Seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Samstag, 18.08.2018
 
Seit 00:05 Uhr Lange Nacht

Interview | Beitrag vom 31.07.2018

Selbstironie in der PsychotherapieÄngste überwinden mit Humor

Barbara Wild im Gespräch mit Dieter Kassel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Eine fröhliche junge Frau sitzt in einem Zug und schaut aus dem Fenster auf den vorbeiziehenden Bahnhof. In der Scheibe spiegelt sich ihr lachendes Gesicht.   (imago/Westend61)
Lachen kann befreiend wirken. (imago/Westend61)

Humor kann dabei helfen, Ängste zu überwinden, sagt die Psychiaterin Barbara Wild über ihre Erfahrung in der Praxis. Er sei kein Allheilmittel, könne aber dafür sorgen, dass ein Klient etwas Distanz zu seinen Problemen gewinnt.

Die Psychiaterin und Therapeutin Barbara Wild setzt in der Arbeit mit Patienten auf Humor. Sie versuche aber nicht etwa, ihren Klienten einen Witz zu erzählen, damit es ihnen besser gehe, sagte sie im Deutschlandfunk Kultur. Stattdessen versuche sie, den Humor wieder zu wecken, denn er helfe Menschen dabei, Problemen und Ängsten mit etwas Distanz zu begegnen. Es gehe darum, als Therapeutin eine gewisse Selbstironie zu unterstützen und da einzuhaken. 

Lächeln gegen die Hundephobie

Wild erzählte von einer Frau, die mit ihrem Therapeuten über ihre Hundephobie gesprochen habe. Sie habe das Gefühl gehabt, dass alle Hunde sie anbellten, um ihr Angst zu machen. Deshalb habe die Frau bestimmte Gegenden mit vielen Hunden sogar gemieden. "Es wäre doch schade, wenn ich ihnen die Angst nehmen würde", habe der Hypnotherapeut gescherzt. Die Hunde zögen doch ihr Selbstwertgefühl daraus, dass Menschen beim Anbellen einen Schrecken bekämen. "Dann hat sie immer lächeln müssen, wenn sie ein Hund angebellt hat", sagte Wild über diese humorvolle Annäherung an das Problem.

Wie eine neue Software-Version

"Es hilft schon etwas, wenn man schafft, einen anderen Standpunkt zu finden", sagte Wild. Bei der Psychotherapie gehe es immer darum, sich von seinen negativen Gefühlen etwas zu distanzieren. Mit Humor alleine komme man da nicht durch, sagte die Therapeutin. Aber es helfe, Dinge damit zu betrachten. Er könne manchmal wie eine neue Software-Version wirken.

(gem/abr)

Interview

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur