Schillernde Kunstmesse
Die Art Basel Miami Beach gilt als Ableger der bedeutendsten Messe ihrer Art in der Schweiz. Vier Tage lang präsentierten in Florida rund 250 Galerien aus 33 Ländern die Werke von 2000 bekannten und jungen Künstlern. Die schillernde Kunstmesse hat diesmal die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise zu spüren bekommen.
Wenn alle Jahre wieder die Aktienmärkte einbrechen, hat das, abgesehen von den ständigen schlechten Nachrichten und der schlechten allgemeinen Stimmung, zumindest ein Gutes. Der Börsenhandel produziert mit seinen Kennziffern wie dem Dow-Jones-Index oder dem Dax eine gewisse Trendtransparenz.
Auf dem Markt für zeitgenössische Kunst, auf dem wohlhabende Privatsammler und große Unternehmen die Preise bestimmen, gibt es solche Barometer nicht. Weshalb die Stimmung seit Beginn der Finanz- und Bankenkrise von einer diffusen Nervosität geprägt ist. Und weshalb tausende von Besuchern, die in der letzten Woche durch die Gänge der größten Kunstmesse Amerikas streiften, eigentlich nur eines wissen wollten: Gibt noch jemand Geld aus? Wie gut - oder wie schlecht - laufen die Geschäfte?
In den vergangenen Jahren spiegelte die Veranstaltung - Art Basel Miami Beach, ein saisonaler Ableger der bedeutendsten Messe ihrer Art in der Schweiz - die Atmosphäre wieder, mit der viele reiche Menschen in den USA Kunstwerke betrachten, sobald sie sie als Anlageobjekte identifiziert haben. Unbekümmert. Schnell entschlossen, Optimistisch.
Das war gut für die Branche und gut für die 250 Galerien aus aller Welt, die bis zu 65.000 Dollar ausgeben, um im Convention Center von Miami Beach die Gemälde und Skulpturen ihrer Künstler zu präsentieren und deren Marktwert zu testen,
Doch in diesem Jahr kam dem Ableger auf einmal eine neue Rolle zu: Der eines Lackmus-Tests, der zeigen soll, wohin die Reise geht. Das weiß man vermutlich noch immer nicht. Nicht mal, nachdem der "Miami Herald" mehrere Tage lang seine Reporter ausschwärmen ließ und das Fazit am Samstag auf der ersten Seite Schwarz auf Weiß so zusammenfasste:
"Die Rezession hat Art Basel Miami in eine bescheidenere Version seiner selbst umgeformt. Die Hälfte aller Galerien berichten Verkaufsrückgänge."
Denn wie man eine solche Feststellung bewertet, hängt wie so vieles in der Kunst vom Standpunkt des Betrachters und von den Erwartungen ab. Es gab Galeristen, besonders die Großen aus New York, die mit hängenden Mundwinkeln herumliefen. Aber es gab auch die Realisten vor allem aus Europa wie Matthias Arndt von der Berliner Galerie Arndt und Partner, der seit vielen Jahren in Florida ausstellt:
"Das lief eigentlich sehr viel besser, als wir erwartet haben. Also, das heißt, wir haben gut verkauft. Sicherlich nicht so gut wie letztes Jahr. Aber wir sind einfach hier gut zurecht gekommen. Die Kosten haben wir, glaube ich, gut draußen. Es war schon ein bisschen viel besser, als wir dachten.
Dieser sogenannte Schock, also so eine Art Schockstarre, die den Kunstmarkt gleich nach dem Finanzmarkt befallen hat - das kann man schon etwa in den September eingrenzen - die hielt erst mal an. Und die löst sich jetzt langsam. Und das ist ja auch wichtig. Es kann ja nicht alles jetzt stillstehen und aufhören."ä
Nein, das kann es nicht. Nicht in Florida im Dezember, wo die Temperaturen um angenehme 20 Grad pendeln und wo man das Thema Kunst und Design zu einem Riesen-Event aufgebauscht hat. Neben der Art Basel Miami Beach mit ihren eigenen Satelliten-Standorten wie den umfunktionierten Frachtcontainern direkt am Strand gibt es 20 Nebenmessen verstreut über die vorgelagerte Insel und das urbane Hinterland von Miami.
