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Im Gespräch | Beitrag vom 05.04.2019

Schriftsteller und Psychiater Jakob Hein"Humor ist eine Haltung"

Moderation: Klaus Pokatzky

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Der Berliner Arzt und Schriftsteller Jakob Hein.  (Susanne Schleyer)
Jakob Hein hatte ein nicht ganz typisches Leben in der späten DDR. Sein Vater ist der berühmte Schriftsteller Christoph Hein. (Susanne Schleyer)

Noch ein Arzt, der nebenher heitere Bücher schreibt? Für den Berliner Jakob Hein ist das Schreiben und Vorlesen seiner Texte auch Inspiration für seinen Beruf als Kinder- und Jugendpsychiater. Erste Erfahrungen sammelte er als Autor auf Lesebühnen.

"Mein erstes T-Shirt" hieß der Debüt-Roman von Dr. med. Jakob Hein. Er handelt von einer Jugend in der DDR, humorvoll und kenntnisreich, denn Hein verbrachte die ersten 18 Jahre seines Lebens im deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staat. Ein nicht ganz typisches Leben in der späten DDR, ist doch sein Vater der damals schon berühmte Schriftsteller Christoph Hein.

"Manche verwechseln da unsere Rollen, einmal tat das unsere Gardinenhändlerin, die zu meinem Vater sagte: Sie sind doch der Vater von dem Schriftsteller. Daraufhin hat er ja gesagt und beide haben gelacht, denn der eigentliche Schriftsteller, das fand sie auch, ist er, Christoph Hein."

Dennoch war Jakob Heins Weg zum Schreiben nicht vorgezeichnet. Nach dem Mauerfall reiste er erstmal ein Jahr lang durch die USA, dann studierte er Medizin.

"Der Mauerfall war ein großes Geschenk für mich als 18-Jährigen. Ich hatte mir vorgenommen: Auf jeden Fall gehst Du nach Amerika. Ich wollte in diesem Leben einmal in New York gewesen sein. Ich habe mir nach dem Mauerfall für 400 Mark ein Ticket gekauft, ein One-Way-Ticket, und konnte nach New York fliegen. Und habe einfach ein Jahr in den USA gelebt."

Literarische Heimat Lesebühne

Zu Jakob Heins literarischer Heimat wurde die Lesebühne, also das öffentliche Vortragen eigens dafür geschriebener Texte und die spontane Reaktion des Publikums darauf. So fing es an und bis heute liest Hein jeden Sonntag auf der Reformbühne Heim und Welt im Roten Salon der Volksbühne seine neuesten Texte vor.

"Man nimmt eine Geschichte, stellt sich auf die Bühne und liest sie vor. Wenn sie lustig ist, kommt sie besser an, aber wenn sie gut ist, kommt sie auch an. Es ist einfach eine Art, Dinge zu veröffentlichen, ohne einen Verlag zu haben. So habe ich meine erste Geschichte veröffentlicht. "

Entsprechend schreibt er auch Bücher: schnell, oft kurz, Geschichten aus dem Alltag, immer mit einer Spur Ironie.

"Robert Gernhardt sagt ja: Humor ist eine Haltung. Komik kann daraus entstehen. Und diese Haltung, mich selbst nicht so wichtig zu nehmen und damit auch niemanden anders, die ist mir sehr eigen."

Nicht der DDR-Erklärer vom Dienst

Mittlerweile hat er 16 Bücher veröffentlicht, darunter "Herr Jensen steigt aus", "Liebe ist ein hormonell bedingter Zustand" oder zuletzt "Die Orient-Mission des Leutnant Stern". Außerdem Drehbücher, ein Theaterstück und hunderte Texte für die Lesebühne.

Vieles hat mit der DDR-Erfahrung zu tun, aber längst nicht alles. Jakob Hein will nicht der DDR-Erklärer vom Dienst sein.

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