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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.08.2020

Schulöffnung in Mecklenburg-VorpommernZurück in den Frontalunterricht

Udo Beckmann im Gespräch mit Nicole Dittmer

Schüler in Schwerin gehen am ersten Schultag nach den Sommerferien zurück in die Schule. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)
In Schwerin kehren Schüler nach den Sommerferien in Klassengruppen zurück in den Unterricht. Lehrervertreter Udo Beckmann schlägt vor, von Bundesland zu Bundesland zu differenzieren. (picture alliance / dpa / Jens Büttner)

In Mecklenburg-Vorpommern öffnen die Schulen wieder. Regional abgestimmte Corona-Maßnahmen seien jetzt entscheidend, sagt der Bildungsgewerkschafter Udo Beckmann. Studienergebnisse aus Sachsen ließen sich nicht auf andere Länder übertragen.

Glaubt man einer Untersuchung aus Sachsen, sollen Schulen keine besonderen Ansteckungsherde in der Corona-Pandemie sein. Für die Studie hat das Universitätsklinikum Leipzig Blutproben und Rachenabstriche von rund 2700 Probanden an verschiedenen Grundschulen und Gymnasien in dem Bundesland untersucht.

Das Ergebnis: An den Schulen in Sachsen hat sich das Coronavirus bisher kaum verbreitet. Bei weniger als einem Prozent der getesteten Schüler*innen oder Lehrer*innen wurden Antikörper gefunden.

Und das, obwohl Sachsen die Schulen bereits im Mai wieder schrittweise geöffnet hatte – deutlich früher als andere Bundesländer. Deswegen sei es richtig, wieder vor Ort zu unterrichten und die Hygienemaßnahmen zu lockern, schreiben die Autorinnen und Autoren der Leipziger Studie.

Kein Normalbetrieb in den meisten Bundesländern

Udo Beckmann sieht das ähnlich – für den Fall Sachsen. Er ist Bundesvorstand der Bildungsgewerkschaft "Verband Bildung und Erziehung" und war rund 25 Jahre Lehrer an Hauptschulen in Nordrhein-Westfalen. Es sei jedoch wichtig, zu differenzieren: "Ich glaube, das kann man jetzt nicht generalisieren und auf andere Bundesländer übertragen".

Das Infektionsgeschehen sei von Bundesland zu Bundesland verschieden, sagt Beckmann. In den meisten Bundesländern werde es deshalb keinen Normalbetrieb geben.

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Tatsächlich sind andere Bundesländer vorsichtiger als Sachsen: In Mecklenburg-Vorpommern werden die Klassen nach Jahrgängen getrennt. Auch eine Maskenpflicht auf den Schulfluren und Pausenhöfen soll eingeführt werden – nach dem Vorbild von Berlin, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Einheitlich scheint eher die Form des Unterrichts zu werden: Das Lernen werde vielerorts wieder in dem bereits überholt geglaubten Frontalunterricht stattfinden, meint Beckmann.

Entscheidend sind die nächsten drei Wochen

Die Schule sei ein "Spiegelbild der Gesellschaft", sagt Beckmann. Schülerinnen und Schüler würden sich – wie Erwachsene – in der Krise unterschiedlich verhalten. Der größte Teil habe jedoch "durchaus ein Bewusstsein dafür, wie man sich zu verhalten hat".

Es sei nun wichtig, wie die Entwicklung nach zwei oder drei Wochen aussehe. Aus Israel wisse man beispielsweise, dass das Infektionsrisiko in den Wochen nach der Schulöffnung wieder gestiegen sei. Diese Entwicklung gelte es nun im Blick zu behalten.

(sed)


Unsere Korrespondentin Silke Hasselmann berichtet von der Schulöffnung in Mecklenburg-Vorpommern

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