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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.03.2017

Sensationsfund in KairoForscher entdecken Großstatue von Ramses II.

Von Cornelia Wegerhoff

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Ägyptische Grabungsarbeiter haben den tonnenschweren Kopf der Statue von Pharao Ramses in Kairo aus der Tiefe geholt. (Foto: Cornelia Wegerhoff)
Ägyptische Grabungsarbeiter haben den tonnenschweren Kopf der Statue von Pharao Ramses in Kairo aus der Tiefe geholt. (Foto: Cornelia Wegerhoff)

Mitten in einem Kairoer Wohngebiet haben Forscher tonnenschwere Fragmente einer Ramses-Statue gefunden. Unsere Korrespondentin Cornelia Wegerhoff war dabei, als der Kopf gehoben wurde. Die Aufregung war groß, als das ägyptisch-deutsche Team den Koloss aus der Erde hob.

Die Aufregung war groß rund um das Grabungsloch. Ägyptische Kamerateams und Fotografen drängten sich immer wieder viel zu nah am matschigen Abgrund. Und auch etliche Anwohner aus dem direkt umliegenden Wohngebiet des Kairoer Stadtteils Matareya standen mit ihren Handys bereit, um zu dokumentieren, wie es dem Pharao an den Kragen ging.

Mit dem Bagger, der kurz zuvor noch das immer wieder einströmende Grundwasser aus der Grube geschaufelt hatte, sollte nun der tonnenschwere Kopf der Kolossalstatue aus der Tiefe geholt werden. Die ägyptischen Grabungsarbeiter rafften ihre orientalischen Gewänder hoch,  stiegen ins knietiefe Wasser und hielten Kanthölzer parat, um das kostbare Fundstück vorsichtig in die passende Lage zu schieben. Unruhig stand Dietrich Raue vom Ägyptischen Museum der Universität Leipzig daneben. Er ist einer der beiden Leiter des ägyptisch-deutschen Grabungsteams.

Dietrich Raue: "Wir sind zwei Meter unter dem Wasserspiegel. Es gibt keine Möglichkeit, dass jetzt ohne Bagger rauszuholen. Und klar, wir haben einen super Baggerfahrer. Abu Abdel Rahman ist einfach toll. Aber es ist auch toll, wenn es vorbei ist."

Denn was drei Jahrtausende überdauert hatte und nun mit viel Glück am Dienstag wieder ans Tageslicht gekommen war, sollte auf keinen Fall einen Kratzer abbekommen.

Die Qualität der Statue, der künstlerischen Arbeit ist extrem hoch, schwärmte der  ägyptische Grabungsleiter Ayman Ashmawy. Nicht nur ihre Größe von insgesamt acht Metern ist mit den berühmten Ramsus-Statuen in den Tempeln von Karnak und Luxor vergleichbar. Wir sind wirklich stolz auf diesen Fund, so der Ägyptologe.

Baggerfahrer beweist ruhiges Händchen

Unter den Zurufen der Zuschauer bewies der Baggerfahrer ein ruhiges Händchen und hob den Pharaonenkopf aus hellbraunem Quarzit schließlich wie geplant auf sicheren Grund. Die beiden Grabungsleiter konnten aufatmen. Mit ein paar Eimern frischem Wasser und einer Wurzelbürste wurde Ramses II. dann erst mal ordentlich der steinerne Kopf gewaschen. Mit einem Pinsel wurde selbst das eine gut erhaltene Ohr vom Dreck befreit. Es ist allein über 30 Zentimeter lang. Teil eins der spektakulären Bergungsaktion ist also gelungen.

