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Fazit | Beitrag vom 09.03.2020

Schließung der UffizienSocial Media und Solidarität

Eike Schmidt im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Eike Dieter Schmidt, Direktor der Uffizien, hängt ein Gemälde an seinen Platz. (Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)
Eike Schmidt setzt auf das Internet: Während der Schließung der Uffizien will er virtuelle Besuche des Museums ermöglichen. (Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Italiens Museen sind wegen des Coronavirus geschlossen, also auch die Uffizien in Florenz. Man versuche, die Schließung mit digitalen Angeboten zu überbrücken, sagt Direktor Eike Schmidt. Er berichtet von großer Solidariät unter den Museen.

Die italienische Regierung ordnete am Montag ein Verbot von kulturellen, sportlichen und religiösen Veranstaltungen an. Museen, Kinos und Theater sollen landesweit geschlossen bleiben. Die Schulen und Universitäten sind bereits seit Donnerstag in ganz Italien geschlossen. Auch die Uffizien in Florenz sind davon betroffen, das heißt aber nicht, dass dort nichts mehr passiert. Ganz im Gegenteil.

"Hinter den Kulissen gibt es sehr viel zu tun", sagt deren Direktor, Eike Schmidt. Lange fällige Reparaturen können nun durchgeführt und neue Wege der digitalen Kommunikation erprobt werden: "Wir können keinen direkten Kontakt mit unseren Besuchern haben, aber indirekt über die technologischen Medien, die Social Media, das Web, YouTube und so weiter, ihnen ein kulturelles Angebot geben und auch in Kommunikation bleiben."

Intensivierung der digitalen Kommunikation

Diese Kommunikation sei aber nicht monodirektional, erklärt Schmidt: "Das sind ja häufig Medien, in denen wir dann auch auf Fragen, Anregungen reagieren können." Die vielen Reaktionen, in Form von Likes und Kommentaren seien ermutigend, sagt der Museumsdirektor. Wichtig für eine erfolgreiche Kommunikationsstrategie sei die plattformspezifische Aufbereitung: Die Ausstellungen oder Veranstaltungen würden also nicht einfach nur abgefilmt, sondern jeweils für Social Media, YouTube oder das Web aufbereitet, berichtet Schmidt.

So sei es möglich, geplante Veranstaltungen auch ohne physisch anwesende Besucher durchzuführen. Die Schließungen der Museen führten also zu einer Intensivierung der digitalen Kommunikation. Natürlich sei es "merkwürdig, wenn wir einen Vortragssaal haben und dann nur den Vortragenden vorne und eine Videokamera", sagt Schmidt. Das sei fast wie in einem Fernsehstudio, aber man versuche eben das Positive aus der Situation herauszuholen.

Leihgabefristen werden verlängert 

Die Solidarität unter den Museen sei zudem groß, berichtet Schmidt, das heißt: Leihgabezeiträume würden problemlos verlängert, da Ausstellungen durch die erzwungene Schließzeit wahrscheinlich länger als geplant stattfinden müssten. Die große Raffael-Schau in Rom zu dessen 500. Todestag zum Beispiel musste nach nur einem Tag wieder geschlossen werden. Auch die Uffizien hatten Werke dorthin verliehen.

(ckr)


Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, sieht derzeit keine Gefahr, dass wegen des neuartigen Coronavirus Museen geschlossen werden. Bisher empfiehlt das Robert Koch-Institut, dass Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen abgesagt werden. So viele Menschen seien aber selten gleichzeitig in einem Museum, so Köhne.

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