Schönheits-OP von Linda Evangelista

    Schön wie ein Supermodel reicht nicht

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    Model Linda Evangelista auf dem roten Teppich des White House, Washington, 2014.
    Linda Evangelista im Jahr 2014: Vor dem Eingriff, der Fettgewebe mit Kälte wegfrieren sollte, aber schief ging. © imago / UPI Photo
    Anne Monrad im Gespräch mit Ramona Westhof · 24.09.2021
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    Das Model Linda Evangelista hat über eine missglückte Schönheits-OP berichtet, die sie "brutal entstellt" habe. Für das Model Anne Monrad zeigt das, wie unrealistisch die Ideale in der Modebranche seien, wenn sogar Topmodels ihnen nicht entsprechen.
    Linda Evangelista war in den 90er-Jahren eines der erfolgreichsten Supermodels und bekannt für das Zitat, dass sie für weniger als 10.000 Dollar pro Tag gar nicht erst aufstehe. Doch in den vergangenen Jahren hat sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Nun hat Evangelista sich in einem Instagram-Post dazu geäußert, warum: Seit über fünf Jahren befinde sie sich in einer tiefen Depression, nachdem eine Schönheits-OP missglückt sei.
    Evangelista berichtet, sie habe eine Behandlung mit Coolsculpting durchführen lassen, ein Eingriff, der Fettgewebe mit Kälte schrumpfen lassen soll. Doch nun sei sie stattdessen "brutal entstellt", "voller Selbsthass" und zur "Einsiedlerin" geworden. Evangelista kündigte eine Klage gegen die Firma Zeltiq an, die hinter der Marke Coolsculpting steckt.

    Unrealistische Ideale

    Was Linda Evangelista berichtet, zeigt für das Model Anne Sophie Monrad die unrealistischen Anforderungen der Modebranche: "Für mich ist das eine riesen Bestätigung, wie hoch der Druck in dieser Industrie ist, selbst für ein Supermodel. Und immer noch ist Mitte 50. Dass sie so etwas tun muss um diesem unnatürlichen Schönheitsideal zu entsprechen."
    Kritisch sieht sie, dass jemand wie Evangelista wohl nur über einen solchen Eingriff spreche, wenn er missglückt: "Wäre diese Schönheitsoperation erfolgreich verlaufen, hätte sie wahrscheinlich nicht gesagt, dass sie etwas getan hat", sagt Monrad. "Und dieses Ideal würde weiterhin einfach da sein, dass man mit Mitte 50 aussieht wie mit womöglich Ende 20."
    Linda Evangelista schminkt sich, Backstage bei einer Fashion Show 1996.
    Ob Schminken oder Schönheits-OPs: Sogar Supermodels wie Linda Evangelista, hier im Jahr 1996, stehen unter Druck, noch besser auszusehen als ohnehin schon. © imago / ZUMA Wire
    Monrad kritisiert in ihrem Buch "Fashion Victim" die Härte des Model-Business. Ihr sei früher selbst schon einmal zu einer Fettabsaugung geraten worden, erzählt sie.

    Nein sagen und gesund bleiben

    Für jemanden wie Linda Evangelista, meint sie, seien die Anforderungen eigentlich nicht ganz so unerbittlich: "Sie hat es geschafft. Sie ist ein Supermodel. Sie darf altern und kriegt trotzdem ihre Beauty-Kampagnen." Dass sie trotzdem noch Schönheitsoperationen machen müsse, sei sehr traurig.
    Monrad wünscht sich mehr Widerstand von Models. "Es müssten viel mehr Leute einfach Nein sagen zu Diäten und dem, was die Designer verlangen, was die Agenturen verlangen. Wenn jedes Model einfach mal sagen würde: Nee, nicht mehr mit mir, denn ich möchte gesund sein."
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