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Interview / Archiv | Beitrag vom 02.03.2020

Schmähungen gegen Hoffenheim-MäzenDFB hat einen Präzedenzfall geschaffen

Harald Lange im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Nachdem Bayern-Ultras Hoffenheims Dietmar Hopp mit Plakaten geschändet haben, wurde das Spiel unterbrochen, danach mit einem Nichtangriffspakt zuende gebracht, Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge FC Bayern München schaut mit Dietmar Hopp re die Schlussminuten vom Spielfeldrand aus an. (www.imago-images.de)
Karl-Heinz Rummenigge und Dietmar Hopp stehen am Wochenende nebeneinander am Spielfeldrand. (www.imago-images.de)

Ein Banner mit der Aufschrift "Hurensohn" hat für einen Eklat in der Bundesliga gesorgt. Es richtete sich gegen den Milliardär Dietmar Hopp. Der DFB setzt auf Bestrafungen. Sportwissenschaftler Harald Lange fragt sich, ob bei anderen Beleidigungen nun ähnlich konsequent vorgegangen wird.

Schmähungen gegen Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp durch Bayern-Fans haben am vergangenen Samstag fast zu einem Spielabbruch in Sinsheim geführt.

Der auf Plakaten als "Hurensohn" bezeichnete Unternehmer und Milliardär gilt seit Jahren als Symbolfigur für die Kommerzialisierung des Fußballs. Er habe seinen Jugendverein Hoffenheim mit Hilfe seines Privatvermögens in die Bundesliga reingekauft, kritisieren Fans. 

Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge solidarisierte sich angesichts der Beleidigungen im Stadion mit dem betroffenen Mäzen. "Das ist das hässliche Gesicht des Fußballs. Ich schäme mich zutiefst Dietmar Hopp gegenüber, der ein ganz feiner Ehrenmann ist", sagte er.

Rummenigge kündigte an, gegen die eigenen Fans vorzugehen. 

Präzdenzfall für Schmähungen aller Art

Bei besagtem Spiel Bayern gegen Hoffenheim haben Funktionäre und Vereinsbosse "ganz klar Kante gezeigt", kommentiert Harald Lange vom Institut für Fankultur an der Uni Würzburg die Vorfälle. Sie hätten erklärt, es sei für sie überhaupt kein Problem, Spiele in ähnlichen Situationen auch künftig abzubrechen. Insofern sei am Wochenende ein "Präzedenzfall" geschaffen worden. 

Jetzt bleibe zu hoffen, dass mit gleicher Konsequenz bei "allen rassistischen, sexistischen, rechtsradikalen oder wie auch immer gearteten Beleidigungen und Vergehen" gehandelt werde, so Lange. Daran habe er aber große Zweifel.

Der DFB gerate damit in Gefahr mit zweierlei Maß zu messen, wenn er zwar einen Milliardär wie Hopp schütze, aber bei einem gewöhnlichen Fußball-Fan, Spieler, Trainer oder Schiedsrichter womöglich weniger hart reagiere.

Ungebremst treibe der DFB hingegen die Kommerzialisierung im Fußball voran und achte nur beiläufig auf Fan-Interessen. Bedeutung hätten diese dann, wenn es darum gehe, Geld zu verdienen.

(huc)

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