Grabungsarbeiter in der Grube, in der die Statue von Pharao Ramses gefunden wurd (Cornelia Wegerhoff)Grabungsarbeiter in der Grube, in der die Statue von Pharao Ramses gefunden wurde (Cornelia Wegerhoff)

Für die Pharaonenkrone und den Torso, der zwischen Kinn und Bauchnabel vier Meter lang ist, soll nächste Woche ein Kranwagen kommen. Tarek El Awady, ägyptisch-deutscher Generaldirektor des Grand Egyptian Museums, das derzeit gleich neben den Pyramiden fertiggestellt wird, fackelte aber nicht lange. Noch neben dem Bagger stehend sicherte er sich das Recht, den kolossalen Schatz in seine Sammlung aufzunehmen.

Tarek El Awady: "Es ist eine sehr schöne kolossale Statue. Und im Grand Egyptian Museum soll die Gegend von Matareya, das ehemalige Heliopolis, gewürdigt werden. Und so ein großes Objekt zeigt, wie groß diese alte Hauptstadt Ägyptens war. Deshalb wird es ein sehr schönes Schaustück für das Ägyptische Museum. Das haben wir auch schon gesichert. Da bin ich mir auch mit dem Minister schon einig."

Khaled El Anany, Ägyptens Minister für Altertümer, beobachtete die Bergungsaktion unterdessen mit sehr ernster Miene. Der viele Müll im Grabungsgelände, die größtenteils illegale Bebauung in der Nachbarschaft seien ein schwerwiegendes Problem:

Khaled El Anany: "Leider stehen hier sehr viele Häuser, direkt einen Meter neben der Grabungsfläche, so der Minister. Wir müssen hier sehr vorsichtig vorgehen. Aber die Probleme in Matareya sind wie die in allen anderen Städten, die auf den Fundamenten antiker Orte errichtet wurden. Die Leute bauen und bauen. Und gleichzeitig liest man alle paar Tage, dass ein  Haus einstürzt, weil jemand vom Keller aus nach Altertümern gegraben hat."

Armut überschattet den Glanz der alten Schätze

Die Armut vieler Menschen im modernen Ägypten überschattet den Glanz der alten Schätze… Dabei lag unter dem Schutt Matareyas nach der Vorstellung der alten Ägypter mit dem alten Heliopolis sogar der Platz der Schöpfung, wie Dietrich Raue in ruhigerer Umgebung erklärte:

Raue: "Es ist ein Ort, an dem Kultur Kult wird, wo die Sonne verehrt wird. Also man muss sich das so vorstellen: Am Anfang gibt´s nichts, nur so eine wüste Ur-Suppe. Und dann entsteht ein Ur-Hügel und auf dem Ur-Hügel sitzt der Sonnengott mit dem ersten Sonnenaufgang. Das ist quasi der Urknall. Wir haben einen belgischen Kollegen von der Universität Gent, Morgan De Dapper, der hat uns in Bohrungen diesen Ur-Hügel zeigen können. Der ist unter dem Tempelgrund, gibt es diese Sandformationen, auf der die alten Ägypter dachten, dass die Welt erschaffen wurde."

Pharao Ramses II. errichtete auf diesem Urhügel riesige Tempelanlagen. aber schuf mit der riesigen Statue eben auch sich selbst ein Denkmal. Für Dietrich Raue und seine Kollegen kam der kolossale Fund an diesem Ort jedoch überraschend. Eigentlich sollte Baggerfahrer Abu Abdel Rahman einen Graben ziehen, als es plötzlich ein ungewöhnliches Geräusch gab:

Raue: "Es macht so ein sattes 'Bumm'. Und wenn es so ein sattes 'Bumm' macht, dann sollte man vorsichtig werden. Und die Arbeiter sind runter und haben angefangen das sauber zu machen. Und da sehen wir den Bart, zum Bart dann auch noch den Oberkörper. Und auf einmal war klar, dass das ein Koloss ist, der da unten liegt. Am Anfang glaubt man's nicht. Und man hat die ganze Zeit im Kopf, ok, das darf jetzt wirklich nicht schief gehen. Man ahnt, dass man das nicht noch mal kriegt."


In der Sendung "Studio 9" haben wir en Archäologen Dietrich Raue interviewt, der bei der Ausgrabung vor Ort war:

 

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