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Nachspiel / Archiv | Beitrag vom 27.03.2016

Schlittenhundeführer Matthias KlattDer Musher aus Thüringen

Von Henry Bernhard

Schlittenhunde untwegs im Schnee (picture alliance / dpa / Winfried Rothermel)
Schlittenhunde untwegs im Schnee (picture alliance / dpa / Winfried Rothermel)

Schlittenhunderennen - das ist nicht nur etwas für Alaska, Grönland und andere arktische Regionen. Auch in Deutschland gibt es Freunde des kalten Sports. Zum Beispiel Matthias Klatt aus Thüringen und seine Siberian Huskies.

"Chester! Candy! Evy! Bandit! Sitz! Nicht hüpfen, sitz!"

Drei ausgewachsene Siberian Huskys und ein 15 Wochen alter Welpe tummeln sich vor Matthias Klatt. Es dauert ein wenig, bis alle gleichzeitig sitzen. Klatt ist ihr Herrchen, ihr Musher. So heißen die Schlittenhunde-Führer.

Für seine Hunde ist man Vater, Mutter, Koch

Die drei ausgewachsenen, grauen, wolfsähnlichen Hunde sind Klatts Gespann, mit ihnen lebt er, trainiert er, nimmt an Rennen teil. Der braune Welpe muss noch ein halbes Jahr warten. Die Vielseitigkeit ist es, die Klatt am Schlittenhundesport reizt.

"Als Musher ist man alles: Da ist man Vater, da ist man Trainer, auch mal Mutti, wenn sie getröstet werden müssen, dann Koch, denn essen wollen sie auch, das können sie auch nicht selber machen. Also, man ist eigentlich alles. Und es harmoniert nur ein Team, wenn der Musher sich auf die Hunde einstellt, die Hunde auf den Musher eingestellt sind, und dann harmoniert das mit Training, Essen. Und wenn der Musher auch noch fit hinten drauf ist, das heißt, wenn du bei 40 km auch ein bißchen mitlaufen kannst, und die Hunde sind gut trainiert."

Dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Diverse Rennen hat er schon gewonnen, darunter zwei Mal das 280 Kilometer lange "Trans Thüringia".

"Als allererstes hatte ich 1997 mein erstes Kinderrennen; das war in Finsterbergen, Thüringer Wald. Und da war ein Wagenrennen, drei- bis vierhundert Meter, da war ich so stolz wie ein kleiner Oskar hier. Da hatte ich eine Medaille, die war schwerer als meine ganzen Sachen, die ich anhatte, um. Und da habe ich mich riesig gefreut. Und seitdem hat mich das Fieber gepackt."

Training jeden zweiten Tag

Er ist reingewachsen in den Sport, sein Onkel, bei dem die auch Hunde leben, hatte früher in seiner aktiven Zeit 15 Huskies. Die Hunde bestimmen Klatts Lebensrhythmus, gehören zur Familie. Drei bis vier Stunden am Tag ist er bei ihnen. Schon am Morgen, bevor er auf Arbeit geht, wo er Putze für Fassaden mischt und einfärbt.

"Also, meistens ist es so, dass ich vor der Arbeit schon mal mit den Hunden aufs Feld gehe, damit die schon mal Bewegung hatten. Dann kriegen sie eine Kleinigkeit zu essen, meistens mit einer warmen Brühe. Das nimmt dann schon mal vor der Arbeit ein bißchen Zeit in Anspruch. Dann komme ich nach Hause. Da werden sie gesäubert, im Sommer werden sie ausgekämmt. Dann werden die Pfoten nachgeguckt, ob da alles in Ordnung ist. So, wie du dich zu den Hunden verhältst, so laufen die Hunde auch für dich!"

Dazu kommt ab dem Spätsommer bis ins Frühjahr hinein das Training an jedem zweiten Tag, anfangs nur kurze Strecken mit einem Wagen, im Winter dann bis 40 Kilometer mit dem Schlitten. Bergauf hilft der Musher mit. Auch, wenn er im Verein ist, der Rennen und Trainingslager organisiert und Anfängern zur Seite steht, ist es ein teurer und einsamer Sport. Nur der Musher und die Hunde.

Wenn Mensch und Hundegespann eins werden

Die Siberian Huskies sind erstaunlich ruhig. Das einzige Bellen auf dem Hof kommt von einem Berner Sennenhund. Die Huskies kümmern sich nicht um die Menschen ringsum, sondern spielen miteinander. Dem Welpen bringen sie nebenbei die Rangordnung bei. Erst als Matthias Klatt ihre Geschirre auspackt, werden sie unruhig

"Also erstmal hat jeder sein eigenes Geschirr…"

Klatt spannt die Hunde an, die bereitwillig mitmachen. Einmal angespannt, springen und zerren die vorher sanften Tiere an der Leine. Der Wagen ist indessen festgemacht, damit sie nicht ohne ihn losstürmen können. Als Klatt zum Hoftor geht, um es zu öffnen, gibt es kein Halten mehr.

Er löst den Sicherheitskarabiner und das Gespann schießt davon.

"Bin gleich wieder da!"

Über die Werrabrücke auf einen Feldweg. Wenn er mit seinen Hunden unterwegs ist, ist er eins mit ihnen.

"Die Zusammenarbeit mit dem Hund und die Natur! Also, wenn man jetzt durch den verschneiten Wald fährt, da gibt’s einfach nichts Schöneres! Rechts und links die Bäume, der Trail, es knirscht, du hast nur die Hunde und es geht nur das Hecheln von den Hunden. Und dann kommt dieses Knirschen von dem Schnee, und das ist einfach faszinierend. Das ist das, was an dem Sport mit Spaß macht."

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