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Interview | Beitrag vom 31.12.2020

Sehnsucht nach Leben ohne CoronaAuch 2021 wird kein Jahr der geraden Wege

Alexandra Freund im Gespräch mit Ute Welty

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Blick aus der Vogelperspektive auf eine Serpentinenstraße in verschneiter Landschaft. (Getty Images / Matteo Zanvettor)
Sich neue Ziele für das Jahr 2021 zu setzen, kann helfen, sagt die Psychologin Alexandra Freund. Doch auch für eventuelle Rückschläge müsse man sich wappnen. (Getty Images / Matteo Zanvettor)

In der Silvesternacht bewegt die meisten wohl vor allem ein Gedanke: "Tschüss, Corona!" Doch die Rückkehr des Normalen liege noch in weiter Ferne, sagt die Psychologin Alexandra Freund. Dennoch tue es gut, sich für 2021 Ziele zu setzen.

2021 – das wünschen sich wohl alle – soll ein besseres Jahr werden. Viele werden in der Silvesternacht statt der berühmten guten Vorsätze vielleicht im Geiste eine Liste all der Dinge anfertigen, die sie 2021 endlich wieder tun möchten: Freundinnen und Freunde umarmen, ohne Einschränkungen reisen, ins Theater gehen, sorglos große Feste feiern …

Einiges davon sind Wünsche, anderes einfach Sehnsüchte, und hier und da sind es auch konkrete Ziele. Ist es realistisch, sich jetzt schon an so etwas zu klammern – und was macht das mit uns, wenn 2021 keiner dieser Wünsche erfüllt, keines der Ziele erreicht werden kann?

Wunsch nicht gleich Sehnsucht, nicht gleich Ziel

Zunächst einmal müsse klar unterschieden werden zwischen Wunsch, Sehnsucht und Ziel, sagt Alexandra Freund, Psychologin an der Universität Zürich. Gehe ein Wunsch nicht in Erfüllung, mache uns das "eher traurig als frustriert", während nicht erreichte Ziele sehr wohl zu Frustration führen könnten.

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Sehnsucht wiederum sei etwas anderes als ein Wunsch, so die Psychologin. Während man diesen konkret an etwas oder jemanden richten könne – ans Universum oder auch an Personen – stehe hinter Sehnsüchten "ein schmerzliches Verlangen" nach etwas, von dem man glaube: "Das macht mein Leben perfekt und komplett." 

Das lasse sich aber sehr wohl in ein konkretes Ziel überführen – etwa die ferne Familie endlich wieder zu besuchen. Oder eine Reise zu buchen – "immer mit der Frustration vor Augen, dass das Ziel nicht erreicht wird, weil die Reise wieder platzt. Das kann vielleicht gar nicht so schlimm sein. Denn die Beschäftigung damit, dass wir irgendwohin reisen, könnte uns guttun", erläutert Freund. "Aber: Wenn die Reise zehnmal platzt, ist das nicht so gut, denn das kann dann wahrscheinlich zu tiefer greifender Frustration bis hin zur Depression führen."

Glücklich sind die Optimisten

Glücklich ist, wer auch 2021, das vermutlich weniger ein Jahr der geraden Wege als der Serpentinen wird, ein Optimist bleibt. Denn: Der Spruch "Wer weiß, wozu es gut ist" helfe zumindest sehr dabei, nicht erfüllbare Wünsche oder nicht erreichte Ziele zu verarbeiten, sagt die Psychologin.

Die größte Gefahr für uns alle sei es auf jeden Fall, zu denken: "Jetzt kommt die Impfung, jetzt wird alles gut." Normalität dürfe man auch von 2021 nicht erwarten.

(mkn)

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