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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 26.01.2019

Schluss machen, aber wie?Wenn sich Paare trennen

Laura Ewert und Rüdiger Wacker im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Eine Illustration zeigt die Schattenumrisse zweier Gesichter, die sich ansehen. Zwischen ihnen eine Wolke von verwickelten roten, blauen und schwarzen Linien.  (imago / Ikon Images)
Wenn ein Paar am Ende ist: Journalistin Laura Ewert und Paartherapeut Rüdiger Wacker diskutieren über das richtige Schlussmachen. (imago / Ikon Images)

Ewige Liebe? Bei vielen Paaren hält sie. Andere Beziehungen zerbrechen an Stress, Gleichgültigkeit oder Seitensprüngen. Fast jede zweite Ehe wird geschieden. Aber wie können Paare sich trennen, ohne dass die Beteiligten dabei Schaden nehmen?

"Eine gute Trennung ist, wenn beide Seiten ohne nachhaltigen Schaden rauskommen", sagt die Journalistin Laura Ewert, Koautorin des Buchs "Schluss jetzt. Von der Freiheit, sich zu trennen". "Wenn man nicht komplett zerstört ist; wenn man sich selbst reflektieren kann – und dass einem nicht Wut, Trauer und das eigene Ego die Sicht versperren." Leider sei dies zu selten der Fall.

Ihre Erfahrung: Paare reden zu wenig über ihre Beziehung, über ihre Bedürfnisse, Zweifel oder Enttäuschungen. "Man muss wissen, wie man leben möchte. Und man darf nicht den Fehler machen, zu denken: Ich möchte in der Beziehung bleiben, weil das dem gesellschaftlichen Bild entspricht, weil es dem Ideal Vater-Mutter-Kind entspricht. Das führt zu Selbstzweifeln. Und damit ist weder einem selbst geholfen, noch dem Partner oder dem Kind." Kein Paar trenne sich leicht, aber vielen Betroffenen gehe es nach der Schmerzphase wieder besser. "Eine Trennung ist ein Crashkurs in Sachen eigener Strapazierfähigkeit. Es ist zwar anstrengend, aber es bilden sich auch Fähigkeiten heraus, die in einer Zweierbeziehung oft verkümmern."

Der Alltag als Beziehungskiller

"Eine Beziehung ist wie ein Lebewesen: Wenn man es nicht täglich füttert, geht es ein", sagt der Paartherapeut Rüdiger Wacker. Er rät Paaren aufzuschreiben, wie ihr Tag abläuft: "Wann ist die Zeit, wo Sie nicht mit Kindern und Haushalt beschäftigt sind? Nur Zeit für 'ich' und 'du' – diese Paar-Zeit." Die Bilanz sei oft ernüchternd, der Alltag lasse die Liebe verkümmern. Problematisch werde es, wenn damit auch die gegenseitige Wertschätzung verschwinde. "Wenn die Gefühle weg sind, muss ich eine Entscheidung treffen: Man kann feststellen, dass die Beziehung nicht mehr zu retten ist – oder aber versuchen, sich noch einmal ineinander zu verlieben."

Als Therapeut sieht er sich nicht in der Rolle des "Eheretters" um jeden Preis. Gemeinsam mit den Ratsuchenden gilt es, herausfinden, was das Beste für alle Beteiligten ist. Im Fall einer Trennung geht es ihm darum: "Dafür zu sorgen, dass es nicht im Streit endet. Ein besonderer Punkt ist, wenn Kinder da sind: Wann sagen wir es? Was sagen wir? Wie geht man mit Freunden um? Wie soll die räumliche Trennung aussehen? Und dort immer wieder die Emotionen rauszunehmen."

Seine Mahnung: "Liebe ist nicht nur ein Wort. Liebe sind Worte und Taten."

Schluss machen, aber wie? Wenn sich Paare trennen

Darüber diskutiert Vladimir Balzer heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Laura Ewert und Rüdiger Wacker. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

Literaturhinweis:
Heike Blümner und Laura Ewert: "Schluss jetzt. Von der Freiheit, sich zu trennen"
Verlag hanserblau, Erscheinungsdatum: 28.01.2019

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