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Tonart | Beitrag vom 11.02.2021

Sergio Mendes wird 80Leise Groovyness als Sound der Freiheit

Von Goetz Steeger

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Der Musiker Sergio Mendes wirft Küsse ins Publikum. Die Aufnahme entstand im Juli 2016 in Castello di Amorosa in Calistoga in Kalifornien. (picture alliance / AP Photo | Eric Risberg)
Mit dem Bossa Nova in seiner leisen Groovyness schufen Sergio Mendes und seine Mitstreiter die musikalische Entsprechung eines neuen, freiheitlichen, brasilianischen Lebensgefühls. (picture alliance / AP Photo | Eric Risberg)

In 60er Jahren eroberte der Bossa Nova die westlichen Metropolen. Betont leiser Gesang zu teilweise erstaunlich komplexen Harmonie-Folgen. Vor allem Sergio Mendes & Brasil 66 exportierten mit diesen Sounds das Lebensgefühl des modernen Brasilien in die Welt.

Ein cooles Latin-Soul-Jazz-Klavierriff - das ist die Intro von "Mas Que Nada", eigentlich aus der Feder von Jorge Ben Jor. In der Version von Sérgio Mendes & Brazil 66 wurde das einer der größten Hits des Jahres 1966.

Gerade war er bei der Plattenfirma von Easy Listening Koryphäe Herb Alpert unter Vertrag genommen worden und lebte ab sofort in den USA.

Seine Heimat Brasilien war noch vom Militärputsch 1964 geschüttelt. Als der stattfand war Sérgio Mendes auf Tournee in Europa und Japan und vermutlich gut beraten, nicht zurückzukehren.

Brasilianisches Lebensgefühl 

Schon während seines klassischen Studiums gehörte er zum engeren Kreis einer Szene von Musikern, die mit Bossa Nova in seiner leisen Groovyness die musikalische Entsprechung eines neuen, freiheitlichen, brasilianischen Lebensgefühls kreierten.

Sérgio Mendes war eines der großen Talente dieser Szene. Nach ein paar Tourneen und dem großen Hit war er ein Pop-Star.

Pop-Songs im Easy Listening-Bossa Sound

Die Idee seiner Band Brazil 66 war es, bekannte Pop-Songs im Easy-Listening-Bossa Sound zu präsentieren. "The Fool on the Hill" etwa von John Lennon und Paul McCartney, apart arrangiert mit typischer Latin Percussion: Shaker, Congas, Sidestick-Drumakzente.

Sergio Mendes' Piano ist jazzig bewegt, der komplette Vers ist abweichend vom Original im Sechs-Achtel-Takt gehalten.

Das Metrum wechselt im Refrain, hier sind es vier Viertel. Interessant gesetzt sind hier Flöten und Brass, deren Phrasen sich wie in einem Schlagabtausch abwechseln.

In den 70ern passte er den Sound an

In den 70ern dann passte er den Sound an die aktuellen Strömungen des Rock an. Brazil 77, hieß es jetzt. Gespielt wurden auch Songs von Santana, verzerrte E-Gitarren mit Wah-Wah gehörten zum Sound. Optisch blieb das Ganze eher eine Gala-Band mit einheitlichen Mini-Röcken und Blümchenhemden.

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