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Interview | Beitrag vom 27.11.2020

Schufa will Kontoauszüge prüfenDer Zwang zur Transparenz

Lorenz Matzat im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Zwei Hände, die eine Kreditkarte durchschneiden (imago images / fStop Images)
Kredit oder kein Kredit? Darüber entscheidet die Schufa. Bald will sie dafür auch Kontoauszüge prüfen. (imago images / fStop Images)

Die Schufa will künftig Kontoauszüge prüfen, um über Kreditwürdigkeit zu entscheiden. Die Pläne stoßen auf Kritik. Datenschutzaktivist Lorenz Matzat sieht einen Zwang durch ein privatwirtschaftliches Unternehmen.

Für Verbraucher, die einen neuen Mietvertrag oder Kredit brauchen, soll es wie eine zweite Chance klingen: Mit dem Produkt "CheckNow" verspricht die Schufa Menschen, die einen negativen Score haben, eine neue Bewertung. Dazu müssen sie nur zustimmen, dass die Schufa ihre Kontoauszüge der letzten zwölf Monate prüfen darf. Zu den 65 Kategorien, die untersucht werden, zählen Einkommen, staatliche Leistungen, Unterhaltszahlungen und auch Risikofaktoren wie Glücksspiel. Die Daten sollen laut Schufa nur zweckgebunden verwendet und nicht dauerhaft gespeichert werden. NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" haben die Pläne der Schufa enthüllt.

Doch dagegen richtet sich Kritik. Der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar und der Vorsitzende des Deutschen Verbraucherschutzes Peter Müller befürchten Nachteile und Zwänge für die Kunden. Auch SPD, Grüne und FDP kritisieren die Pläne. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht und das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz prüfen derzeit die Dienstleistung.

Intransparente Bewertung

Lorenz Matzat, Mitgründer und technischer Leiter von AlgorithmWatch, der das Projekt "OpenSCHUFA" mit initiiert hat, spricht von einer "Zwangsauskunft", die nur scheinbar freiwillig erfolge. Menschen, die unter Druck stehen, weil sie etwa einen Mobilfunkvertrag brauchen, bliebe nichts anderes übrig, als der Einsicht in die Kontoauszüge einzuwilligen. Auf etwa sechs bis sieben Millionen Menschen könnte das zutreffen.

Ein großes Problem sieht Matzat auch darin, dass die Auswertung dieser Daten in privatwirtschaftlichen Händen liegt. "Die Schufa gehört im Wesentlichen Banken und sie lebt unter anderem davon, Leuten ihre eigenen Daten zurückzuverkaufen." Sie handele intransparent: "Die Schufa legt nicht wirklich offen, wie sie bewertet, ob sich jemand in ihren Augen korrekt oder nicht korrekt verhält, hat aber einen ziemlich großen Einfluss darauf." Matzat wünscht sich eine gemeinnützige, demokratisch kontrollierte Organisation, die diese Aufgaben übernimmt.

(leg)

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