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Studio 9 | Beitrag vom 13.05.2020

Schienenverkehr muss zukunftsfähig seinHört auf, immer auf der Bahn herumzuhacken!

Von Dieter Nürnberger

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Ein Bahnmitarbeiter mit Mund-Nasen-Schutz steht neben einem Zug und hält ein Abfahrtssignal in die Höhe. (picture alliance/Geisler-Fotopress)
Der Bahn muss in der Coronakrise aus Steuermitteln geholfen werden, sagt Dieter Nürnberger. (picture alliance/Geisler-Fotopress)

Millionen Menschen nutzen die Deutsche Bahn – sie wird dringend gebraucht. Mehr noch: Sie wird in besserer Verfassung gebraucht. Ihre staatliche Finanzierung sollte selbstverständlich sein, meint Dieter Nürnberger. Gerade jetzt in der Coronakrise.

Das letzte Mal, als ich Zug gefahren bin, war schon Corona. Von Berlin aus in eine Kleinstadt in Brandenburg. Auf jeden Fall bin ich sicher angekommen und auch wieder gut zurück. Ein Stück Normalität, was ja wichtig ist in diesen Zeiten.

Im Moment wird ja vieles gelockert oder geöffnet. Und all jene, die nun wieder mehr und mehr zur Arbeit pendeln, freuen sich, dass es noch Fahrpläne und aufrechterhaltene Bahnverbindungen gibt.

Kostet halt Geld. Und in Coronazeiten kann sich ein funktionierender Bahnbetrieb nun mal nicht rentieren, weil die zahlenden Kunden fehlen. Die Deutsche Bahn AG ist ein bundeseigener Betrieb und deshalb ist es für mich gar keine Frage, wer für den Coronaschaden einspringen muss. Wir alle eben, die Steuerzahler.

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Den Autokauf pampern - die Bahn nicht?!

Mal ehrlich: Wenn der Staat mit einer Abwrackprämie schon wieder den privaten Autokauf pampern will, darf er auch die Bahn nicht vergessen. Und die Politiker sollten sich ihrer eigenen Worte erinnern. Vor Corona wurde nämlich die Bahn zu Recht als Zukunftsprojekt gepriesen. Umweltfreundlicher als die anderen Verkehrsträger, ein Mittel gegen den Stau usw.

Und es nervt, dass einige Politiker nun aufstöhnen. Es gab und gibt Milliarden für die Wirtschaft – Kredite und Zuschüsse. Das muss wohl sein – doch klotzen statt kleckern gilt dann eben auch für die Bahn, die nutzen in Normalzeiten immerhin Millionen von Kunden. Und sie werden es auch wieder tun, müssen es sogar, weil sie kein Auto haben.

Heißt jetzt nicht, dass das Geld unkontrolliert fließen soll. Wird es auch nicht, ist ja ein Quasi-Staatsbetrieb, da muss der Haushaltsausschuss des Bundestags genau hinschauen. Und klar, kann man dann auch gleich über die Boni für die Bahn-Vorstände reden, sollte man aber ebenso bei jenen Unternehmen, die jetzt Staatsgelder fordern und trotzdem Renditen an ihre Aktionäre auszahlen wollen, sich aber sonst jede Einmischung verbitten.

Also: Hört auf, immer nur reflexartig auf der Bahn rumzuhacken. Wir brauchen sie noch – und zwar eine bessere als in der Vergangenheit.
 

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