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Konzert / Archiv | Beitrag vom 23.06.2015

Schostakowitsch mit dem RSB BerlinPetersburger Blutsonntag

Live aus der Philharmonie Berlin

Der Dirigent Vasily Petrenko (Mark McNulty/RSB)
Der Dirigent Vasily Petrenko (Mark McNulty/RSB)

Zwei gewichtige Werke von Dmitrij Schostakowitsch an einem Abend - das RSB spielt unter Leitung von Vasily Petrenko die 11. Sinfonie und mit dem Solisten Truls Mørk das erste Cellokonzert. Ein intensives Musikerlebnis ist somit garantiert.

Ein reiner Schostakowitsch-Abend unter der Leitung von Vasily Petrenko. Er ist wohl einer der interessantesten Dirigenten der jüngeren Generation. 1976 in Leningrad geboren, in dem dann rückbenannten St. Petersburg ausgebildet und geprägt, unter anderem bei Mariss Jansons in die "Lehre" gegangen – niemand kann ernsthaft behaupten, dass dieser Petrenko nicht über einen authentischen und ernsthaften Zugang zum Gesamtwerk von Schostakowitsch verfügt. 

Die Losung des Abends wird gleich zu Beginn des Programms im ersten Cellokonzert ausgegeben: Ein verkapptes "D-eS-C-H" – das Monogramm des Komponisten D(mitrij) Sch(ostakowitsch) wird vom Solocello wie ein Leitmotiv eingebracht und dann als eine lapidare Geste hingeworfen. Im weiteren Verlauf des Konzerts nehmen diese Monogramme "Fahrt" auf, werden dramatisch gesteigert und bohren sich tief ein in Gehör und Gehirn des Zuhörers.

Dieses sehr persönliche und intime Motiv des Komponisten, das sein Ringen als Mensch und Künstler verdeutlichen soll, führt direkt zur Sinfonie hin, die im zweiten Programmteil erklingt. Das Werk mit dem Beinamen "Das Jahr 1905" nimmt Bezug auf einen wichtigen Tag der neueren russischen (oder sowjetischen?) Geschichte, nämlich auf den so genannten "Blutsonntag" von St. Petersburg. An diesem Tag im Januar vor 110 Jahren protestierten Arbeiter unter Leitung eines orthodoxen Priesters gegen die Zustände und verlangten die Einrichtung eines Parlaments. Soldaten schossen auf die Protestierer und töteten viele - die genauen Opferzahlen sind nie geklärt worden.

"Die meisten meiner Sinfonien sind Grabdenkmäler...Ich würde gern für jeden Umgekommenen ein Stück schreiben. Doch das ist unmöglich. Darum widme ich ihnen meine gesamte Musik!" Das soll der Komponist gegenüber dem Musikpublizisten Solomon Volkov geäußert haben. Sein elfte Sinfonie, die er diesen Opfern gewidmet hat, wird relativ selten gespielt und ist in ihrem Wert im Gesamtschaffen Schostakowitschs nicht unumstritten.

Das Programmheft zum Nachlesen

 

Live aus der Philharmonie Berlin

 

Dmitrij Schostakowitsch

Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 Es-Dur op. 107

 

ca. 20.35 Uhr Konzertpause

 

Dmitrij Schostakowitsch

Sinfonie Nr. 11 g-Moll op. 103 („Das Jahr 1905")

 

Truls Mørk, Violoncello

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Leitung: Vasily Petrenko

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