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Interview | Beitrag vom 10.03.2019

Schweigeminute beim HeimspielChemnitz-Fans gedenken eines Rechtsextremisten

Bastian Brandau im Gespräch mit Marianne Allweiss

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Zum Gedenken an den verstorbenen rechtsextremen Hooligan Thomas Haller wird im Stadion des Chemnitzer FC vor dem Spiel gegen VSG Altglienicke die Fahne gesenkt. (imago / HärtelPRESS)
Zum Gedenken an den verstorbenen rechtsextremen Hooligan Thomas Haller wird im Stadion des Chemnitzer FC vor dem Spiel gegen VSG Altglienicke die Fahne gesenkt. (imago / HärtelPRESS)

Schweigeminute und Pyro-Show für den verstorbenen Hooligan und Rechtsextremen Thomas Haller: Nach einer umstrittenen Gedenkaktion im Rahmen eines Fußballspiels des Chemnitzer FC steht die Stadt Chemnitz erneut überregional im Fokus.

"Wieder geht es um Rechtsextremismus, Rassismus, Neonazis", sagt unser Sachsen-Korrespondent Bastian Brandau über die jüngsten Ereignisse in Chemnitz. Denn der verstorbene Thomas Haller, dessen vor dem Viertliga-Spiel gegen Altglienicke im Stadion gedacht wurde, sei eine "prägende, stadtbekannte Figur der 1990er- und 2000er-Jahre in der Chemnitzer Hooligan- und Neonazi-Szene" gewesen, sagt Brandau. "Er war Gründer und ja auch Chef der Gruppierung mit dem Namen 'Hooligans, Nazis, Rassisten', abgekürzt HooNaRa. Dazu hat er sich selbst später bekannt." Mitglieder dieser Gruppierung seien unter anderem am Mord an einem Punk 1999 beteiligt gewesen. "Und HooNaRa hat auch Verbindungen zum Beispiel zum Terrornetzwerk des NSU."

Die Gruppe habe sich offiziell inzwischen zwar aufgelöst, sagt unser Korrespondent: "Aber Haller selbst war weiter präsent, und er hat zum Beispiel in einem späteren Interview mal gesagt: Uns als Gruppierung gibt es zwar nicht mehr. Aber wenn wir wollen, sind wir in einer halben Stunde wieder da."

Die Beziehung Hallers zum Chemnitzer FC war offenbar auch beruflicher Natur: "Er war Unternehmer, Security-Unternehmer, und er war bis 2006 mit seinem Security-Dienst auch für die Sicherheit im Stadion verantwortlich. Dann kam es zu einer Trennung."

"Keine offizielle Trauerbekundung", sagt der Verein

Der Chemnitzer FC hat die umstrittene Beileidsbekundung inzwischen als keine offizielle Trauerbekundung bezeichnet. Vielmher habe man "im Rahmen des Ablaufs des Stadionprogramms den CFC-Fans und Hinterbliebenen die Möglichkeit der gemeinsamen Trauer" eingeräumt, heißt es in einer Presseerklärung auf der Internetseite des Clubs. Und: "Die Ermöglichung der gemeinsamen Trauer stellt keine Würdigung des Lebensinhalts des Verstorbenen dar."

Gegen diese Interpretation gebe es allerdings starken Widerspruch, sagt Bastian Brandau. Etwa von der SPD: "Der Bundestagsabgeordnete der SPD aus Chemnitz, Detlef Müller, hat gesagt: So eine öffentliche Trauerbekundung – bei aller verständlichen persönlichen Trauer, so eine öffentliche Trauerbekundigung, das sei eben auch ein Statement." Damit reiße der CFC vieles wieder ein, was er sich nach den Ereignissen im August 2018 aufgebaut habe, als er sich wiederholt gegen Rechtsextremismus ausgesprochen habe.  

Disziplinarische Maßnahmen ergriff der Chemnitzer FC hingegen gegen den Spieler Daniel Frahn. Dieser hatte beim Torjubel ein schwarzes T-Shirt "Support your local Hools" in die Höhe gehalten. Auf seiner Internetseite teilte der Verein am Sonntagmittag mit, Daniel Frahn sei mit einer Geldstrafe belegt worden. Der Erklärung zufolge entschuldigte sich der Stürmer für seine Aktion und betonte, er sei weit davon entfernt, das politische Gedankengut Thomas Hallers zu teilen. Dass das T-Shirt so tief in der Nazi-Szene verbreitet gewesen sei, sei ihm nicht bewusst gewesen.

(uko)

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