Jede dieser Schauen trägt ihren Teil zu jenem Party-Rummel bei, der zu einem Markenzeichen des von namhaften Sponsoren bezuschussten Spaßprogramms geworden ist. Vor allem der letzte Teil der Entwicklung hat etablierten Galeristen noch nie gefallen. So sehen sie denn auch in der Finanzkrise ein hilfreiches Korrektiv. Thomas Krinzinger von der Galerie Krinzinger in Wien:
"Es fällt eine Publikumsschicht weg, die dem Kunstmarkt in den letzten zwei, drei Jahren auch gar nicht gut tat. Vor allem letztes Jahr war es eklatant. All diese Events und dieses aufgeblasene Chi-chi. Und so ist es wieder viel mehr konzentriert auf die Kunst. Sammler haben mehr Zeit, haben nicht Angst, dass sofort alles von irgendjemandem weggekauft wird.
Oft haben wirklich seriöse Sammler sehr gute Arbeiten nicht bekommen. Die extreme Geschwindigkeit, die ist draußen. Das tut der Kunst sehr gut. Das tut den Galerien gut, auch wenn die Umsätze sicher zurückgegangen sind - bei allen. Aber von einem extrem hohen Niveau. Von einem übertriebenen Niveau."
Daniel Hug, der neue Chef der Art Cologne, der im April bei seiner eigenen Messe in Köln zum ersten Mal mit den neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurecht kommen muss, war nach seinem Rundgang eher gelassen.
"Die Kunstwelt ist viel kleiner geworden, also über Nacht. Der Pool von Sammlern ist jetzt kleiner - also, ich würde sagen wie in den späten 90er Jahren. Es ist nicht schlimm. Die kaufen immer noch sehr gut. Ich weiß, dass Alexander Sies von der Düsseldorfer Galerie Sies und Höke eine Riesenskulptur von Chris Martin in fünf Minuten verkauft auf der Art Basel Miami Beach. Das heißt: Gute Kunst verkauft man immer noch. Einfach weniger davon."
Marc Spiegler, der Ko-Direktor der Art Basel Miami, hatte diese Einschätzung bereits am Tag der Eröffnung so formuliert:
"Viele amerikanische Sammler haben noch immer viel Geld und werden dies als ausgezeichnete Gelegenheit ansehen, ihre Sammlung auszubauen. So etwas hat es in den letzten Jahren nicht gegeben."
Und in einem Jahr soll die Krise schon wieder überwunden sein. Hinter den Kulissen wurde bekannt, dass Art Basel Miami Beach 2009 seine Ausstellungsfläche verdoppeln will.
Auf dem Markt für zeitgenössische Kunst, auf dem wohlhabende Privatsammler und große Unternehmen die Preise bestimmen, gibt es solche Barometer nicht. Weshalb die Stimmung seit Beginn der Finanz- und Bankenkrise von einer diffusen Nervosität geprägt ist. Und weshalb tausende von Besuchern, die in der letzten Woche durch die Gänge der größten Kunstmesse Amerikas streiften, eigentlich nur eines wissen wollten: Gibt noch jemand Geld aus? Wie gut - oder wie schlecht - laufen die Geschäfte?
In den vergangenen Jahren spiegelte die Veranstaltung - Art Basel Miami Beach, ein saisonaler Ableger der bedeutendsten Messe ihrer Art in der Schweiz - die Atmosphäre wieder, mit der viele reiche Menschen in den USA Kunstwerke betrachten, sobald sie sie als Anlageobjekte identifiziert haben. Unbekümmert. Schnell entschlossen, Optimistisch.
Das war gut für die Branche und gut für die 250 Galerien aus aller Welt, die bis zu 65.000 Dollar ausgeben, um im Convention Center von Miami Beach die Gemälde und Skulpturen ihrer Künstler zu präsentieren und deren Marktwert zu testen,
Doch in diesem Jahr kam dem Ableger auf einmal eine neue Rolle zu: Der eines Lackmus-Tests, der zeigen soll, wohin die Reise geht. Das weiß man vermutlich noch immer nicht. Nicht mal, nachdem der "Miami Herald" mehrere Tage lang seine Reporter ausschwärmen ließ und das Fazit am Samstag auf der ersten Seite Schwarz auf Weiß so zusammenfasste:
"Die Rezession hat Art Basel Miami in eine bescheidenere Version seiner selbst umgeformt. Die Hälfte aller Galerien berichten Verkaufsrückgänge."
