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Studio 9 | Beitrag vom 14.10.2019

Seehofer und die Gaming-SzeneEin Sieg für den Täter von Halle

Ein Kommentar von Dennis Kogel

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Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde. (picture-alliance / dpa  /Hendrik Schmidt)
Nach dem Anschlag von Halle traf sich Bundesinnenminister Seehofer mit Vertretern der jüdischen Gemeinde. (picture-alliance / dpa /Hendrik Schmidt)

Horst Seehofer will nach dem Anschlag von Halle "die Gamer-Szene stärker in den Blick nehmen". Der Bundesinnenminister hat damit eine Kontroverse ausgelöst – die falsche, meint unser Kommentator. Denn Spiele seien nicht die Ursache für die Morde.

Über die Gaming-Szenen-Debatte empfinde ich als Teil einer jüdischen Flüchtlingsfamilie aus Russland und als Journalist, der sich seit Jahren mit Videospielen, ihren Machern und ihren Spielern beschäftigt, Wut und Scham. Diese Debatte ist auf beiden Seiten pietätlos, deplatziert und weitestgehend sinnlos.

Wenige Tage nach einem antisemitischen, rechtsextremen Anschlag – bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren und zwei weitere schwer verletzt wurden, einem Anschlag, der einem klaren Muster rechtsextremer Anschläge folgt wie im neuseeländischen Christchurch oder El Paso, Texas, einem Anschlag verübt von einem jungen Mann, der in der Bundeswehr an der Waffe ausgebildet wurde, der Berichten zufolge einsam, unglücklich und rechtsextrem war  sprechen wir in Deutschland über Videospiele.

Die Medien sind auf den Hack hereingefallen

Weil er in dem Pamphlet, in dem er seine Taten erklärt und andere Täter inspirieren will, Videospiele referenziert. Von Morden als wie im Spiel freischaltbaren Errungenschaften schreibt und die Tat in einem Livestream auf der Gaming-Plattform Twitch dokumentierte. Das alles gehört nicht nur zur Sprache und den Codes Millionen junger Menschen, es ist auch ein Medien-Hack. Eine Methode, die der Täter von Christchurch benutzte, um maximale Medienaufmerksamkeit zu generieren. Um auch sinnlose, ablenkende Debatten über Videospiele anzustoßen. Der Täter von Christchurch scheiterte. Der Täter von Halle hatte Erfolg.

Denn nicht das Netz fiel auf den Hack rein, sondern wir Medien: "Er plante seine Taten wie Computerspiele", titelte "Die Zeit" am vergangenen Donnerstag. "Ego-Shooter prägten ihn", er käme aus der rechtsextremen Gaming-Szene, hieß es im Artikel über den Täter von Halle im "Spiegel". Journalismus, der Wirkung zeigt, wie die Forderungen von Horst Seehofer nach Überwachung der Gaming-Szene jetzt zeigen.

Nicht das Wesentliche überschatten

Mit dieser Debatte begehen wir einen Fehler, wir verwechseln Korrelation und Kausalität. War der Täter von Halle ein Gamer? Vielleicht. Hat das was mit seinen Morden zu tun? Unwahrscheinlich.

Zugegeben: Auch in Gaming-Communities gibt es Probleme. Es gibt Hetze und Hass, es gibt Antifeministen, es gibt Rechtsextreme und Rassisten. Und es gibt die, die diese Menschen für ihre politischen Zwecke gewinnen wollen und aktiv in diesen Communities um sie werben. Donald Trumps ehemalige rechte Hand, Steve Bannon, gehörte schon vor Jahren dazu. Doch all das kann und darf nicht die jetzt wesentlichen Themen überschatten:

Antisemitismus in Deutschland, die Verbreitung rechtsextremen Gedankenguts, die Auswirkungen von Einsamkeit, toxische Männlichkeit und Zugang zu Psychotherapie – das sind die Themen – und nicht Videospiele.

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