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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 08.02.2020

Senioren-WG, 50plus-Projekt, MehrgenerationenhausWie wollen wir im Alter wohnen?

Birgit Kasper und Gisela Punke im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Ein Wandbild an einer Hausfassade in Bremen zeigt ein altes Ehepaar beim Blick aus dem Fenster auf den Rembertikreisel. (imago images / Eckhard Stengel)
Den Blick zurück werfen die Senioren im Wandbild von Peter K. F. Krüger von 1976. Heute planen Senioren aktiv ihre Zukunft (imago images / Eckhard Stengel)

Die Babyboomer kommen in die Jahre, 2030 wird jeder Vierte über 65 sein. Und viele machen sich Gedanken, wie sie dann wohnen wollen. Die meisten sagen: Heim – nein danke! Welche Möglichkeiten, welche Projekte gibt es? Diskutieren Sie mit!

Für viele der heute 50- oder 60-Jährigen ist klar: Ich will später nicht in ein Pflegeheim. Nur wo wollen die Babyboomer von heute im Alter wohnen – und wie? Die meisten verdrängen diese Fragen oder träumen mit Freunden von gemeinsamen Wohnprojekten – doch warten wahrscheinlich zu lang, um eine Entscheidung zu treffen.

"Ich habe gesehen, wie man vereinsamen kann, wenn der Partner stirbt. Und da habe ich beschlossen: So will ich es nicht", sagt Gisela Punke. Die 67-Jährige lebt seit acht Jahren mit ihrem Mann in dem Wohnprojekt "GaGa" in Stade. Das Kürzel steht für "Ganz anders Gemeinsam altern". Die Punkes gehören zu den Initiatoren des Hauses: Es gibt 15 Wohnungen, die 20 Bewohnerinnen und Bewohner sind zwischen 54 und 84 Jahre alt – vier Männer, 16 Frauen. Alle leben autark, es gibt einen Gemeinschaftraum und gemeinsame Aktivitäten, von der Doppelkopfrunde bis hin zum Café.

Mit Ende 50 einzuziehen sei genau die richtige Entscheidung gewesen, so Gisela Punke. Man müsse noch die Offenheit besitzen, sich auf diese Art des Zusammenlebens einzustellen. "Ich muss Lust auf Gemeinschaft haben, Lust auf die Gruppe. Und ich muss Konflikte in der Gruppe aushalten – das ist wie in einer Familie." Aber man gewinne auch viel: "Das Gefühl, in einer Gemeinschaft aufgefangen zu werden, dass ich nicht anonym in meinem Haus, in meiner Wohnung bin, dass die anderen sehen, wenn es mir schlecht geht. Ich kann jederzeit und bei jedem nachts klingeln und sagen: Ich brauche Hilfe."

Eine andere Art von Nachbarschaft

"Man sollte seine eigene Haltung prüfen", rät Birgit Kasper. Die Stadtplanerin leitet das Beratungs- und Koordinierungsbüro beim Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen e.V., sie ist zudem Vorstandsmitglied im bundesweiten Forum Gemeinschaftliches Wohnen e.V.. Beide Vereine beraten Interessierte und informieren über die unterschiedlichen neuen Wohnformen: "Es gibt kleinere Projekte, wo sich 50 Menschen zusammentun, es gibt generationsübergreifende Projekte am Stadtrand mit viel Grün, es gibt Varianten mit viel Privatheit. Andere überlegen neue Grundrissprojekte zwischen WG und Privatheit, sie teilen Autos, Werkstatt, Lastenfahrräder. Das Wichtigste ist: eine eigene Haltung dazu zu finden, Leute, die passen – und die passende Rechtsform." Will man eine Art Bauherrenprinzip realisieren oder eine Kooperation mit einer Genossenschaft eingehen? Sucht man ein Haus mit einer Betreuungsmöglichkeit oder eine Senioren-WG? All diese Fragen beantwortet Birgit Kasper gern auch in der Sendung.

Wie wollen wir im Alter wohnen?
Darüber diskutiert Vladimir Balzer am Samstag, den 8.2. von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Birgit Kasper und Gisela Punke. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 sowie per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.

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