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Kompressor | Beitrag vom 25.02.2020

"Schweinchen" von Mark Benecke und Jörg ButtgereitEin Film über Tod, Verwesung und neues Leben

Moderation: Jana Münkel

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Fliegen auf einem verwesenden Schwein in Nahaufnahme, Filmstill aus "Schweinchen", ein Kurzfilm von Dr. Mark Benecke und Jörg Buttgereit. (Jörg Buttgereit)
Fliegen auf einem verwesenden Schwein - eine Szene aus dem Film "Schweinchen". Die Fliegen mussten später Nachvertont werden, verriet der Regisseur. (Jörg Buttgereit)

Der Kurzfilm "Schweinchen" zeigt den Verwesungsprozess eines Lebewesens. Der Film behandele die universelle Frage des Todes, sagt Kriminalbiologe Mark Benecke. Manch ein Zuschauer muss eventuell seinen Ekel überwinden.

Die Geheimnisse des Todes beschäftigen die Menschheit seit jeher. Regisseur Jörg Buttgereit versucht mit seinem Film "Schweinchen", diesen Geheimnissen auf die Schliche zu kommen - und das ganz wissenschaftlich. Gemeinsam mit dem Kriminalbiologen Mark Benecke hat er einen Kurzfilm über Verwesungsprozesse gedreht.

Dabei war Buttgereit froh, nicht immer bei den Dreharbeiten vor Ort sein zu müssen: "Dass wir ein Film darüber machen, macht mich nicht immun dagegen." Denn wenn Benecke Studentinnen den Verwesungsprozess erklärt und diese den Geruch beschreiben, kann einem durchaus ein Ekelgefühl beschleichen.

Der ewige Fluss des Lebens

"Das ist ein ewiger Kreislauf und den finde ich auch nicht eklig", sagt dagegen Benecke. "Wir sind alle nur ein Bestandteil von einem flüchtigen Vorgang. Keiner lebt ewig und wir lösen uns wieder in die Bestandteile auf, aus denen wir kommen."

Der Film zeige, dass Leben und Tod zusammengehöre: "Das ist der große Gewinn an dem Film, wenn man sich dem aussetzt, dass man sieht, wie viel Leben aus Tod entsteht. Man hat danach eine etwas versöhnlicher Haltung zum Tod", so Regisseur Buttgereit.

Jugendliche stehen um verwesende Schweine in der Pathologie herum, Filmstill aus "Schweinchen", ein Kurzfilm von Dr. Mark Benecke und Jörg Buttgereit. (Jörg Buttgereit)Szene aus dem Kurzfilm "Schweinchen", die gezeigten Tiere im Film sind auf natürliche Weise verstorben. (Jörg Buttgereit)

Fliegen und Maden mussten übrigens nachvertont werden, verrät Buttgereit: "Ich habe mich bei dem Film dann als künstlerischer Leiter bezeichnet, weil die Maden nicht auf meine Regieanweisungen gehört haben."

Der Film sei vor allem aus Neugierde entstanden, betonen die Filmemacher. Ein kommerzielles Interesse bestehe nicht. "Schweinchen" feiert Premiere am 25. Februar im Berliner Kino Babylon.

(nho)

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