Denn wie man eine solche Feststellung bewertet, hängt wie so vieles in der Kunst vom Standpunkt des Betrachters und von den Erwartungen ab. Es gab Galeristen, besonders die Großen aus New York, die mit hängenden Mundwinkeln herumliefen. Aber es gab auch die Realisten vor allem aus Europa wie Matthias Arndt von der Berliner Galerie Arndt und Partner, der seit vielen Jahren in Florida ausstellt:
"Das lief eigentlich sehr viel besser, als wir erwartet haben. Also, das heißt, wir haben gut verkauft. Sicherlich nicht so gut wie letztes Jahr. Aber wir sind einfach hier gut zurecht gekommen. Die Kosten haben wir, glaube ich, gut draußen. Es war schon ein bisschen viel besser, als wir dachten.
Dieser sogenannte Schock, also so eine Art Schockstarre, die den Kunstmarkt gleich nach dem Finanzmarkt befallen hat - das kann man schon etwa in den September eingrenzen - die hielt erst mal an. Und die löst sich jetzt langsam. Und das ist ja auch wichtig. Es kann ja nicht alles jetzt stillstehen und aufhören."ä
Nein, das kann es nicht. Nicht in Florida im Dezember, wo die Temperaturen um angenehme 20 Grad pendeln und wo man das Thema Kunst und Design zu einem Riesen-Event aufgebauscht hat. Neben der Art Basel Miami Beach mit ihren eigenen Satelliten-Standorten wie den umfunktionierten Frachtcontainern direkt am Strand gibt es 20 Nebenmessen verstreut über die vorgelagerte Insel und das urbane Hinterland von Miami.
Jede dieser Schauen trägt ihren Teil zu jenem Party-Rummel bei, der zu einem Markenzeichen des von namhaften Sponsoren bezuschussten Spaßprogramms geworden ist. Vor allem der letzte Teil der Entwicklung hat etablierten Galeristen noch nie gefallen. So sehen sie denn auch in der Finanzkrise ein hilfreiches Korrektiv. Thomas Krinzinger von der Galerie Krinzinger in Wien:
"Es fällt eine Publikumsschicht weg, die dem Kunstmarkt in den letzten zwei, drei Jahren auch gar nicht gut tat. Vor allem letztes Jahr war es eklatant. All diese Events und dieses aufgeblasene Chi-chi. Und so ist es wieder viel mehr konzentriert auf die Kunst. Sammler haben mehr Zeit, haben nicht Angst, dass sofort alles von irgendjemandem weggekauft wird.
Oft haben wirklich seriöse Sammler sehr gute Arbeiten nicht bekommen. Die extreme Geschwindigkeit, die ist draußen. Das tut der Kunst sehr gut. Das tut den Galerien gut, auch wenn die Umsätze sicher zurückgegangen sind - bei allen. Aber von einem extrem hohen Niveau. Von einem übertriebenen Niveau."
Daniel Hug, der neue Chef der Art Cologne, der im April bei seiner eigenen Messe in Köln zum ersten Mal mit den neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurecht kommen muss, war nach seinem Rundgang eher gelassen.
"Die Kunstwelt ist viel kleiner geworden, also über Nacht. Der Pool von Sammlern ist jetzt kleiner - also, ich würde sagen wie in den späten 90er Jahren. Es ist nicht schlimm. Die kaufen immer noch sehr gut. Ich weiß, dass Alexander Sies von der Düsseldorfer Galerie Sies und Höke eine Riesenskulptur von Chris Martin in fünf Minuten verkauft auf der Art Basel Miami Beach. Das heißt: Gute Kunst verkauft man immer noch. Einfach weniger davon."
Marc Spiegler, der Ko-Direktor der Art Basel Miami, hatte diese Einschätzung bereits am Tag der Eröffnung so formuliert:
"Viele amerikanische Sammler haben noch immer viel Geld und werden dies als ausgezeichnete Gelegenheit ansehen, ihre Sammlung auszubauen. So etwas hat es in den letzten Jahren nicht gegeben."
Und in einem Jahr soll die Krise schon wieder überwunden sein. Hinter den Kulissen wurde bekannt, dass Art Basel Miami Beach 2009 seine Ausstellungsfläche verdoppeln will.
