Schuberts "Rosamunde" aus Berlin

"Die Musikbegleitung von Schubert ließ die Genialität dieses beliebten Meisters nicht verkennen. Die Ouvertüre und ein Chor im letzten Akte sprachen so an, dass die Wiederholung unter lautem Beifallklatschen verlangt wurde." Die Rede ist hier in der "Wiener Zeitschrift für Kunst" vom Schauspiel "Rosamunde, Fürstin von Cypern" der Helmina von Chézy, uraufgeführt am 20. Dezember 1823 im Theater an der Wien. Nach einer weiteren Vorstellung wurde das Stück abgesetzt und nie wieder gespielt. Nicht so die Bühnenmusik von Franz Schubert.
Helmine Freiin von Klencke, in zweiter Ehe mit dem französischen Baron de Chézy verheiratet, hatte schon das Libretto für die Oper "Euryanthe" von Carl Maria von Weber verfasst. Davor hatte sie nur Gedichte und Prosa geschrieben, und nun wollte sie sich an einem eigenen Bühnenstück versuchen über Rosamunde, die Fürstin von Cypern, nach einem Drama aus dem Spanischen. Als Komponist für die Bühnenmusik wurde ihr Franz Schubert empfohlen, allerdings blieb nicht viel Zeit für die Komposition. Die acht Wochen bis zur Premiere reichten gerade mal für zwei Ballette, zwei Chöre, eine Romanze und drei Zwischenaktmusiken, die nicht mal ganz fertig wurden. Für die Ouvertüre war gar keine Zeit mehr, und so nahm Schubert diejenige seiner bereits fertigen, aber noch nicht aufgeführten Oper "Alfons und Estrella". Das Theaterstück "Rosamunde, Fürstin von Cypern" wurde ein Flop, die Musik hingegen gelobt. Deshalb bearbeitete Schubert sie u.a. für Gesang und Klavier. Das so Arrangierte veröffentlichte er unter der Opuszahl 26. Darunter war auch eine Ouvertüre, die er drei Jahre zuvor für die "Zauberharfe", ein Melodram mit Chören, komponiert hatte. So kam es, dass es zwei Ouvertüren für die "Rosamunde"-Musik gibt, obwohl die letztere nie zusammen mit dem Schauspiel aufgeführt worden war.
Marc Minkowski entschloss sich bei seinem Konzert mit dem DSO am 30. Oktober, beide Ouvertüren in seine Fassung der Bühnenmusik mit einzubeziehen. Er änderte auch die Reihenfolge der Musikstücke gegenüber dem Schauspiel und entschied sich, da die Vorgaben der Handlung fehlen, für eine Dramaturgie nach musikalischen Gesichtspunkten.
In der Konzerpause gegen 20:40 Uhr berichtet Volker Michael vom Anfang einer Revolution in der musikalischen Jugendförderung in Deutschland:
Nun ist es amtlich! Deutschlands einziger bundesweiter Wettbewerb für musizierende Kinder und Jugendliche öffnet sich der Popmusik. Erstmals können sich auch Gitarristen, Sänger und Schlagzeuger der popmusikalischen Stilrichtung im Jahr 2008 in den Kampf um Punkte und Urkunden und um Anschlussförderung stürzen. Die Öffnung wurde bundesweit beschlossen. Einige Bundesländer gehen nun noch einen Schritt weiter. In Berlin wird es zum Beispiel noch weitere Kategorien wie "DJ" geben - "Die DJs bringen ihre Schallplatten und Nadeln selbst mit" - heißt es dazu in der Ausschreibung. Auch die außereuropäische Musik wird im Berliner Landeswettbewerb von "Jugend Musiziert" bedacht - neben der türkischen Langhalslaute "Baglama" gibt es ab sofort auch das Fach "Interkulturelle Perkussion".


Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 30.10.2007

Ernest Chausson
"Poème de l’amour et de la mer"

ca. 20:40 Uhr Konzertpause mit Nachrichten und anschlließend:
Brücke oder Klippe ? - "Jugend Musiziert" öffnet sich der Pop-Musik
Von Volker Michael

Franz Schubert
Bühnenmusik zu "Rosamunde"


Yvonne Naef, Mezzosopran
Ernst-Senff Chor
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Marc Minkowski