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Thema / Archiv | Beitrag vom 09.04.2008

Sensibles Ökosystem

Die Ausstellung "Abgetaucht" zeigt Korallenriffe als Lebenswelten

Von Vanja Budde

Blick auf ein Korallenriff in der Nähe der karibischen Insel Bonaire (AP Archiv)
Blick auf ein Korallenriff in der Nähe der karibischen Insel Bonaire (AP Archiv)

Korallenriffe sind sensible ökologische Frühwarnsysteme und als Wellenbrecher sehr wichtig für den Küstenschutz. Die "Regenwälder der Meere" dienen als globales Reservoir der Artenvielfalt, als Kinderstube für Millionen Speisefische, als Ziel für Schnorchel- und Tauchtouristen. Doch die filigranen Gebilde sind bedroht: Ein Fünftel aller Riffe der Weltmeere ist bereits zerstört. 2008 ist darum das "Internationale Jahr des Riffes". Das Naturkundemuseum Berlin ermöglicht nun mit der Ausstellung "Abgetaucht" einen Einblick in diesen faszinierenden Lebensraum.

Korallenriffe sind wunderschön: Sie leuchten in allen Regenbogenfarben, Anemonen wiegen sich in der Strömung, bunte Fische schwänzeln um Schwämme herum, knallrote Seesterne kriechen umher. Riffe sind die Lebensgemeinschaften sehr, sehr vieler kleiner Polypen, die Kalk absondern und so die Großstädte der Meere bauen. Sie sind sehr empfindlich, angewiesen auf sauberes Wasser und möglichst nicht zu stark schwankende Temperaturen. Riffe sind darum weit mehr, als nur hübsch anzuschauen:

"Dass Andere ist, dass Riffe so eine Art Monitorsystem quasi sind. Die zeigen an, wenn sich in der Umwelt was verändert."

Sagt Uwe Moldrzyk, Abteilungsleiter im Naturkundemuseum Berlin. Er hat die Ausstellung "Abgetaucht" in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern konzipiert.

"Es wird wärmer, der CO2-Eintrag steigt oder sinkt: das kann man an den Riffen ablesen und letzten Endes zeigen die an, dass auch für uns sich die Umwelt verändert. Und deswegen sind Riffe ein extrem wichtiger Lebensraum."

An den Wänden und als Raumteiler im Ausstellungssaal hängen große Stoffbahnen, bedruckt mit Fotos, die die Wasseroberfläche von unten zeigen, aus der Sicht einer Koralle quasi. Lichteffekte wandern im Wellentakt über Exponate, Schaukästen und Vitrinen: Sie verstärken das Gefühl, unter Wasser zu sein.

Das Naturkundemuseum ist kein Aquarium. Die Schau zeigt Bohrkerne aus Korallenkalk, Unterwasser-Roboter, das Skelett eines Papageienfisches, fossile Riffe im Harz und in den Alpen. Für Genießer gibt es eine abgefilmte Fahrt durchs Riff mit dem Glasbodenboot, durch eine Taucherbrille zu betrachten. In modernen Lesekästen können Besucher Internet-Links anklicken, sich über die Bedeutung dieser hoch komplexen Biosysteme informieren. In der Abteilung "Blaue Apotheke" zum Beispiel:

Uwe Moldrzyk: "Ganz viele Wirkstoffe stecken in dem Lebensraum Riff. So gibt's zum Beispiel eine Kegelschnecke, aus der wurde ein Wirkstoff synthetisiert, also ihr Gift, das ist hoch wirksam gegen Schmerzen. das ist auch tatsächlich auf dem Markt. Aus verschiedenen Schwämmen werden Wirkstoffe für Aidsmedikamente oder Leukämiemedikamente hergestellt. Und vieles von dem, was es dort gibt, wissen wir noch gar nicht, weil der Lebensraum noch gar nicht komplett erfasst ist und trotzdem schon kurz vorm Niedergang steht."

Service:
Die Ausstellung "Abgetaucht" ist vom 9. April bis zum 30. September im Naturkundemuseum Berlin zu sehen. Die Sonderausstellung zum Internationalen Jahr des Riffes 2008 wird begleitet von einer Vortragsreihe über Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Riffe.

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