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Kommentar / Archiv | Beitrag vom 18.08.2020

Schulen und CoronaKein Konzept, nirgends

Von Armin Himmelrath

Schulbetrieb an der Realschule Benzenberg in Düsseldorf: Jugendliche mit Masken sind auf dem Weg zum Unterricht. (picture alliance / dpa / imageBROKER / Rupert Oberhäuser)
Schulbetrieb an der Realschule Benzenberg in Düsseldorf: Jedes Bundesland hat eigene Corona-Regeln. (picture alliance / dpa / imageBROKER / Rupert Oberhäuser)

Die Ferien sind vorbei, die Schule beginnt, und schon müssen die ersten Lehranstalten wegen Corona-Fällen wieder schließen. Armin Himmelrath wirft der Politik deswegen Totalversagen vor: Den Grund sieht er in einer bizarren Selbsttäuschung.

Auf den Tag genau fünf Monate und zwei Tage ist es nun her, dass in den meisten Bundesländern die Schulen geschlossen wurden. Macht genau: 155 Tage. Und irgendwer, denke ich mir als Vater und als Bildungsjournalist, muss sich doch in diesen 155 Tagen mal Gedanken darüber gemacht haben, wie der Unterricht in Zukunft aussehen wird.

155 Tage sollten für einen Masterplan reichen

Einer Zukunft, in der es mit großer Sicherheit viel mehr digitalen Unterricht geben wird, als wir das bisher aus dem Schulalltag kennen. 155 Tage, das sollte eigentlich reichen, um so etwas wie ein Konzept zu entwickeln, einen Masterplan, Leitplanken – wie auch immer man das nennen will.

Aber: Pustekuchen!

Die Kultusministerkonferenz beweist lieber immer wieder neu ihre eigene Überflüssigkeit. Zum Beispiel mit dem groß angekündigten bundesweiten Hygienekonzept, in dem sie bewusst auf Detailregelungen verzichtet, um den Provinzfürsten in den 16 Bundesländern nicht in die Parade zu fahren.

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Deshalb ist da nur wolkig von Handhygiene und vagen Abstandsregelungen die Rede. Entschuldigung, aber ein Hygienekonzept auf diesem inhaltlichen Niveau hätte ich mit befreundeten Eltern auch an einem Nachmittag zusammengeschustert.

Oder das Bildungsgipfelchen vergangene Woche, sogar Angela Merkel war dabei. Und was kam dabei heraus? Die bahnbrechende Erkenntnis, dass wir beim digital gestützten Lernen in Deutschland ziemlichen Nachholbedarf haben und dass jeder Lehrer und Lehrerin, jeder Schüler und jede Schülerin ein ordentliches Endgerät benötigt, um gut digital lernen zu können.

Schulen als System organisierter Verantwortungslosigkeit

Meine Güte, womit haben sich denn die Verantwortlichen in den vergangenen 155 Tagen eigentlich beschäftigt? Ich weiß schon: mit dem Gerede vom Regelbetrieb in den Schulen. Was für eine bizarre Selbsttäuschung.

Wie heißt es so schön? Corona legt die Schwächen der Bildung offen, von Chancenungleichheit bis zu digitaler Inkompetenz.

Das gilt leider auch für das Gesamtsystem: Corona entlarvt die Schulen als System organisierter Verantwortungslosigkeit. Ausbaden müssen es die Kinder und Jugendlichen.

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