder Mensch will leben. Sich mit dem Tod zu beschäftigen, kostet Überwindung. Es kann sich aber lohnen. (Unsplash / Luke Southern)

Über den eigenen Tod denkt niemand gern nach. Unsere Autorin Louise Brown stellt in dieser Serie Menschen vor, die sich beruflich und privat mit dem Tod beschäftigen. Sind sie abgebrühter oder souveräner als andere, wenn es um den eigenen Tod geht?

Bestatter in Fernsehserien oder Pathologen in Krimis – mal sind sie Zyniker, mal mürrisch-verschrobene Einzelgänger. Menschen gehen unterschiedlich mit der Endlichkeit des Lebens und dem Tod um. Auch im echten Leben gibt es viele Berufe, die sich professionell mit dem Tod beschäftigen. Wie denken diese Menschen über ihren eigenen Tod nach? Bereiten sie sich gar darauf vor?

In den Bildern des Pop-Art Künstlers Jim Avignon taucht der Tod immer mal wieder auf: Als ein Typ, der in der Ecke steht und wartet. (Deutschlandradio / Louise Brown)In den Bildern des Pop-Art-Künstlers Jim Avignon taucht der Tod immer mal wieder auf: Als ein Typ, der in der Ecke steht und wartet. (Deutschlandradio / Louise Brown)

Teil 1: Jim Avignon oder der einarmige Bandit

Der Pop-Art-Künstler Jim Avignon aus Berlin erzählt, der Tod tauche immer wieder in seinen bunten, comic-ähnlichen Bildern auf. "Er ist nicht das Schreckliche, Unheimliche, das einen irgendwann holt, sondern mehr so ein Typ, der in der Ecke wartet und einem ab und zu mal zuwinkt und Bescheid gibt, dass er da ist." 

Avignon lebt in Berlin gleich neben einem Friedhof. Gelegentlich geht er mit seiner Tochter nebenan spazieren, und sie malen sich aus, wie ihr Grabstein dann aussehen sollte. Avignon stellt sich seinen Grabstein dann scherzhaft als einen einarmigen Banditen vor, erzählt er. Wenn der Besucher seines Grabes dann den Arm betätigt, geht vorne eine Klappe auf, und er kann sich ein kaltes Bier herausnehmen. "Ich versuche, das auch meiner Tochter zu erklären, wenn ich überraschend sterben sollte, dass ich ein wirklich glückliches Leben gehabt habe und fast nur gute Erfahrungen im Leben gemacht habe", sagt Avignon.

Das Bild zeigt von oben ein Trauertagebuch. Ringsherum liegen verschiedene Bastelutensilien. (Anemone Zeim)Kreative Ideen aus Anemones Trauerwerkstatt sollen trauernden Angehörigen helfen, den Verlust zu verarbeiten. (Anemone Zeim)

Teil 2: Anemones Erinnerungswerkstatt

In Anemones Beruf ist Kreativität gefragt. Zu ihr kommen Menschen, die einen Angehörigen verloren haben. Um den Verlust zu verarbeiten und sich im Alltag an diesen Menschen erinnern zu können, gestaltet Anemone gemeinsam mit den Hinterbliebenen ein Erinnerungsstück, etwas, das im alltäglichen Leben immer präsent sein kann. 

Anemone selbst lebt ihr eigenes Leben viel bewusster, weil sie sich täglich mit dem Tod, dem Sterben und der Endlichkeit des Seins beschäftigt. "Es schenkt dem Leben Sinn, dass du nicht weißt, wann es endet, und du musst diese Zeit füllen", sagt Anemone. Wenn sie eines Tages stirbt, möchte sie in ihrem Hochzeitskleid beerdigt werden, erzählt sie. Das sei das schönste und wertvollste Kleidungsstück, das sie besitze. Und in ihrer Playlist hat sie bereits Songs ausgewählt, die bei ihrer Trauerfeier gespielt werden sollen.

Eric Wrede steht vor einer großen Steinplatte auf dem Domfriedhof in Berlin, wo er mal beerdigt werden möchte. (Louise Brown)Bestatter Eric Wrede hat schon eine Grabstelle für sich und seine Familie im Blick, wo seine Familie wieder vereint sein soll. (Louise Brown)

Teil 3: Laute Musik soll über den Friedhof hallen

Eric Wrede ist Bestatter. Er stammt aus Berlin und möchte auch in Berlin eines Tages beerdigt werden. Auf dem Domfriedhof in Berlin-Mitte hat er sich bereits ein Familiengrab ausgesucht, das Platz für seine ganze Familie bietet, damit irgendwann alle Wredes wieder zusammen sind. Als Bestatter sieht er viele Beerdigungen und hat sich auch über seine eigene Beisetzung Gedanken gemacht.

Viele Freunde sollen da sein, schwebt Wrede vor, und alle sollen richtig traurig sein. "Und ich möchte, dass meine Freunde meinen Sarg tragen. Ich möchte, dass sie schwitzen wenn sie die 300 Kilo über den Friedhof tragen, weil ich natürlich einen sehr schweren Sarg haben werde", sagt er und lacht. "Aber am Ende soll es bitte ein großes Gelage geben." Und als ehemaliger Musikmanager wünscht er sich, dass laute Musik über den Friedhof hallt.

Zoë Beck sitzt auf einer roten Parkbank. Hinter ihr ist Rasen. (Louise Brown)Der Waldfriedhof Zehlendorf ist Zoë Becks Lieblingsfriedhof, weil die die Ruhe dort genießt und es nach Wald duftet. (Louise Brown)

Teil 4: "Ich möchte, dass die Leute Spaß haben"

Als Schriftstellerin hat Zoë Beck eine blühende Fantasie. Das kann in Bezug auf die Vorstellung, dass der eigene Körper eines Tages unter der Erde liegt, auch von Nachteil sein. Daher wünsche sie sich eine Feuerbestattung, sagt Beck. Ihr Lieblingsfriedhof in Berlin ist der Zehlendorfer Waldfriedhof. Dort genieße sie die Ruhe und den Duft des Waldes und möchte dort eines Tages in einer Urne beigesetzt werden.

Genaue Vorstellungen von ihrer Beerdigung habe sie noch nicht, erzählt sie, aber Rufus Wainwrights Stück "Poses" solle dort auf jeden Fall gespielt werden. "Ich möchte, dass die Leute Spaß haben", sagt sie, "also bitte nicht dort stehen und weinen." Bei den schönsten Beerdigungen habe man sich anschließend noch zusammengesetzt und irgendwann stand dann doch der Whiskey auf dem Tisch.

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